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Erinnerungen an die Kindergartenzeit teilen

„Sofort wiedererkannt“: Waltraud Lochner aus Unterreit über ihre Kindergartenzeit in Ruhpolding

Waltraud Lochner aus Unterreit erinnert sich an ihre Kindergartenzeit in Ruhpolding, hier bei der Einweihung mit Klosterschwester Ulrike (Bild rechts).
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Waltraud Lochner aus Unterreit erinnert sich an ihre Kindergartenzeit in Ruhpolding, hier bei der Einweihung mit Klosterschwester Ulrike (Bild rechts).

Waltraud Lochner aus Unterreit blickt zurück auf ihre Kindergartenjahre in den 50er Jahren in Ruhpolding. Prägend war für sie die Zeit mit Klosterschwester Ulrike, die damals den Kindergarten leitete. Nach über 50 Jahren haben sich die beiden erneut getroffen und „sofort wiedererkannt“.

Unterreit/Ruhpolding – Lang ist's her, die Kindergartenzeit vieler unserer Leser inklusive uns Zeitungsreporter. Im Zuge unseres aktuellen Jahresthemenschwerpunkts „Leben & Lernen“ kommen aber wieder Gedanken hoch, Erinnerungen an damals. So ging es auch Waltraud Lochner aus Unterreit, als sie den Artikel „Erinnerungen an Kindergartenzeit teilen“ gelesen hat.

Fasching im alten Kindergarten im Jahr 1958.

Uns berichtet sie über ihre Zeit im Kindergarten in den 50er Jahren: Irgendwann im Jahr 1958 war ich mit meiner Mutter in Ruhpolding beim Einkaufen. Als wir an der ehemaligen „Suppenküche“ gegenüber dem Rathaus vorbeikamen, zeigte sie mir den dortigen Kindergarten. Neugierig, wie ich schon immer war, bettelte ich, ob ich mal hineinschauen darf. Die Kindergärtnerinnen „Tante Vroni“ und „Tante Lotti“ zeigten mir den großen Raum, in dem viele Kinder mit schönen Spielsachen spielten. Ich war so begeistert und bin gleich dabeigeblieben. Von da an ging ich jeden Tag, ausgerüstet mit einem Kindergartentascherl und begleitet von größeren Kindergartenkindern aus der Nachbarschaft, in den circa einen Kilometer entfernten Kindergarten.

Waltraud Lochner aus Unterreit blickt zurück auf ihre Kindergartenjahre in den 50er Jahren in Ruhpolding.

Schon nach kurzer Zeit beendeten „Tante Vroni“ und „Tante Lotti“ ihre Tätigkeit im Kindergarten und wir bekamen „Schwester Ulrike“, eine junge Klosterschwester, als neue Kindergartenleiterin. „Tante Irene“ unterstützte sie in der Betreuung der vielen Kinder.

Außer dem großen Kindergartenzimmer und einer Toilette gab es keine weitere Einrichtung. Da wir keine Außenanlage zum Spielen zur Verfügung hatten, sind wir fast jeden Tag spazieren gegangen und im Winter auf dem nahegelegenen Kirchberg mit dem Schlitten gefahren. Man kann sich vorstellen, wie lange es gedauert hat, bis die vielen Kinder zum Spaziergang angezogen waren. Es gab damals weder Reiß- noch Klettverschlüsse, sondern nur Knöpfe und Schuhbänder, mit denen wir Kindergartenkinder nicht zurechtkamen.

Großes Kindergartenfest

Im Sommer 1959 wurde ein neuer Kindergarten mit einem großen Kinderfest eingeweiht. Wir führten ein Theater vom Wolf und den sieben Geißlein auf. Die Eltern und Geschwister waren auch eingeladen und es gab für alle Wiener Würstl und ein „Kracherl“ (Limonade), was in der damaligen Zeit etwas ganz Besonderes war.

Die Einweihung des neuen Kindergartens 1959 mit Schwester Ulrike.
Krippenspiel im Kindergarten.

Nun hatten wir viel Platz für zwei Gruppen, konnten im Garten schaukeln, im Sandkasten Kuchen backen, von einer Rutschbahn hinuntersausen oder an einer Teppichstange, die als Turnstange diente, allerlei Kunststücke zeigen. Zu besonderen Anlässen gab es ein Kasperltheater, was ich besonders geliebt habe. Einigen größeren Kindern erteilte „Schwester Ulrike“ Flötenunterricht, mit den anderen Kindern wurde viel gesungen und getanzt. An Weihnachten haben wir ein Krippenspiel aufgeführt, im Fasching gab es einen „Maskenball“ und zum Sommerfest wurden Theaterstückchen aufgeführt. Wenn ein Kind Geburtstag hatte, durfte es sich eine Geschichte aus dem großen Märchenbuch zum Vorlesen aussuchen.

Nachdem ich 1961 in die Schule gekommen war, habe ich „Schwester Ulrike“ noch ein paar Mal getroffen und dann aus den Augen verloren; sie wurde nach Baden-Württemberg berufen, wo sie ebenfalls einen Kindergarten leitete.

Durch einen Zufall habe ich 2017 erfahren, dass „Schwester Ulrike“, die mittlerweile über 91 Jahre alt war, ihren Lebensabend im Kloster der Schwestern vom Heiligen Kreuz in Altötting verbringt. Als ich sie daraufhin besuchte, staunte ich nicht schlecht, als sie mich nach über 50 Jahren sofort wiedererkannte. Bei einer Tasse Tee hatten wir uns den ganzen Nachmittag lang viel zu erzählen und ich war beeindruckt, dass sie sich noch an viele Kindergartenkinder und Begebenheiten aus ihrer Zeit in Ruhpolding erinnern konnte. Wie ich erst kürzlich erfahren habe, ist „Schwester Ulrike“ 2024 im hohen Alter von fast 98 Jahren verstorben. (Text von Waltraud Lochner)

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