Wunschmobil für Sterbende
Der letzte Wunsch: So beschenken Hilfsdienste nicht nur die sterbende Laura aus Mühldorf
Die 34-jährige Laura aus Mühldorf war schwer krank – doch ein Herzenswunsch wurde ihr vor ihrem Tod noch erfüllt. Diese Aufgabe haben sich Hilfsdienste für alle Sterbende gestellt.
Mühldorf – Die bewegende Geschichte über die letzten Lebenstage der jungen Mühldorfer Mutter Laura Briggs hat viele bewegt. Die 34-Jährige war an Krebs erkrankt, vor wenigen Wochen ist sie daran gestorben und hat ihren Sohn Raiden (2) zurückgelassen. In ihren letzten Lebenstagen konnte sich sich noch einen Wunsch erfüllen: eine Fahrt an den Ammersee.
Wunschmobile von BRK und Maltestern
In der Region machen das Malteser Hilfsdienst und Rotes Kreuz (BRK) möglich. Beide Organisationen bieten Sterbenden mit ihren Wunschmobilen diese Gelegenheit. „Oft ist die Erfüllung des letzten Herzenswunsches durch eingeschränkte Mobilität oder aus finanziellen Gründen für den Betroffenen nicht mehr möglich“, heißt es dazu beim Roten Kreuz. „Hier versucht das Team vom Herzenswunsch Hospizmobil Türen zu öffnen.“
Um solch eine Fahrt mit dem Herzenswunsch-Krankenwagen überhaupt möglich zu machen, bedarf es vieler Vorbereitungen, Koordination, jeder Menge Formalitäten, ärztlicher Bescheinigungen, Gespräche und Zeit. Die Mühldorferin Laura Briggs war zuletzt sehr schwach, aber ihr Verstand glasklar. Sie konnte noch sprechen und Entscheidungen selbst treffen und so bat sie darum, ihr den letzten Wunsch noch zu erfüllen.
Fahrten sind oft aufwendig
Medizinische Tätigkeiten dürfen die Hilfsorganisationen nicht durchführen, pflegerische nur begrenzt. Dazu benötigen sie eine ärztliche Bescheinigung zur Transportfähigkeit.
Laura liebte die Natur, das Wasser, die Tiere und das Gefühl von Freiheit und so ging es für sie, ihren kleinen Sohn und ihre Mutter gemeinsam mit den Maltesern im Herzenswunsch-Krankenwagen an den Ammersee. Erik Waalkes, Diözesanreferent Soziales Ehrenamt bei den Maltesern im Erzbistum München und sein ehrenamtliches Team machten Lauras letzten Wunsch möglich und begleiteten sie.
Dabei ist das Angebot mit hohem Aufwand verbunden „Normalerweise haben wir mehr Vorlaufzeit. Alleine schon, weil die Wünsche der Leute manchmal komplexer sein können“, sagt Malteser Waalkes. „Das muss ja alles organisiert und geplant werden. Im Falle von Laura war das eine enorme Herausforderung für uns, denn die Zeit drängte.“
Auch das BRK bittet um eine frühzeitige Kontaktaufnahme. „Sehr zeitnah nehmen unsere Mitarbeiter den Kontakt auf und besprechen den Wunsch im Detail. Nach der ärztlichen Freigabe bespricht das eigens einberufene Führungsteam die Wunschanfrage und entscheidet über die Durchführung.“ Die Fahrten mit den Herzenswunsch-Mobilen sind für die sterbenden Fahrgäste kostenlos. Die Hilfsorganisationen sammeln Spenden, die Helfer arbeiten ehrenamtlich.
Auch für Helfer ein eindrückliches Erlebnis
Keine einfache Arbeit. „Diese Fahrt war keine übliche Fahrt. Uns hat das alles abverlangt, was wir machen konnten, körperlich, emotional, was die Anforderungen anging, einfach in allen Bereichen“, sagt Erik Waalkes über den Ausflug mit Laura Briggs.
Die Eindrücklichkeit der Ausflüge mit Sterbenden bleibt für die Helfer auch nach der Fahrt. „Am Montag danach sollte Laura wieder Besuch von Gabi Kälbli und ihrem Hund Wally bekommen“, erzählt Waalkes, „aber da bekamen wir leider die traurige Nachricht, dass Laura verstorben ist.“
Das Zuständigkeitsgebiet des Herzenswunsch-Krankenwagen der Malteser ist sehr groß. Es umfasst das gesamte Gebiet des Erzbistums, zu dem auch der Landkreis Mühldorf zählt. „Wir bekommen etwa 30 Anfragen, wovon wir etwa 15 fahren können. Bei den anderen sterben die Gäste vorher oder es gibt andere Gründe, warum sie absagen“, sagt Waalkes. In diesem Jahr haben sie bereits 17 Anfragen bekommen, davon neun durchgeführt.
3000 Fahrten mit dem Wunschmobil in Deutschland
Pro Jahr finden bundesweit etwa 300 Fahrten mit dem Herzenswunsch-Krankenwagen der Malteser statt. Die weiteste Strecke legten sie bis nach Manoppello (Italien) zurück. Die Fahrt mit dem Herzenswunsch-Krankenwagen soll für den Gast schön und bequem sein und so steckt auch in der Ausstattung des Fahrzeuges jede Menge Herz. Es gibt unter anderem einen Sternenhimmel, der auf Wunsch leuchtet und auch die Lieblingsblumen fahren mit, wie bei Laura Briggs, die Sonnenblumen liebte.
Die Reiseziele sind nach den Erfahrungen der Ehrenamtlichen vielfältig. Während die einen so wie Laura Briggs in die Natur wollen, möchten andere ein Konzert besuchen oder Tiere sehen und streicheln.

