50 Jahre Eishalle Waldkraiburg
Wie das perfekte Eis gelingt: Ein Blick hinter die Kulissen der Raiffeisen-Arena Waldkraiburg
Ob Eishockey, Eiskunstlauf oder Schulsport: In der Waldkraiburger Raiffeisen-Arena ist fast immer etwas los. Zum 50. Jubiläum öffnet Eismeister Jürgen Szczuka die Tore hinter die Kulissen – und verrät, was das perfekte Eis ausmacht.
Waldkraiburg – Leise, fast lautlos gleitet die weiße Maschine mit ihrem kleinen Reifen über das glatte Eis. Hinter sich lässt sie einen dünnen Wasserfilm zurück, der im Licht glänzt. Gleichmäßig, in fließenden Bewegungen zieht sie ihre Bahnen, bis die aufgeraute Fläche wieder glatt ist. Aus den Lautsprechern erklingt Musik, auf den Bänken ziehen sich gerade die letzten Schulkinder die Schlittschuhe aus. Ein ganz normaler Morgen in der Raiffeisen Arena in Waldkraiburg.
„Hier ist immer Betrieb“, sagt Jürgen Szczuka. Er muss es wissen. Seit fast 40 Jahren arbeitet er in der Eishalle und ist damit fast von Beginn an dabei. Am Wochenende feiert die Eishalle mit einem Tag der offenen Tür ihren 50. Geburtstag. Unter der Woche beginnt der Dienst hier bereits um 6 Uhr früh, am Wochenende um 8 Uhr. Teilweise dauert der Betrieb bis Mitternacht. „Die Halle ist nur wenige Stunden leer“, erklärt er. Kein Wunder: Eishockey, Eiskunstlauf, Eisstockschützen, Publikumslauf und Schulklassen – alle teilen sich die Fläche. In den Nebenräumen sind zudem Kegler und Schützen untergebracht.
Zweite Eismaschine als Absicherung
Anfangs gab es hier nur eine Eisfläche, den Eingang auf der Rückseite und ein paar Kabinen – unter anderem für die erste Eishockeymannschaft. „Ansonsten war nichts da, die Halle kam erst ein paar Jahre später.“ Anfangs gab es auch nur eine Eismaschine, seit knapp 40 Jahren sogar zwei und seit Kurzem fährt eine davon elektrisch. Eine zweite Maschine dient als Absicherung, falls während eines Spiels eine Maschine kaputtgeht.
Denn an einem Eishockey-Spieltag muss alles schnell gehen: Vor und nach dem Warmschießen wird das Eis geglättet, in jeder Drittelpause ebenso. „Da ist man schon ein bisschen aufgeregter, wenn einem so viele Zuschauer zusehen. Es herrscht eine ganz andere Atmosphäre und es kommt auf jede Minute an“, erklärt Szczuka. Nur 15 Minuten bleiben, um Tore und Schnee vom Eis zu holen, die Fläche zu glätten und die Bande wieder zu schließen. An einem durchschnittlichen Spieltag ist die Eismaschine acht- bis zehnmal im Einsatz.
Ammoniak lässt das Eis gefrieren
Technisches Herzstück der Eishalle ist die Kühlmaschine, die mittels Ammoniak das Eis gefrieren lässt. „Das funktioniert wie ein Kühlschrank“, erklärt es vereinfacht Szczuka. Die Qualität des Eises folgt dabei fast einer eigenen Philosophie: Für den Spielbetrieb liegt die Temperatur zwischen minus sieben und minus neun Grad. „Beim Publikumslauf darf es etwas weicher sein, auch die Eiskunstläufer mögen das lieber. Für die Eisstockschützen wird das Eis dagegen aufgeraut.“
Auch das Wetter spielt eine Rolle. Zu viel Sonne bringt Wärme aufs Eis – unerwünscht, aber nicht zu verhindern. „Das ist eine Wissenschaft für sich“, meint Szczuka. Je kälter es draußen ist, desto leichter lässt sich Energie sparen und die Temperatur konstant halten.
Bevor die Saison startet, ist Handarbeit gefragt. Unter dem Beton der Eishalle verlaufen Rohrleitungen, durch die das Ammoniak zirkuliert. In einzelnen, feinen Schichten wird das Eis nach und nach dicker. „Das baut sich langsam auf. Mit einem Schlauch wird das Wasser aufgespritzt, das dann auf den Boden rieselt“, erklärt Szczuka. Gespritzt wird meist nachts, wenn es in der Spätsommerzeit draußen kühler ist.
Zwei Mitarbeiter sind etwa eine Stunde beschäftigt, bis das Wasser dünn auf dem Boden gefroren ist. 40-mal wiederholt sich dieser Vorgang, bis das Eis die endgültige Stärke erreicht hat. Auch Linien, Markierungen und Werbebanner werden von Hand aufgebracht. Auf die vier Zentimeter dicke Grundschicht folgt eine ein Zentimeter starke Deckschicht – das sogenannte Arbeitseis, das die Maschine immer wieder glättet und erneuert.
Mit dicker Winterjacke steht Jürgen Szczuka in der Halle. Kalt ist ihm nicht. Nach so vielen Jahren weiß er, wie er sich rüsten kann. Im Winter in der Eishalle, im Sommer im Waldbad – für Jürgen Szczuka ist das eine schöne Abwechslung, weil einem so nie langweilig wird. Dem EHC fühlt er sich verbunden, das Schwimmbad ist ihm ans Herz gewachsen. Ein vernünftiger Anorak hilft viel gegen die dauerhaft niedrigen Temperaturen in der Eishalle. „Aber ich friere lieber, als dass ich schwitze.“
Tag der offenen Tür in der Eishalle Waldkraiburg
Die Eishalle Waldkraiburg wird 50 Jahre alt. Gefeiert wird mit einem Tag der offenen Tür am Samstag, 8. November, in der Raiffeisen Arena. Zwischen 11 Uhr und 22 Uhr erwartet die Besucher ein abwechslungsreiches Programm auf und abseits des Eises.
Den Auftakt bildet um 11 Uhr eine Eröffnung, gefolgt von einem Kindereishockeyspiel des EHC um 11:45 Uhr. Ab 12:45 Uhr können Interessierte Eiskunstlauf und Eishockey selbst ausprobieren. Um 13.45 Uhr stehen Pirouetten- und Sprungvorführungen der Eiskunstlaufsparte sowie ein Schießen mit den Stockschützen auf dem Plan. Von 15 bis 16:30 Uhr ist die Eisfläche für den Publikumslauf freigegeben.
Das sportliche Programm setzt sich um 17 Uhr mit einem Eishockeyspiel der Hobbymannschaften fort. Showeinlagen der Eiskunstläufer folgen ab 18:30 Uhr, bevor um 19 Uhr das Show-Training der ersten Eishockey-Mannschaft beginnt. Zum Abschluss lädt von 20 bis 22 Uhr eine Disco auf dem Eis zum Mitfeiern ein.
Auch abseits der Eisfläche wird ein vielseitiges Rahmenprogramm geboten: Probeschießen bei den Schützen, Probetraining bei den Keglern oder ein Trockentraining mit den Eishockey-Kindern und Eiskunstläufern. Führungen durch die Kabinen und die Technik runden das Angebot zwischen 15 Uhr und 18 Uhr ab, Treffpunkt ist jeweils zur vollen und halben Stunde vor den Kabinen. Der Eintritt ist frei.