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Zu wenig Ausleihen, zu wenig bekannt

„Es kommt einfach keiner“: Bürgermeister Kronberger stellt Pollings Bücherei zur Diskussion

Gemeindebücherei Polling, Lena Koch, Hendrik Gerschewski
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Seit 1966 gibt es die Gemeindebücherei in Polling. Laut Bürgermeister Lorenz Kronberger wird sie kaum noch genutzt. Das wollen unter anderem Lena Koch und Hendrik Gerschewski nicht so einfach hinnehmen.

Zu wenig Ausleihen, kaum Besucher, zu viel Aufwand: Pollings Bürgermeister Lorenz Kronberger lässt im Gemeinderat über die Bücherei diskutieren. Wie die Räte das Angebot retten wollen.

Polling „Wir haben in der Bücherei sehr wenig Ausleihungen“, eröffnete Bürgermeister Lorenz Kronberger (UWG) in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates eine Diskussion über die Gemeindebücherei. 

Im Jahr gebe es höchstens 3000 Ausleihen, führte Kronberger in der Sitzung aus. „Manchmal kommt gar keiner.“ Auch die Kinder kämen nicht mehr. „Das ist eine sehr geringe Nutzung.“ Die Schüler bräuchten die Bücherei nicht mehr, um Referate vorzubereiten. „Heute wird alles gegoogelt.“ 

Nur wenige Besucher und wenige Ausleihen

Die Zeitschriften seien erfolglos, Lesungen würden nicht besucht, höchstens ein paar Romane würden noch ausgeliehen, führte Kronberger im Laufe der Sitzung aus. Im Schnitt kämen am Dienstag zwei Nutzer, am Freitag fünf und jeden Monatsanfang zwei Schulklassen. Es würden vor allem Kinderbücher und Sachbücher ausgeliehen, weniger oft Romane. 

Kronbergers Fazit: „Das ist minimal.“ Er wisse auch nicht, „was man machen kann“. Daher bat er die Gemeinderäte, „sich Überlegungen zu machen“. Es gebe zwei Varianten, Kronberger nannte aber nur eine: die Bücherei in eine Schulbücherei zu überführen, die „nur für die Schüler“ da sei. 

Laut Pollings Internetseite ist die Gemeindebücherei „eine wichtige öffentliche Einrichtung“, die seit 1966 bestehe. Sie wird seit 1. Juli 2024 von Dr. Silvia Freimann betreut.

Pollings Bücherei besteht seit 1966.

„Ich bin für den Erhalt der Bücherei“, auch wenn die Zahlen nicht „so toll“ seien, meldete sich als erste Grit Berdel (FW).  3000 Ausleihen pro Jahr sind 3000 Mal, wo ein Kind nicht in ein elektronisches Kästchen, sondern in ein Buch schaue. „Das ist sehr, sehr viel wert.“ Daher: die Bücherei beibehalten. „Das ist für die Gemeinde stemmbar.“ 

Schließung wäre der falsche Weg

Dem stimmte Lena Koch (Grüne) zu. Es sei schade, dass es keinen Arzt mehr in Polling gebe und „verschiedene andere Dinge“ geschlossen wurden. Die Bücherei zu schließen, wäre „der falsche Weg“. Lieber sollte die Gemeinde investieren und sich überlegen: „Wie bringe ich mehr Leute her? Ich sehe hier viel Potential. Ich bin absolut dagegen, sie zuzumachen.“

Auch Hendrik Gerschewski (UWG) brach eine Lanze für die Bücherei. „Die Gemeinde sollte mit ihrem Angebot nicht noch mal runterfahren. Schauen wir uns in den umliegenden Gemeinden um.“ Dann solle der Kulturausschuss drei Vorschläge unterbreiten, „was vielleicht erfolgversprechend ist“.

„Wer hat denn den Stein ins Rollen gebracht?“, fragte Alfred Wagner (CSU). Das sei bei den Haushaltsberatungen aufgekommen, sagte Geschäftsleiterin Gabriele Springer. Kronberger erklärte, es sei keine Kostendebatte. „Es kommt einfach keiner“, ergänzte Springer. 

Lena Koch.

Für Koch war das aber mit dem Sachvortrag, den die Gemeinderäte bekommen hatten, nicht stimmig. Dort heiße es, „dass durch die Vielzahl an Aufgaben das Personal stark belastet ist“. 

Die Bücherei habe zwei Stunden geöffnet, wähle die neuesten Bücher aus, müsse Statistiken führen, erwiderten Kronberger und Springer. „Der administrative Aufwand für die Leute, die kommen, ist zu hoch“, bilanzierte Springer.

„Dann müssen wir ein neues Konzept aufstellen“, forderte Koch. „Da gibt es super tolle Ideen.“

Johann Schwarz (FW) richtete den Blick nach Oberneukirchen. Dort laufe die Bücherei „relativ gut“. 

„Das ist eine Schulbücherei“, hielt dem Springer entgegen.

„Es ist auch eine Schulbücherei“, erklärt Oberneukirchens Bürgermeisterin Anna Meier den OVB Heimatzeitungen auf Nachfrage. In erster Linie sei es aber eine gemeinsame Pfarr- und Gemeindebücherei mit vielen Ehrenamtlichen.

Hendrik Gerschewski (links) ist seit März Mitglied im Pollinger Gemeinderat. Hier bei der Vereidigung mit Bürgermeister Lorenz Kronberger.

Im vergangenen Jahren haben laut Jahresbericht in Oberneukirchen 202 aktive Benutzer insgesamt 8572 Ausleihen vorgenommen. „Das entspricht einer Ausleihe von durchschnittlich 42 Medien pro Nutzer und circa 64 Medien pro Ausleihtag.“ Die Nutzer kämen aus Oberneukirchen, Aschau, Engelsberg, Haiming, Kraiburg, Mühldorf, Oberbergkirchen, Polling, Taufkirchen, Rattenkirchen und Waldkraiburg.

„Die Bücherei ist sehr wichtig. Da herrscht ein reger Verkehr. Da ist einiges los“, freut sich Oberneukirchens Bürgermeisterin Maier. Die Bücherei habe deswegen auch schon eine Auszeichnung erhalten.

In Pollings Gemeinderatssitzung sprachen sich auch Schwarz und Wilhelm Skudlik (FW) für den Erhalt der Pollinger Bücherei aus. Und so beschlossen die Gemeinderäte schließlich einstimmig, dass sich der Kulturausschuss Gedanken um die Zukunft der Pollinger Bücherei machen soll.

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