Zahlreiche Rettungskräfte am Stadtplatz
„Besonderer Einsatz“: Nach Großeinsatz in Waldkraiburg wegen Gas-Alarm – Eine Frage bleibt offen
Ein Großaufgebot an Rettungskräften war am Mittwochnachmittag (25. Juni) am Stadtplatz in Waldkraiburg im Einsatz. In einem Gebäude war Gas ausgetreten. 35 Personen hatten Atemwegsprobleme. Aber woher stammte das Gas?
Waldkraiburg – Ein Polizeiauto stand am Mittwochnachmittag (25. Juni) an der Einmündung Graslitzer Straße ins Stadtzentrum quer auf der Fahrbahn, Durchkommen mit dem Auto war unmöglich. Dahinter reihte sich Rettungswagen an Rettungswagen. Auf einen Blick wurde deutlich, dass etwas Größeres passiert sein musste. Von der anderen Richtung her sicherte die Feuerwehr den Stadtplatz ab der Kreuzung zur Berliner Straße mit Absperrband großräumig. Fußgänger fragten nach einem Durchgang zum Drogeriemarkt, doch die Feuerwehr riet, besser Abstand zu halten.
Feuerwehreinsatz in Waldkraiburg am Mittwoch (25. Juni)




„Es war ein besonderer Einsatz, da wir bis zum Schluss nicht klären konnten, um welchen Stoff es sich handelte“, sagt nach dem Großeinsatz Mario Englmeier, stellvertretender Kommandant der Feuerwehr Waldkraiburg. Gegen 15 Uhr wurden er und rund 50 weitere Feuerwehrler alarmiert, waren sie mit zwölf Fahrzeugen im Einsatz. Es gab Gasalarm – mitten in der Stadt: im Gebäude des ehemaligen Cafe Brosch / Cafe Avocado und der Stadtapotheke.
Mitarbeiter haben „gescheit gehustet“
Apothekerin Susanne Engelmann hatte am Mittwoch eigentlich ihren freien Nachmittag, kam jedoch sofort herbeigeeilt, als sie von dem Großeinsatz erfuhr. „In der Apotheke selbst hat man nichts gerochen, aber die Mitarbeiter hatten anfangs eine Tür zum Treppenhaus geöffnet und haben gesagt, sie haben schon gescheit gehustet“, erzählt Engelmann. Sie selbst konnte erst gar nicht zu ihnen vordringen, da das Personal bereits von den Rettungskräften betreut wurde. Unterdessen hat sie dringende Arzneimittel an die Wartenden außen ausgegeben.
„Gott sei Dank ist niemandem etwas passiert“, sagt die Apothekerin. Eine Mitarbeiterin musste zur Kontrolle ins Krankenhaus gebracht werden, konnte aber abends wieder nach Hause. Auch wurde den Beschäftigten empfohlen, sich zu duschen, die Haare zu waschen und die Kleidung zu wechseln, da sich das Gas offenbar darin festsetzte. „Keine Ahnung, was das war, aber von der Heizung kam es nicht, das riecht anders – sehr mysteriös“, meint Engelmann. Sie geht davon aus, dass das Gas mutwillig versprüht wurde.
Erstversorgung im Rathaus eingerichtet
Auch Polizisten und Feuerwehrler rochen das Gas in dem Haus. „Wir haben umgehend das Gebäude gelüftet“, sagt Englmeier. Der Stadtplatz wurde gesperrt, alle Personen evakuiert. Anschließend kontrollierte die Feuerwehr mit der Drehleiter von außen, „ob noch Personen im Gebäude sind, die wir retten müssen“, sagt Englmeier.
Im Rathaus wurde eine Erstversorgung eingerichtet. 35 Personen hatten nach Polizeiangaben über Reizung der Atemwege geklagt. Vier von ihnen, darunter ein Polizist, mussten ins Krankenhaus. „Dem Kollegen geht es soweit gut“, berichtet Polizeihauptkommissar Thomas Opetnik von der Polizei Waldkraiburg. Vor Ort hätten bestimmte Werte nicht gepasst, die seien im Krankenhaus vorsorglich abgeklärt worden. „Er durfte dann nach Hause gehen.“
Art des Gases konnte nicht ermittelt werden
Mike Schmitzer, Pressesprecher des „InnKlinikums Mühldorf“ bestätigt, dass Betroffene wegen „einer möglichen Gasinhalation“ untersucht wurden. „Keine dieser Personen musste stationär aufgenommen werden.“
Neben der Feuerwehr Waldkraiburg waren auch die Wehren aus Ebing, St. Erasmus und Pürten im Einsatz sowie die Kreisbrandinspektion, der Rettungsdienst und die Polizei mit fünf Streifenwagen. Gegen 18 Uhr gab es Entwarnung, die Bewohner konnten wieder in das Haus.
„Wir haben bis zum Schluss nicht ermitteln können, um welchen Stoff es sich handelte“, sagt Feuerwehrmann Englmeier. „Alle Messwerte waren negativ. Alle Versuche, einen Stoff zu identifizieren, verliefen negativ. Wir haben nirgends einen Ausschlag erhalten.“
Versprühen von Pfefferspray könnte Einsatz ausgelöst haben
Die weiteren Ermittlungen liegen jetzt bei der Polizei Waldkraiburg. „Wir gehen möglicherweise von Reizgas aus“, sagt Opetnik. Es werde untersucht, ob „bewusst oder unbewusst“ eine CS-Gas-Kartusche oder Abwehrspray ausgelöst wurde. CS-Gas ist landläufig als Pfefferspray bekannt. „Details wissen wir noch nicht.“
Reizgas würde zu den Symptomen das Verletzen passen, meint Eglmeier. „Es ist aber schwierig, jetzt was zu sagen.“ Das Gas aus dem Spray verflüchtige sich sehr schnell, sei dann nicht mehr nachweisbar und nur noch der Reizstoff sei in der Luft.
Sollte jemand CS-Gas bewusst versprüht haben, dann geht das „in Richtung gefährliche Körperverletzung“, erklärt Polizist Opetnik, „weil der Unbekannte ein Mittel verwendet hat, das dazu führt, dass er anderen Schmerzen oder Verletzungen zufügt“.
Gerätewagen Gefahrgut war im Einsatz
Sollte das Gas vorsätzlich versprüht worden sein, könnte es auch sein, dass der Unbekannte auch die Kosten des Einsatzes übernehmen muss. Englmeier schätzt, dass alleine der Einsatz der Feuerwehr einen „hohen vierstelligen Betrag“ gekostet habe.
Auch wenn es ein spektakulärer Einsatz war, in Waldkraiburg ist er eine Seltenheit. „Wir haben vielleicht ein oder zwei Vorfällen im Jahr“, sagt Polizist Opetnik. Es komme immer wieder vor, dass bei Bau- oder Wartungsarbeiten Gasleitungen beschädigt werden.
Gasalarm ist darum auch für die Feuerwehr etwas Besonderes. „Man hat den notwendigen Respekt, aber keine Angst“, sagt Englmeier. „Wir sind gut ausgebildet und haben auch den Gerätewagen Gefahrgut in Waldkraiburg.“ Dadurch könne die Waldkraiburger Wehr auf eine „breite Masse an qualifiziertem Personal zurückgreifen“. Ein Argument für einen Gefahrgutwagen in Waldkraiburg? „Definitiv.“
Die Waldkraiburger Polizei bittet, dass sich Zeugen bei der Inspektion in Waldkraiburg unter Telefon 08638/9447-0 melden.



