Mettenheimerin mit viel Körperschmuck
Dem Krebs zeigen, wo der Hammer hängt: Tattoos bringen für Christina Lebensfreude auf die Haut
Tattoos als Therapie: Christina Obermaier-Kneißl aus Mettenheim trägt ihre Lebensgeschichte, ihre Familie und sogar ihren Krebs auf der Haut – mit Humor, ganz viel Herz und unerschütterlicher Stärke.
Mettenheim – Eigentlich verkündet niemand gerne in der Öffentlichkeit „ich habe Fußpilz“. Bei Christina Obermaier-Kneißl verhält sich die Sache anders. Sie hält ihren Pilz sogar in die Kamera und zwar in Form eines tätowierten Schwammerls auf der Fußsohle.
Schmerzen beim Stechen spielen nur eine Nebenrolle
Die 54-Jährige kennt neben ihrer Familie und ihren Tieren nur noch eine Leidenschaft, und das sind Tattoos, verteilt auf ihrem ganzen Körper. Da spielen Schmerzen beim Stechen nur eine Nebenrolle. „Obwohl“, das gibt die Mettenheimerin zu, „der Schwammerl tat schon ziemlich weh, wie auch die Motive auf den Innenflächen meiner Hände.“
Warum sich die Ehefrau und Mutter von drei erwachsenen Kindern so sehr für Körperschmuck begeistert, kann sie selber nicht ganz genau erklären, nur soviel: „Ich wusste schon als Jugendliche, Tattoos und ich, wir gehören einfach zusammen.“ Christinas Intension ist es nicht, durch die Hautbemalung Botschaften hinaus in die Welt zu senden, denn die Tattoos gehören schlichtweg nur ihr. „Sie sind für mich Begleiter und durchaus Seelentröster in schweren Zeiten“, sagt die Kauffrau, räumt jedoch ein: „Es gibt Leute, die ihre Mitmenschen nach dem Aussehen beurteilen, das finde ich weniger angebracht.“
Nicht nur wilde Gesellen tragen Tattoos
Die Zeiten, als nur wilde Gesellen Tattoos trugen, seien längst vorbei. Heute würde die Gestaltung des Körpers Individualität ausstrahlen. Das erste kleine Motiv auf der Haut der Mettenheimerin zeigte eine kleine Maus, gestochen in einem Münchner Studio. „Ich war 18 Jahre alt. Die Maus ist gut versteckt in der Nähe einer Pobacke, denn meine Eltern durften seinerzeit nichts von der Tätowierung erfahren“, erzählt sie. „Das Tattoo kostete 50 Mark, von solchen Beträgen kann man mittlerweile nur träumen.“
Wie die 54-Jährige erzählt, sind die einzelnen Motive auf ihrer Haut wohlüberlegt. „Ich bin viel auf Messen unterwegs gewesen und suchte dabei nach dem Stil, der zu mir passt.“ Einzelne Lebensabschnitte, Menschen und Tiere, die Christiane wichtig sind, werden auf ihrer Haut verewigt. „Es sind auch mehrere lustige Motive dabei, wie die weibliche Form von Inspektor Columbo, also eine Columbiene mit Zigarre und Hund, oder eine nie endende Klopapierrolle, die an die Hamsterkäufe in der Coronazeit erinnern soll.“
Inzwischen sind die anfangs skeptischen Eltern auf Christinas Rücken verewigt. „Es ist das Hochzeitsbild von Mutter und Vater“, gibt die Tattoo-Lady Auskunft, die sich auch noch die Anfangsbuchstaben ihrer drei Kinder sowie ihre drei Hunde stechen ließ. Und dann wird’s mit Besteck und Schlüssel symbolisch auf der Haut. Die Mettenheimerin bringt Licht ins Dunkel: „Das Besteck bedeutet ich sorge ein Leben lang für meine Kinder, egal wie alt sie sind. Und der Schlüssel heißt, für meine beiden Töchter und für den Sohn stehen die Türen immer offen“. Irgendwann hat Christina Obermaier-Kneißl aufgehört, ihre Tattoos zu zählen. Es sind einfach zu viele. Sie präsentiert einige Lieblingsmotive: die Mutter Gottes, eine Rose, zwei Gitarren und eine Voodoo-Puppe.
Ehemann Ludwig ließ sich übrigens im Laufe der Zeit auch von der Leidenschaft seiner Frau anstecken. Sie sagt schelmisch: „Als wir uns kennenlernten, war mein Ludwig ziemlich blass. Jetzt ist er schon bunter geworden“. Insgesamt bereut Christina kein einziges Tattoo auf ihrer Haut und erst recht nicht die Mandalas auf der Stirn sowie das Yin und Yang Zeichen.
Diese Tätowierungen haben einen ernsten Hintergrund. Vor rund eineinhalb Jahren musste Christina aus heiterem Himmel eine Krebsdiagnose verkraften. Der Weg heraus aus der Krankheit war mit vielen Mühen gepflastert. Eine Variante dem Krebs zu zeigen, wo der Hammer hängt, sei auch der Gang ins Tattoo-Studio gewesen. Was die 54-Jährige genau weiß: „Das Austüfteln neuer Motive und die damit verbundenen Treffen mit meiner Tätowiererin verliehen mir nicht nur Ablenkung, sondern auch eine gewisse innere Stärke.“
Ein Bild als Ende der Krebskrankheit
Die Tattoos hätten ihr ein Stück Normalität geschenkt. Die frische Bemalung auf der Stirn soll nicht weniger als das Ende ihrer Krankheit einläuten. Christinas Nachbarin und Freundin Resi Huber bringt es auf den Punkt: „Jeder geht mit Schicksalsschlägen anders um. Manche fangen an zu malen, beschäftigen sich mit Musik oder schreiben ein Buch. Das Ventil für Christina, die Schreckensmomente hinter sich zu lassen, sind einfach die Tattoos.“
Einige freie Plätze auf Christinas Haut gibt es noch. Der nächste Termin bei der Tätowiererin ist natürlich bereits ausgemacht. Demnächst soll „Hello Kitty“ in die Achselhöhle gestochen werden. „Das tut sicher weh, macht aber nichts, denn ich will das Motiv unbedingt“, sagt die Mettenheimerin mit voller Überzeugung und aus ihren Augen blitzt die pure Lebensfreude.




