Als erste Stadt im Landkreis
Silvester-Schlachtfeld: Neumarkt-St. Veit diskutiert Verbot von Feuerwerk im Zentrum
Es ist nur ein Punkt auf der Tagesordnung der Neumarkter Finanzausschusssitzung. Aber der könnte Signalwirkung für andere Kommunen im Landkreis haben. Der Ausschuss stimmt über ein Böllerverbot an Silvester ab. Diese Bereiche wären davon betroffen.
Neumarkt-St. Veit – Die Aufregung war groß nach dem Jahreswechsel 2024/2025. Feinstaub, Lärm und am Ende jede Menge Müll. Vor allem in der Stadt Neumarkt-St. Veit und in Mühldorf wurden Forderungen nach einem Böllerverbot in der Altstadt laut, nachdem es in beiden Städten nach Silvester wie auf einem Schlachtfeld ausgesehen hatte.
Leere Feuerwerksbatterien sind liegen geblieben
Einer derjenigen, der sich damals lauthals über die Hinterlassenschaften der Feuerwerker aufgeregt hatte, war Wolfgang Hobmeier. „Die haben nicht geböllert, die haben Krieg gespielt“, hatte sich der Neumarkter CSU-Stadtrat nach dem Neujahrstag aufgeregt. Vor allem die Tatsache, dass offenbar nur die wenigsten der Feierlaunigen ihren Müll aufgeräumt hatten, hatte damals für Aufregung gesorgt. Die leeren Batterien waren einfach am Neumarkter Stadtplatz liegen geblieben.
Die Stadt hat relativ schnell darauf reagiert. Bereits im Februar dieses Jahres hat sich der Finanzausschuss der Stadt Neumarkt-St. Veit zum ersten Mal mit der Thematik auseinandergesetzt, darüber diskutiert, ob der Böllerei durch ein Verbot Einhalt geboten werden könnte.
„Die Verwaltung hatte daraufhin den Auftrag erhalten, Vorschläge zu erarbeiten, wo man sich künftig zum Böllern treffen könnte und wo die Böllerei verboten werden sollte. Herausgekommen ist eine Allgemeinverfügung, die nun wiederum im Finanzausschuss behandelt wird“, erklärt Bürgermeister Erwin Baumgartner auf Nachfrage der OVB Heimatzeitungen.
Finanzausschuss beschäftigt sich mit dem Thema
Konkret heißt es auf der Tagesordnung des öffentlichen Teils der Sitzung: „Allgemeinverfügung zum Verbot des Abbrennens pyrotechnischer Gegenstände“, die am Dienstag (16. September) ab 18.30 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses Schloss Adlstein beraten wird.
Wie Bürgermeister Baumgartner betont, seien es tatsächlich die Erfahrungen aus der letzten Silvesternacht, die dazu geführt hätten, dass über ein Verbot nachgedacht wird. Im Brennpunkt: Der Stadtplatz, der Johannesplatz und der Bereich um den Herzoglichen Kasten. „Flächen im Altstadtbereich, wo sich die Menschen versammeln, um eben ein Feuerwerk abzubrennen“, konkretisiert Baumgartner, der betont, dass er persönlich nicht generell gegen ein Böllerverbot sei.
Aber um künftig an historischen bedeutsamen Stellen die wilde Böllerei und den daraus resultierenden Müll zu vermeiden und auch Staub und Gestank von der Altstadt fernzuhalten, soll nun ein Verbot erwirkt werden.
Wer trotzdem böllern möchte, dem sei dies nach wie vor gestattet. „Am Volksfestplatz wäre das kein Problem“, hat Baumgartner auch gleich einen Vorschlag parat.
Feuerwerkskörper können Fenster und Autos beschädigen
Ein Vorschlag, den auch Hans Weindl von Edeka Peterhans am Stadtplatz befürwortet. Es kann schließlich nicht sein, dass der Bauhof nach Silvester einen halben Tag damit zu tun hat, den Müll zu beseitigen!“ Die Knallerei sei das eine. „Das andere aber ist, dass die jungen Leute mit den Feuerwerkskörpern experimentieren, achtlos schießen, Fenster treffen oder auch Autos beschädigen könnten. Das muss nicht sein!“ Das Edeka-Geschäft, das Weindl betreibt, hat schon seit einigen Jahren kein Feuerwerk mehr im Sortiment, verrät Weindl. „20, 30 Jahre schon nicht mehr!“
Egbert Windhagers Erfahrungen mit Feuerwerk reichen sogar noch weiter zurück. 50 Jahre lang, erst am Johannesplatz, jetzt am Stadtplatz, habe er Jahr für Jahr mitbekommen, was sich da an Müll ansammeln kann. Dies müsse man regulieren, sagt der Bäckermeister und 2. Bürgermeister der Stadt Neumarkt-St. Veit.
Halbwüchsige schießen bis 4 Uhr früh
„Ich mag generell auch etwas rumschießen. Aber was da im vergangenen Jahr abgegangen ist, das war nicht mehr normal. Die sind komplett ausgeflippt“, erinnert sich Florian Berger, Betreiber einer Weinhandlung mit Gastronomie am Stadtplatz. „15-jährige Bengel mit Tüten voller Böller schießen da wie bescheuert. In der Früh um 4 Uhr hab ich zwei Halbwüchsige erreicht, beide um die 12 Jahre alt, die in der Nähe des Freibades geböllert haben.“
Er hält es für eine gute Initiative, dass die Stadt nun über ein Verbot nachdenkt, zumindest rund um den Stadtkern. Er spricht sich aber klar gegen ein generelles Böllerverbot aus. „Weil ein bisserl Spaß darf ja auch noch sein!“
