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„Ich lieb‘s“: Warum das Sportabzeichen in Waldkraiburg mehr als nur ein Fitnesstest ist

Umjubelt ins Ziel: Papa Rolf und Tochter Lea geben trotz sommerlicher 33 Grad im Waldkraiburger Jahnstadion alles. Sprinten ist eine mögliche Sportart, um das deutsche Sportabzeichen zu erlangen.
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Umjubelt ins Ziel: Papa Rolf und Tochter Lea geben trotz sommerlicher 33 Grad im Waldkraiburger Jahnstadion alles. Sprinten ist eine mögliche Sportart, um das deutsche Sportabzeichen zu erlangen.

Jeden Dienstag im Juli heißt es im heimischen Jahnstadion: Zeig, was du kannst! Doch was macht das Sportabzeichen in Waldkraiburg so besonders?

Waldkraiburg – „Es ist so heiß, es ist so heiß”, sagt Lea und tippelt auf der Stelle. Trotzdem halten die 17-Jährige auch sommerliche 33 Grad nicht davon ab, gemeinsam mit Papa Rolf ins Waldkraiburger Jahnstadion zu kommen. Dort wird im Juli jeden Dienstag zwischen 17 und 19 Uhr das deutsche Sportabzeichen abgenommen. Ein Termin, der bei den beiden schon seit mehreren Jahren fest im Kalender steht.

Kraft sammeln für den Absprung: Lea und Papa Rolf treten im Standweitsprung beim Deutschen Sportabzeichen an. Prüferin Annette Neumann (links) hat alles im Blick. Sie hat eine Zusatzausbildung absolviert und darf auch Menschen mit Behinderung prüfen.

Gerade machen sie sich bereit zum Standweitsprung, um ihre Kraft unter Beweis zu stellen. Lea, die eine geistige Behinderung hat, lobt ihren Papa: „Gut gemacht!” Dann geht sie selbst an den Start, sammelt Kraft, indem sie etwas in die Hocke geht und springt ab. Auf 90 Zentimeter kommt die 17-Jährige. „Zehn fehlen dir noch”, motiviert Sportabzeichen-Prüferin Annette Neumann. Also macht sich Lea nochmal bereit und erreicht im zweiten Anlauf einen Meter. Das reicht genau für das Bronze-Abzeichen und Lea jubelt.

Breitensportabzeichen in vier Disziplinen

Das deutsche Sportabzeichen ist ein Breitensportabzeichen und wird vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) verliehen. In den vier Disziplinen Ausdauer, Kraft, Koordination und Schnelligkeit beweisen Teilnehmende ihr Geschick. Für jede Disziplin stehen verschiedene Sportarten zur Auswahl, ganz nach persönlicher Vorliebe. Zusätzlich müssen Sportlerinnen und Sportler einen Nachweis erbringen, dass sie schwimmen können.

Seit fast 20 Jahren nimmt Prüfer Thomas Irgmeier am deutschen Sportabzeichen auch selbst teil – er betrachtet es als jährlichen Fitnesstest.

„Jeder ab einem Alter von sechs Jahren, der altersgemäß gesund ist, kann mitmachen”, sagt Sportabzeichen-Prüfer Thomas Irgmeier. Je nach Geschlecht und Alter gibt es eine eigene Leistungsklasse. Auch Menschen mit Behinderung sind willkommen. Irgmeier selbst nimmt nicht nur das Abzeichen ab, sondern seit fast 20 Jahren auch teil. „Es ist ein jährlicher Fitnesstest für sich selbst”, erzählt er.

Spaß am Sport im Vordergrund

Der Großteil der Teilnehmenden ist in irgendeiner Form sportlich aktiv, doch Voraussetzung ist das nicht. Genauso wenig wie eine Mitgliedschaft in einem Verein. Irgmeier kommt aus dem Turnsport und würde als ehemaliger Spartenleiter beim VfL am liebsten alle Disziplinen im Turnen ablegen. Bis auf den Bereich Ausdauer ist das auch möglich. „Jeder Mensch hat andere Vorlieben”, ermutigt er, einfach einen Versuch zu wagen. Laufen sei als Turner beispielsweise noch nie Seins gewesen und beim Schleuderball kratze er an Gold. Für jede Sportart und Disziplin gibt es Leistungszeichen in Bronze, Silber und Gold.

Kugelstoßen ist für Rudi Ross ein Leichtes. Auch mit 70 Jahren erreicht er Weiten von zehn Metern und mehr.

Rudi Ross übt sich am liebsten im Kugelstoßen. Die vier Kilogramm schwere Kugel weit genug zu stoßen, ist für ihn ein Leichtes. Der 70-Jährige tritt in seiner Sportart auch bei bayernweiten Wettkämpfen an. Der erste Stoß mit 7,75 Metern reicht ihm bereits für Gold, doch das kann er mit stolzen 10,10 Metern im zweiten Anlauf weit überbieten. „Die Kugel darf von der Schulter nicht weggehen, wenn man wirft, ist man disqualifiziert”, betont er. „Aber insgesamt steht der Spaß am Sport im Vordergrund: Wenn etwas nicht klappt, versuchen wir es halt nochmal”, erwidert Irgmeier.

Noch drei Termine im Juli zur Leistungsprüfung

Ross nimmt seit vielen Jahren am Sportabzeichen teil. „Hier lernt man mit einem Schlag Menschen kennen”, sagt er. Gerne gibt der erfahrene Sportler sein Wissen an den 19-jährigen Lukas Hufeld weiter, kritisiert: „Du hast den ganzen Schwung gar nicht mitgenommen” und macht sogleich vor, wie es besser laufen könnte. „Kugelstoßen gefällt mir am besten, überhaupt nehme ich am Sportabzeichen teil, weil es mir Spaß macht”, erzählt Hufeld.

Dem 19-jährigen Lukas Hufeld macht Kugelstoßen am meisten Spaß. Wichtig ist dabei, dass die Kugel an der Schulter bleibt.

Trotz der sommerlichen Hitze haben sich um die zehn Sportwillige im Jahnstadion eingefunden. Weitere drei Termine sich sportlich zu beweisen, stehen am 15., 22. und 29. Juli bevor. Die Leistungen im Schwimmen nimmt ein Bademeister individuell ab. Die Prüfer-Riege ist ein Drei-Familienbetrieb und wird von den Hufelds, Irgmeiers und Neumanns gestemmt. Schon zu Beginn des Jahres treffen sie sich zu ersten Vorbereitungen, legen die Termine für das Sportabzeichen fest. Manche Berufe wie der Zoll oder Hochschulsport setzen die Leistungsprüfung auch voraus, dann nehmen sie sie schon eher ab.

Jubelnd über die Ziellinie

Vor allem soll das Sportabzeichen aber zeigen: „Sport macht Spaß”, betont Hauptkoordinatorin Neumann. Sie genießt die Stimmung, die in diesen Stunden im Jahnstadion herrscht. „Bei Wettkämpfen treten wir meist gegeneinander an, beim Sportabzeichen muss man nur besser sein als der innere Schweinehund.” Sie würde sich wünschen, dass noch mehr Menschen diese Möglichkeit wahrnehmen – gerade weil das Angebot so niedrigschwellig sei. „Waldkraiburg ist bunt, aber das Sportabzeichen ist noch sehr weiß”, sagt Neumann.

Stolz läuft Lea mit Papa Rolf nach hundert Metern im Ziel ein. Die Umstehenden feuern sie an, bis zum Schluss alles zu geben.

Papa Rolf und Tochter Lea machen sich in der Zwischenzeit zum Sprint bereit. Hundert Meter muss die 17-Jährige zurücklegen und ist sich sicher, das locker flockig zu meistern. Angefeuert von den Umstehenden erreicht sie nach 23 Sekunden die Ziellinie und verpasst damit nur knapp das Silber-Abzeichen. „Aber Bronze ist doch gut!”, lässt sie sich nicht beirren. Vater Rolf weiß, dass seine Tochter der Wettkampf gegen sich selbst motiviert. Da kann Lea nur zustimmen, versichert eifrig, dass der Sport hier ihr guttue. „Ich lieb‘s, lieb‘s, lieb‘s”, sagt sie.

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