Diebstahl in Waldkraiburg
Das hat selbst die Polizei noch nicht erlebt: Mit 14 Jahren am Steuer des Fluchtwagens
Auto statt Roller: Ein 14-Jähriger sitzt nach einem mutmaßlichen Diebstahl in Waldkraiburg am Steuer des Fluchtwagens und überrascht damit selbst erfahrene Polizisten. Mit welchen Konsequenzen der Teenager rechnen muss.
Waldkraiburg – Es ist eine Szene wie aus einem Actionfilm: Ein Fahrzeug mit laufendem Motor, die Hände des Fahrers fest um das Lenkrad gekrallt, der Blick angespannt in den Rückspiegel gerichtet. Jede Sekunde könnte der Komplize mit der Beute auf den Beifahrersitz springen – und dann Vollgas. Eine Szene, wie es sie jetzt auch in Waldkraiburg gegeben hat. Nur eben nicht nach einem spektakulären Überfall auf ein Juwelier-Geschäft, das über Wochen hinweg ausgekundschaftet worden ist. Und am Steuer saß auch kein erfahrener Fluchtfahrer.
Was war passiert? Ein zunächst unbekannter Mann war am Donnerstagnachmittag (8. Mai) beobachtet worden, als er mit einem Paket unter dem Arm ein Geschäft in der Friedländer Straße verlassen hatte. Als er darauf angesprochen worden ist, war er geflohen. Zeugen hatten dies beobachtet und auch gesehen, dass er in der Berliner Straße auf den Beifahrersitz eines Transporters gestiegen war. Schnell war auch die Polizei informiert, die rasch handelte.
Diebesbeute ist bislang unklar
„Anhand des Kennzeichens war die Halterin des Fahrzeugs schnell ermittelt“, erklärt Waldkraiburgs Polizeichef Uwe Schindler. So schnell, dass die Polizei quasi zeitgleich mit dem Transporter an der Wohnadresse eintraf. Bei der Kontrolle staunten die Beamten nicht schlecht: Am Steuer saß kein erfahrener Fluchtfahrer, sondern ein 14-jähriger Junge aus Waldkraiburg. Auf dem Beifahrersitz ein 23-Jähriger, der vermeintliche Ladendieb, der allerdings den Diebstahl abstritt.
Was aus dem Geschäft gestohlen worden ist, dazu konnte die Polizei zunächst keine Angaben machen. „Im Fahrzeug war keine Diebesbeute und auch im näheren Umfeld und in der Nähe des Geschäfts war nichts zu finden“, sagt Schindler. Das betroffene Geschäft müsse nun noch prüfen, was genau fehlt.
Dass ein 14-Jähriger am Steuer eines Fluchtwagens sitzt, das erstaunt selbst den erfahrenen Polizeichef. „Dass Jugendliche mit einem Moped oder einem Roller flüchten, das kommt vor. Aber einen 14-Jährigen mit dem Auto – das habe ich so noch nicht erlebt.“ Für den Jugendlichen hat die unerlaubte Spritztour Konsequenzen: Er muss sich wegen Fahren ohne Fahrerlaubnis verantworten. Als 14-Jähriger gilt für ihn das Jugendstrafrecht. Auch die Führerscheinstelle wird laut Schindler über den Vorfall informiert.
Zum Ladendiebstahl hat die Polizei die Ermittlungen aufgenommen. Sowohl der 23-Jährige als auch der Jugendliche werden dazu von den Beamten vernommen. Die Mutter des 14-Jährigen und Halterin des Transporters wurde wegen Ermächtigung zum Fahren ohne Fahrerlaubnis angezeigt.