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Über den Dächern der Altstadt

Weltrekord mit Maßkrug: Waghalsiger Slackliner balanciert über Mühldorf – in 30 Metern Höhe

Friedi Kühne überquert eine Slackline, die zwischen zwei Heißluftballons gespannt ist.
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Friedi Kühne überquert eine Slackline, die zwischen zwei Heißluftballons gespannt ist. Das war der Weltrekord vor knapp einem halben Jahr. Jetzt wagt er eine neue Herausforderung über den Dächern der Mühldorfer Altstadt.

100 Meter Slackline, 30 Meter Höhe und eine Maß Bier: In Mühldorf wagt ein Slackliner einen spektakulären Weltrekordversuch. Mit einer Botschaft und jeder Menge Gleichgewichtssinn.

Mühldorf – Wenn er losläuft, halten alle den Atem an: 30 Meter über dem Boden schwebt ein Mann auf einem schmalen Band durch die Mühldorfer Innenstadt. Unter seinen Füßen die Slackline, in seiner Hand ein Maßkrug, randvoll gefüllt mit Bier – mit alkoholfreiem Bier. Die Herausforderung: Bei seinem Weltrekordversuch darf Friedi Kühne maximal zehn Prozent verschütten. „Gar nicht so einfach“, sagt der Athlet und lacht. „Aber das macht es ja erst spannend.“

Maßkrug, Message und Muskelsache

15 Weltrekorde tragen seinen Namen. Friedi Kühne aus Bad Aibling hat schon so manchen Rekord in luftiger Höhe aufgestellt. Mit Sicherung und auch ohne Sicherung ist der Slackline-Experte auf einem hauchdünnen Seil unterwegs. Slackline nennt man das bis zu 5 Zentimeter breite Kunstfaserband, auf dem sich der 35-Jährige immer wieder neuen Herausforderungen stellt. Zuletzt balancierte er zwischen zwei Heißluftballons. In 2.500 Metern Höhe. Das ist ein knappes halbes Jahr her. Wieder endete die Nummer im Buch der Rekorde.

Weltweit schon über 700 Highlines gemeistert

Der Mann auf dem Seil ist kein Unbekannter in der Szene. Über 700 Highlines hat er weltweit bereits gemeistert, in mehr als 50 Ländern. Seine Leidenschaft fürs Balancieren in schwindelnden Höhen begann – wie bei vielen – im Park, zwischen zwei Bäumen. Heute balanciert er auf Drahtseilen zwischen Heißluftballons, über Bergseen und Schluchten. Und jetzt: über Mühldorf.

So einen Weltrekord gibt‘s noch nicht

Wieso ein Maßkrug? „Weil’s eine gute Show ist!“, sagt er. Und weil er zeigen will, dass man auch ohne Alkohol Spaß haben kann. Der Slackliner lebt abstinent, nicht aus Prinzip, sondern aus Überzeugung. „Alkohol beeinträchtigt den Gleichgewichtssinn. Ich will ein gutes Vorbild sein – gerade für junge, sportlich Interessierte.“

Eine gute Show mit Maßkrug

Den Bierkrug hebt er nicht nur zum Trinken, sondern als Statement. Der Schluck nach dem Ziel sei zwar erlaubt, „vielleicht gönn ich mir auch unterwegs schon einen – ist ja alkoholfrei“, grinst er.

Training mit Körper und Kopf

Ein Weltrekordversuch wie dieser kommt nicht aus dem Nichts. Tägliches Training gehört dazu – körperlich wie mental. „Ich mache fast jeden Tag Yoga. Das hilft mir, den Körper zu dehnen, zu entspannen – und mich zu fokussieren.“ Denn der Sport ist nicht nur körperlich fordernd: „Wenn du 30 Meter über dem Boden stehst, musst du alles ausblenden.“

Nur er, das Band und der Moment. Der Zustand völliger Konzentration – „Flow“ nennen es Sportpsychologen – ist sein Ziel. Besonders intensiv wird es, wenn er Free Solo unterwegs ist, also ohne Sicherung. „Da darf wirklich nichts schiefgehen. Dann bist du komplett im Jetzt.“

Nervenkitzel mit Verantwortung

Seine Familie? Die ist stolz – aber nicht immer entspannt. „Meine Oma ist keine große Free-Solo-Freundin“, sagt er schmunzelnd. Doch sie wisse, dass er gut einschätzen könne, was er sich zutraut. Und ja, es habe auch brenzlige Situationen gegeben – etwa beim Basejump (Fallschirmspringen von Gebäuden oder Felsen) oder beim Aufbau einer Highline am Elbrus, dem höchsten Berg Europas. „Da war ich am Ende komplett unterzuckert und krank. Ich habe daraus gelernt.“

Von Russland bis zum Grand Canyon

Ob Mühldorf oder Moskau – seine Slackline-Abenteuer haben ihn rund um den Globus geführt. Kanada, China, Australien, Russland: „Ich führe ein Logbuch über jede Highline.“ Und wenn er sich etwas wünschen dürfte? „Einmal über den Grand Canyon balancieren. Oder über den Freibergsee in Oberstdorf. Oder mit dem Fallschirm von der Trolltunga in Norwegen abspringen.“ Grenzen existieren für ihn kaum – zumindest nicht geografisch.

Profi-Slackliner Friedi Kühne war zuletzt zwischen zwei Heißluftballons unterwegs. In Mühldorf will er die Strecke zwischen Nagelschmidturm und Rathaus zurücklegen. Mit einem vollen Maßkrug.

Slackline ist kein Hipster-Spaß

Wer glaubt, Slacklinen sei nur Balancieren für Hipster im Park, liegt falsch. „Ich dachte das anfangs auch – bis ich gemerkt habe, wie schwierig es wirklich ist.“ Heute springt, trickst und turnt er auf der Slackline wie andere auf dem Boden. Er kommt aus dem Parcours- und Klettersport. Die Slackline ist für ihn Bühne, Lebensweg und Mutmacher.

Die Geschichte dahinter – jetzt auch als Buch

Seine Erlebnisse hat er inzwischen aufgeschrieben – in einem Buch, das nicht nur seine Abenteuer, sondern auch seine Philosophie vom Leben erzählt. „Über dem Abgrund: Slacklinen am Limit“, lautet der Titel des Buches, das 2023 erschienen ist. „Meine Oma sagt, es ist ein Mutmacherbuch.“ Und das passt gut – denn wer in 30 Metern Höhe balanciert und dabei einen Maßkrug hält, hat nicht nur starke Waden, sondern auch eine klare Haltung.

Sportliches Programm rund um den Weltrekordversuch

Los geht es am Freitag, 6. Juni ab 14 Uhr mit kostenlosen Slackline-Workshops im Mühldorfer Stadtpark am Stadtwall. Dabei kann man unter Anleitung von Friedi Kühne selbst den Balanceakt auf dem schmalen Band ausprobieren. Auf dem Stadtplatz stellen von 16 bis 19 Uhr Trainerinnen und Trainer einige der Sportangebote vor, die von der Initiative „mühldorf BEWEGT“ heuer bis September regelmäßig im Stadtpark am Stadtwall angeboten werden. Ausprobieren können die Besucherinnen und Besucher am Aktionstag Zumba, Taekwondo und Yoga. Sportliche Kleidung braucht man auch für die mobile Kletterwand, den Surfsimulator und den Kinder-Parkour des Postsportvereins am Stadtplatz. Dort stehen auch der Tourismusverband Inn-Salzach, die AOK und der städtische Aktionspartner „Jändl-Subik moveALL“ an Infoständen für Fragen bereit. Zur Stärkung bieten hiesige Gastronomen Speisen und Getränke an. Lokale Musikgruppen sorgen am Nachmittag durchgängig für Unterhaltung: die Ruperti Big Band, die Blaskapelle Altmühldorf und Suspicious Dry mit rockigen Klassikern. Friedi Kühnes Weltrekordversuch startet um 17 Uhr über den Köpfen der Gäste am Stadtplatz.

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