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Gemeinderat positioniert sich klar

Sorge ums Trinkwasser: Pumpversuch als Startsignal für Mineralwasser-Produktion in Polling?

Gegner der Mineralwasserproduktion haben rund um Polling Protestplakate aufgestellt
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Gegner der Mineralwasserproduktion haben rund um Polling Protestplakate aufgestellt. Jetzt ist das Thema wieder aktuell.

Seen trocknen aus, Bäche versanden. Die Dürre dieses Sommers hat gezeigt: Das Wasser wird knapp. Doch es gibt eine eiserne Reserve. In Polling möchte die Firma Weiding Mineralbrunnen GmbH dieses Tiefenwasser für die Produktion von Mineralwasser nutzen. Ist der Antrag auf einen Pumpversuch der Startschuss?

Polling – Der Antrag, der die Alarmglocken schrillen lässt, liegt beim Landratsamt Mühldorf vor. Die Behörde hat den Gemeinderat Polling um Stellungnahme gebeten. Es geht um die wasserrechtliche Erlaubnis für einen Langzeitpumpversuch. Die Firma Weiding Mineralbrunnen GmbH will für zwei Wochen an zwei Brunnen erkunden, ob eine Nutzung des Tiefenwassers möglich ist.

Das Landratsamt erklärte zur Begrifflichkeit „Langzeitpumpversuch“, in Weiding werde der Brunnen nicht aktiv bepumpt, sondern der freie Überlauf des Brunnens gemessen. „In Anlehnung an einen Langzeitpumpversuch am Brunnen VII der Stadt Töging soll ein Druckversuch (freier Überlauf) am bestehenden artesisch gespannten Tiefbrunnen VI in Weiding durchgeführt werden“, heißt es auf Anfrage aus dem Landratsamt. Der Test wolle Erkenntnisse gewinnen zur Frage, ob eine Nutzung ausschließlich aus dem natürlichen Brunnenüberlauf möglich sei, ohne die öffentliche Trinkwasserversorgung negativ zu beeinflussen. „Die Ergebnisse werden unter anderem in das für den Standort Weiding erforderliche hydrogeologische Gutachten einfließen“, so das Landratsamt.

Artesischer Brunnen

Ein artesischer Brunnen zapft Grundwasser an, das in einer eingeschlossenen Schicht unter natürlichem Druck steht. Wird diese Schicht angebohrt, steigt das Wasser im Brunnenrohr von selbst nach oben. Reicht der Druck bis über die Erdoberfläche, fließt das Wasser ohne Pumpe aus. Der Name geht auf die französische Landschaft Artois zurück, wo solche Brunnen früh bekannt waren.

Gemeinderat sieht es einstimmig kritisch

Doch der neue Pollinger Gemeinderat sieht den Antrag äußerst kritisch. Er hat sich in der jüngsten Gemeinderatssitzung einstimmig mit einer Stellungnahme positioniert, die aufhorchen lässt. Denn das Gremium führt in einer Ergänzung, extra formuliert, auch aus, ein Langzeitpumpversuch werde als „Start“ für die Mineralwasserförderung bewertet. Diese werde in der Bevölkerung sehr kritisch gesehen und abgelehnt.

In der Tat haben die Pläne in den vergangenen Jahren scharfe Kritik hervorgerufen. Demonstrationen, Petitionen, Bürgerversammlungen und Proteste aller Art sowie Druck auf die Politik machten deutlich, wie groß die Sorgen um mögliche Folgen einer kommerziellen Nutzung von Tiefenwasser sind. Auch Treffen von Gegnern des Vorhabens mit Vertretern der Firmenleitung brachten keine Annäherung. So geht es seit Jahren. 2024 schien es jedoch so, als seien die Pläne begraben worden. Es war scheinbar still geworden rund um das Vorhaben. Auch deshalb lässt der wasserrechtliche Antrag auf den beantragten Langzeitpumpversuch jetzt aufhorchen.

Protestplakat gegen Mineralwasserförderung in Polling

Stellungnahme gegenüber dem Landratsamt

Der Gemeinderat Polling, der nur Stellung nehmen darf (Genehmigungsbehörde ist das Landratsamt Mühldorf), positioniert sich deutlich: Er habe „erhebliche Zweifel“ daran, dass nach Sicht der vorliegenden Unterlagen die Voraussetzungen für eine wasserrechtliche Genehmigung des Pumpversuchs derzeit vollständig erfüllt seien. Der betroffene Tiefengrundwasserleiter sei artesich gespannt und reagiere erfahrungsgemäß empfindlich auf großräumige Entnahmen.

Nach Ansicht der Gemeinde sind mögliche Auswirkungen auf das Grundwassersystem und besonders auf bestehende öffentliche Wasserversorgungen bislang nicht ausreichend untersucht worden. Bereits frühere Förderungen hätten Druckabsenkungen in benachbarten Brunnen verursacht. Zudem seien langfristige Auswirkungen weiterer Wasserentnahmen aufgrund fehlender Langzeitdaten nicht abschließend beurteilbar.

Braunes Wasser?

Besondere Bedenken bestehen auch hinsichtlich der Wasserqualität. Im Bereich des Brunnens VI waren in der Vergangenheit Belastungen mit dem inzwischen verbotenen Pflanzenschutzmittel Atrazin festgestellt worden. Dies könne auf frühere Undichtigkeiten oder mögliche Schadstoffeinträge in den Tiefengrundwasserleiter hindeuten.

Bürgermeister von Polling zeigt eine klare Meinung

Strenge Auflagen gefordert

Sollte der Pumpversuch dennoch genehmigt werden, fordert der Gemeinderat strenge Auflagen. Dazu gehören unter anderem eine zeitliche Begrenzung des Versuchs, verbindliche Fördermengen, ein engmaschiges Monitoring von Wasserstand und Wasserqualität, zusätzliche Schadstoffkontrollen sowie die vollständige Veröffentlichung aller Messdaten.

Sorge um die Versorgung

Der Gemeinderat weist außerdem noch auf einen anderen Punkt hin: Die öffentliche Trinkwasserversorgung habe Vorrang gegenüber konkurrierenden Nutzungen. Solange Beeinträchtigungen nicht zweifelsfrei ausgeschlossen werden könnten, „bestehen erhebliche rechtliche Bedenken gegen die beantragte Maßnahme“. „Trinkwassser ist unser wichtigstes Gut. Das brauchen wir alle. Das sollte in absoluter kommunaler Hand bleiben und nicht in die Hände der Industrie gelangen“, brachte Bürgermeister Ernst Weinberger die Meinung auf den Punkt.

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