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OVB hat die Retter begleitet

In der Früh auf den Beinen: Die Rehkitz-Retter von Rattenkirchen – Mit Drohne gegen den Mähtod

Rehkitze auf einer Wiese, die vor dem Mähtod gerettet werden konnten. Seitz
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Rehkitze auf einer Wiese, die vor dem Mähtod gerettet werden konnten.

Seit Ende April sind Jagdpächter Hermann Bierwirth und seine Kollegen in Rattenkirchen wieder im Einsatz, um Wildtiere vor dem Tod durch landwirtschaftliche Maschinen zu bewahren. Mithilfe einer Drohne mit Wärmebildkamera konnten sie bereits erste Rehkitze retten. Wir haben die Retter begleitet.

Rattenkirchen – Dichter Frühnebel hat seinen Schleier schützend über Wiesen, Felder und Wälder gelegt. Während die meisten Menschen noch schlafen, sind Jagdpächter Hermann Bierwirth und die beiden Jäger Elwin Mürth und Martin Bierwirth aus Rattenkirchen schon auf den Beinen. Seit Ende April sind sie wieder im Einsatz, um Wildtiere vor dem Mähtod oder Verstümmelungen zu retten. Bis etwa Ende Juni dauert die Mahd.

Für Tiere sind die landwirtschaftlichen Maschinen eine tödliche Gefahr. Jährlich fallen ihnen Hunderttausende Wildtiere wie Rehe, Feldhasen, Fasane, Füchse, aber auch Haustiere zum Opfer. Bereits bei ihrer ersten Suche in der neuen Saison konnten die drei Jagdgenossen zwei Rehkitze, die gerade mal zwei Tage alt waren, vor dem Mähtod retten.

Für das Absuchen verantwortlich

Wollen die Landwirte ihre Wiesen mähen, verständigen sie wie im Falle von Rattenkirchen den Jagdpächter. Primär sind jedoch der Landwirt und der Fahrer der Mähmaschine für das Absuchen nach Tieren verantwortlich. Dazu sind sie per Gesetz verpflichtet. Kommen sie dem nicht nach und Tiere nehmen Schaden, drohen ihnen empfindliche Strafen. Manche stellen optische oder akustische Vergrämungsmaßnahmen auf, um die Tiere fernzuhalten. Ein lauter Signalton sowie ein Blinklicht vergrämen das Wild und sollen die Ablage von Kitzen im Feld vorbeugen.

Das hat Vor- und Nachteile. „Das große Problem ist, haben Tiermütter auf einer Wiese bereits ihre Jungen abgelegt und ein Vergrämungsmittel ist im Einsatz, wird die Mutter vertrieben und ihr Junges bleibt sich selbst überlassen“, erklärt Jagdpächter Bierwirth. Wirklich effektiv und tierfreundlich ist letztlich der Einsatz einer Drohne, so wie in Rattenkirchen. Seit vergangenem Jahr kommt hier im Jagdbereich ein Hexa Copter, Marke Yuneec 520e, der mit einer Wärmebild- und Restlichtkamera ausgestattet ist, zum Einsatz.

Für die engagierten Rattenkirchener Jäger ist das eine enorme Erleichterung und Hilfe bei der Suche nach Wildtieren im hohen Gras, von denen die meisten mit bloßem Auge wohl niemals sichtbar wären.

Martin Bierwirth ist Drohnenpilot. Während er das Luftfahrzeug steuert, suchen Hermann Bierwirth und Elwin Mürth die Wiese ab. Erscheint ein auffallend weißer Fleck auf dem Bildschirm, kann davon ausgegangen werden, dass sich an dieser Stelle ein Tier befindet.

Die Flughöhe ist von der Temperatur abhängig. „Wir fliegen in einer Höhe von etwa 50 Metern. Desto wärmer es wird, umso niedriger muss man fliegen. Eine große Fläche fliege ich in zehn Minuten ab. Müsste man das Gleiche zu Fuß absuchen, bräuchte man dazu locker eine Stunde“, erklärt der Drohnenpilot. „Auf der Wärmebildkamera sieht man auch kleine Tiere wie Hasen. Jedes Tier, das wir finden, wird gerettet“, setzt er fort. Ständiger Funkkontakt zueinander ist extrem wichtig, damit sie sich auch auf großer Entfernung gut verständigen können. Meldet der Drohnenpilot ein mögliches Tier, suchen die anderen Wildtierretter vorsichtig die Stelle ab, wo die Drohne kreist.

Bis etwa Ende Juni werden sie fast täglich im Einsatz sein, denn die Landwirte wollen so früh wie möglich mit ihrer Mahd beginnen. Dann wird jede Wiese, je nach Wetterlage bis zu sechs Mal, im Abstand von jeweils etwa vier Wochen gemäht. Für die Wildtierretter eine enorme Herausforderung, bei der sie über jeden ehrenamtlichen Helfer sehr dankbar wären. Doch Helfer sind rar. Früh aufstehen, um Tiere zu retten und das ehrenamtlich, das möchte kaum jemand machen. „Die ersten Jungtiere wurden Ende April geboren. Um den 15. Mai herum werden dann die meisten Jungtiere geboren“, sagt Hermann Bierwirth.

Die drei Kitzretter: (von links) Hermann Bierwirth, Jagdpächter von Rattenkirchen Nord, und die beiden Jäger Elwin Mürth und Martin Bierwirth, der auch Drohnenpilot ist.

Finden sie ein Rehkitz im hohen Gras, ist das oberste Gebot, es niemals mit bloßen Händen anzufassen. Wildtiere dürfen nicht mit Menschengeruch in Berührung kommen, denn dadurch können sie von ihren Müttern verstoßen werden. Deshalb muss man sie in große Grasbüschel einpacken und wegtragen. Sobald die Wiese gemäht ist, werden die geretteten Tiere wieder freigelassen. Muttertiere erkennen ihre Jungen an ihren Geräuschen.

Wichtige Infos zur Rehkitz- und Wildtierrettung unter: www.pirsch.de/jagdwissen/wildbiologie/rehkitze-retten-warum-der-15-mai-so-entscheidend-ist-41078

Die drei Rattenkirchner Tierfreunde wissen jedoch auch, dass nicht nur die landwirtschaftlichen Maschinen eine tödliche Gefahr für die Wildtiere sind, sondern jeder Mensch. „Die Menschen sollen grundsätzlich auf den Wegen bleiben. In der Brut- und Setzzeit ist das extrem wichtig, keine Wiesen zu betreten. Hunde an die Leine und diese nicht in die Wiese reinlassen. Vor allem auch keinen Lärm verursachen“, appelliert Elwin Mürth. „Wenn in der Früh bis um späten Abend Jogger, Radfahrer, Spaziergänger, Gassigeher, Reiter oder sonstige Menschen in Wald- und Wiesengebieten unterwegs sind, werden die Tiermütter von den Menschen verscheucht. Dadurch bekommen die Jungtiere von der Früh bis in die Nacht keine Muttermilch und sind sich komplett selbst überlassen. Selbst 30 Zentimeter neben dem Wegesrand können Jungtiere liegen. Schnüffelt ein Hund nur mal kurz dran, geht die Tiermutter nicht mehr an ihr Junges und es verhungert jämmerlich“, setzt Jagdpächter Hermann Bierwirth fort.

Respekt und Rücksicht lernen

Er hofft, dass die Menschen lernen, Respekt und Rücksicht für die Natur und ihren Bewohnern zu entwickeln. Wer sich für die Rehkitz- und Wildtierrettung stark machen möchte, kann sich an jeden Jagdpächter wenden. Sie sind über jede Hilfe engagierter Menschen sehr dankbar, denn alleine können sie die Wildtierrettung nicht bewältigen.

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