Eisstock-Europameisterschaft in Waldkraiburg
Vom mobilen Hirn bis zum Hupen-Bruder: Diese Menschen machen die Eisstock-EM möglich
Damit die Eisstock-Europameisterschaft in Waldkraiburg reibungslos über die Bühne geht, packen neben erfahrenen Technikern 156 Stockschützen ehrenamtlich mit an. Dem OVB haben sie gezeigt, was abseits des Eises passiert.
Waldkraiburg – Den wohl besten Blick über das Stadion hat Martin Dehmel: Er sitzt oberhalb der Tribüne vor Laptop und Mischpult und bringt den Sound auf die Eisfläche. „Die Halle verzeiht nichts, wenn jemand über das Mikrofon zu laut spricht, kann man das nicht gut hören, das ist eine richtige Gratwanderung“, schildert er die Herausforderungen, die der Hall im Waldkraiburger Eisstadion mit sich bringt. Der Elektriker ist begeistert vom Turnier. „Es ist richtig spannend, vor allem wie knapp es manchmal ausgeht“, sagt er.
Neben ihm sitzt das „mobile Hirn“ der Veranstaltung: Christian Rimsl ist das Rechenbüro in Person und für die Start- und Siegerlisten zuständig. Eigentlich melden die Sportlerinnen und Sportler alles vorab und doch passiere es alle fünf Minuten, dass sich wieder etwas ändere. Als alter Hase kann er damit gut umgehen, schon 2012 hat er diese Aufgabe bei der Weltmeisterschaft übernommen. Viele Engagierte sind langjährige Eisstockschützen – auf bewährte Ressourcen zurückzugreifen, trägt zur lockeren Atmosphäre bei.
Damit die Helferinnen und Helfer auch gut zu erkennen sind, tragen sie alle blaue Jacken. Für deren Ausgabe ist Robert Thurner zuständig. „Die richtigen Größen einzuschätzen, ist manchmal gar nicht so leicht“, sagt er. Um deren Bestellung hat er sich schon Wochen vorab gekümmert, hinterher dürfen die Ehrenamtlichen die Jacken als Andenken behalten.
„Finnen und Luxemburger lieben warmen Leberkas“
Erna Baumgarten kümmert sich darum, dass auch für das leibliche Wohl der Besucher gesorgt ist, ihre Devise: „Essen, Trinken, Glücklichsein.“ Dass in Waldkraiburg so viele Nationen zusammenkommen, macht der langjährigen Stockschützin „richtig Spaß“. Kulinarisch gibt es dann aber doch bayerische Klassiker, allen voran warme Leberkassemmeln. „Finnen und Luxemburger lieben warmen Leberkas“, hat sie festgestellt.
Bei den deutschen Athletinnen und Athleten ist dagegen Kaiserschmarrn das absolute Lieblingsgericht, da ist man sich schnell einig. Das wissen auch Barbara und Alois Dialler. Sie bringen über sieben Kilogramm der Süßspeise für das deutsche Team auf die Teller. Eine Masse, die sie am Tag des Geschehens kaum bewältigen können. Deswegen bereiten und kochen sie zu Hause fleißig vor, damit die 23 Damen und Herren gut versorgt sind. Schinken-Käse-Toast, aufgeschnittenes Obst und Gemüse gibt es dagegen immer frisch, eine Kuchenauswahl steuern die Sportlerinnen und Sportlern bei.
Auf die Einhaltung der Regeln wird genau geschaut
Für Reinhilde Ulrich vom Bayerischen Eissport-Verband ist es eine Selbstverständlichkeit, als Bahnrichterin zu unterstützen. Sie notiert die Punkte, je nachdem wie nah es ein Schütze mit dem Eisstock an eine vorgegebene Stelle geschafft hat. Wie sie sind Bahnrichter häufig auch Schiedsrichter. „In 90 Prozent der Fälle können wir über die Punkte entscheiden“, sagt sie. Nur wenn es sehr knapp ist, werde noch eine weitere Person hinzugeholt.
Dass alle Regeln und Durchführungsbestimmungen eingehalten werden, hat Georg Smouning, Vizepräsident beim Internationalen Eisstockverband im Blick. Regelverstöße kämen immer wieder vor, heute hätten bereits drei Sportlerinnen oder Sportler die Begrenzungslinie übertreten und dafür einen Strafpunkt kassiert.
„Die beste Eröffnungsfeier seit langem“
Etwa fünfzig Ehrenamtliche sind jeden Tag im Einsatz, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Der erfahrene Vereinswirt Thade Mittermeier kümmert sich darum, dass auch sie gut verpflegt sind. Die Eröffnungsfeier hat ihm bisher am besten gefallen. „Ich war überrascht über die Masse an Zuschauern, 800 bis 900 sollen es gewesen sein.“ Für Freitag und Samstag hoffen die Ehrenamtlichen auf volle Zuschauerränge mit 1500 bis 2000 Gästen pro Tag – schließlich ist der Alpenraum eine Hochburg des Eisstockschießens.
Auch Christian Obermeier, Präsident des Deutschen Eisstock-Verbands, beschreibt den EM-Auftakt als sensationell: „Das war die beste Eröffnungsfeier seit langem, es waren so viele Leute da.“ Ganz oft erlebe er, dass nur die Sportlerinnen und Sportler sowie ihre Angehörigen kommen – nicht so hier. „Waldkraiburg ist eine Eisstockstadt, die sich bestens bewährt hat“, sagt er.
Dem kann sich Zuschauer Christian Thumer nur anschließen. Jeden Tag steht er im Stadion, hat sich dafür extra Urlaub genommen. Sein Bruder ist Eisstockschütze und er hat eine Hupe mitgebracht, um ihn lautstark anzufeuern. „Die EM ist einfach super, die Spiele, aber auch die vielen Nationen und das Gesellige außen rum.“









