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Energiewende im Landkreis Mühldorf

„Man wird sich daran gewöhnen müssen“: Rattenkirchen soll Windräder bekommen – So geht es weiter

Der erste Schritt zu Windrädern in Rattenkirchen ist gemacht: Bürgermeister Rainer Greilmeier hat genügend Unterschriften von Waldbesitzern.
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Der erste Schritt zu Windrädern in Rattenkirchen ist gemacht: Bürgermeister Rainer Greilmeier hat genügend Unterschriften von Waldbesitzern.

Die Unterschriften sind geleistet, die Flächen gesichert: Jetzt gehen Rattenkirchen und der Landkreis die nächsten Schritte, um auf dem Taxberg Windräder zu bauen. Wie es jetzt weitergeht und wann die Windräder stehen sollen.

Rattenkirchen / Mühldorf – Jetzt ist es offiziell: Nach dem Eiglwald, nach Schönberg wird es auch in Rattenkirchen ein Windrad-Projekt geben. Hier sollen, wenn alles optimal läuft, bis 2030 auf dem Taxberg zwei Windräder stehen: als rein regionales, kommunales Projekt. Geplant, gebaut und finanziert allein mit Mitteln der Gemeinde Rattenkirchen, des Landkreises sowie von Bürgern und Firmen aus dem Landkreis. So die Idee von Rattenkirchens Bürgermeister Rainer Greilmeier und Thomas Perzl, Wirtschaftsförderer am Landratsamt Mühldorf.

Der erste Schritt ist jetzt jedenfalls unter Dach und Fach: Greilmeier und Perzl haben von genügend Waldbesitzern die Unterschriften, sie haben sich damit in den Windvorranggebieten 17 und 18 auf dem Taxberg genügend Flächen gesichert, um hier zwei Windräder zu bauen.

Erst Bürgerinformation am Dienstag, 10. Dezember

Jetzt können sie mit ihrem Projekt endlich an die Öffentlichkeit gehen und ihre Bürger informieren. Die erste Veranstaltung dazu ist am Dienstag, 10. Dezember, um 19.30 Uhr in Rattenkirchen; ab Januar sollen weitere in den umliegenden Gemeinden folgen. „Wir wollen eine transparente Öffentlichkeitsbeteiligung machen“, betont Perzl.

In den Windvorranggebieten 17 und 18 auf dem Gemeindegebiet von Rattenkirchen sollen Windräder entstehen.

Gut ein Jahr haben die Gespräche und Verhandlungen von Greilmeier und Perzl mit den rund 200 Grundstückeignern in den vier Windvorranggebieten auf dem Gemeindegebiet gedauert. Diese Flächen, bei denen die Gemeinde keine Planungshoheit hat, umfassen rund 150 Hektar, das sind 7,5 Prozent der Gemeindefläche. 

Wettlauf mit privaten Investoren

Da hier prinzipiell jeder ein Windrad bauen kann, hieß es, schnell sein; schneller als fremde Investoren. Denn durch die neuen Einspeisevergütungen für Erneuerbare Energien werden jetzt auch Windkraftanlagen an Standorten rentabel, wo kein optimaler Wind weht - entsprechend begehrt sind die Standorte.

„Wir wollen im Fahrersitz der Energiewende sitzen“, so Perzl. Also hatte Greilmeier „sehr, sehr viele Gespräche“ mit den Eigentümern. „Ob ein Windkraftprojekt kommt, entscheidet einzig allein der Eigentümer“, erklärt Perzel. 

„Die wollten den Rahm abschöpfen“

Die ersten Reaktionen waren ermutigend, erzählt Greilmeier. Nur einige wenige hätten ganz grundsätzlich abgewunken, „aber es gab keinen direkten Widerstand“. Die Verhandlungen kamen gut voran - bis kurz vor den Sommerferien.

Dann traten plötzlich private Investoren auf den Plan. „Die wollten den Rahm abschöpfen“, so Greilmeier. „Da ist der Druck immer größer geworden.“ 

Also, noch mal sprechen, noch mal kalkulieren, noch mal argumentieren. „Wir waren im Juli schon weiter als im September“, fasst Greilmeier zusammen.

Kein idealer Standort, aber er kann sich rechnen

Letztlich überzeugte das Angebot von Gemeinde und Landkreis: eine handelsübliche Pacht und die Aussicht, sich an einem kommunalen Projekt zu beteiligen. Durch das Flächenpooling profitieren nicht nur die Waldbesitzer von einer Pacht, auf deren Grundstück das Windrad steht, sondern alle im entsprechenden Vorranggebiet.

Die Flächen sind gesichert. Jetzt braucht es eine Windmessung und ein Ertragsgutachten; die sollen im kommenden Jahr kommen. „Es ist kein idealer Standort, aber er kann sich rechnen“, ist Perzl überzeugt. 

Windmessung, Ertragsberechnung und Gutachten

Wenn dem so ist, dann kommt der nächste Schritt: die entsprechenden Gutachten und Pläne erstellen. Kurz: die Projektierung, die bis zu 400.000 Euro kosten kann. Die leistet und finanziert entweder die Regionale Energie GmbH des Landkreises oder - wenn es zustande kommt - das Landkreiswerk, so Perzl. 

Den Bau, Betrieb und Finanzierung der Windräder soll dann eine eigene Gesellschaft übernehmen, an der sich neben Kommunen auch Bürger und Firmen aus der Region beteiligen sollen, so Greilmeier und Perzl. Damit sollen auch möglichst viele Erträge im Landkreis bleiben. 

Regionale Wertschöpfung finanziert alleine aus der Region

Wenn alles gut läuft, könnten die beiden Windräder bis 2030 stehen, so Perzl. Der Bau eines Windrades kostet zwischen acht und zehn Millionen Euro. Macht also bis zu 20 Millionen Euro, die finanziert werden müssen. 

Um das Geld zu bekommen, sollte das Eigenkapital der Gesellschaft rund ein Fünftel dieser Summe betragen: vier Millionen Euro. Das sollte regional machbar sein, sind Greilmeier und Perzl überzeugt. 

„Das ist regionale Wertschöpfung“, betont Perzl. Das diene nicht nur der Energiewende, sondern auch der heimischen Wirtschaft. „Die Energie ist der größte Hemmschuh für die regionale Wirtschaft. Der erneuerbare Strom kann ein neuer Motor für den Landkreis sein.“

Anlage soll sich 30 Jahre lang für jeden rechnen

Und noch einen Aspekt betont Perzl: „Wir gehen schrittweise vor. Sobald sich zeigt, das wird nicht wirtschaftlich, können wir jederzeit abbrechen. Wir sind Kommunen und handeln wie Kommunen: konservativ.“ Die Anlage solle sich für 30 Jahre „für jeden“ rechnen. „Wir verfolgen einen realistischen Ansatz, der auch wirklich funktioniert und sicherstellt, dass Geld fließt.“ 

Für Bürgermeister Greilmeier ist der Weg alternativlos. „Es ist sicher ein Anblick, an den man sich wird gewöhnen müssen. Ich bin aber der Überzeugung, dass wir diesen Weg gehen müssen. Dann muss man halt auch mal in den sauren Apfel beißen.“

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