Bahnverkehr rund um Mühldorf
Für mehr Sicherheit in SOB-Zügen: Auf Nebenstrecken fehlen Zugbegleiter
Auf vielen SOB-Strecken fehlt Begleitpersonal, das Züge sicherer machen würde. Um Zugbegleiter und Fahrgäste besser zu schützen, setzt die SOB jetzt auf eine technische Neuerung.
Mühldorf – Zunehmend Thema wird die Sicherheit auf Bahnhöfen und in den Zügen. Auch im Bereich der Südostbayernbahn (SOB), deren Schienennetz sich in Südostbayern erstreckt. Das machten Vertreter der Geschäftsführung jetzt deutlich. Auch wenn Übergriffe und Vandalismus sich noch auf niedrigem Niveau befänden, gäbe es Hotspots.
Zahl der Zugbegleiter ist begrenzt
Das Problem: Zur Sicherheit tragen wesentlich die Zugbegleiter bei, deren Zahl allerdings begrenzt ist. Während auf der Strecke nach München in jedem Zug mindestens ein Zugbegleiter unterwegs ist, fahren die Schaffner auf Nebenstrecken nur in jedem vierten Zug mit.
Für SOB-Sprecher Matthias Krause ein Nachteil: „Wenn auf jeder Strecke ein Zugbegleiter mitfahren würde, wäre das für die Sicherheit der Fahrgäste und als Vorbeugung gegen Vandalismus das Beste.“ 2019 hätte die Bayerische Eisenbahngesellschaft, die alle Leistungen der SOB bestellt und finanziert, einen Zugbegleiter für jeden Zug vorgesehen. „Das war aber nicht finanzierbar“, sagt Krause heute. Das Ergebnis: Nur in 25 Prozent der Züge gibt es Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter. „Wenn auf zwei Drittel der Strecken Zugbegleiter mitfahren würden, würde sich das positiv auswirken.“
Kein Mega-Problem, aber Hotspots
Denn auch in der Region spielt das Thema Randale und Übergriffe eine Rolle. Krause sagt zwar: „Wir sind immer noch im Land der Glückseligen“, es gäbe aber von Zeit zu Zeit Hotspots von Gewalt und Vandalismus. In solchen Fällen führen dann auch Bundespolizisten zur Verstärkung mit.
Ein solcher Hotspot sei 2024 zeitweise die Rottalbahn gewesen. Als Grund nennt Krause die Möglichkeit für Jugendliche, mit dem Deutschland-Ticket am Wochenende kostengünstig zum Feiern in andere Städte wie Landshut oder München fahren zu können. Dabei gäbe es mitunter Ausschreitungen. Übergriffe gebe es generell vor allem auf den Nebenstrecken, so Krause, derzeit sei aber kein Hotspot bekannt.
Um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter besser zu schützen, hat die Bahn im Regionalverkehr Körperkameras angeschafft. Die sogenannten Bodycams tragen die Zugbegleiter an ihrer Uniform und können sie im Streitfall einschalten. „Das wird relativ gut angenommen“, sagt SOB-Personalerin Magdalena Obermayer. Anfangs seien die Mitarbeiter verhalten gewesen, doch die Kamera am Körper setze sich durch. „Bei Gefahr wird sie aktiviert, das Gegenüber darauf hingewiesen“, macht Obermayer das Vorgehen deutlich.
Eine Sprecherin der Bahn weist darauf hin, dass Bahnmitarbeiter wie Polizisten, Feuerwehrleute und Rettungsdienstmitarbeiter mehr Aggressivität zu spüren bekommen. „Respektlosigkeiten und Angriffe nehmen überall zu, in Parks, auf Straßen und Plätzen genauso, wie in unseren Bahnhöfen und Zügen.“ Bei Fahrkartenkontrollen, bei der Durchsetzung des Hausrechts sowie am Rande von Volksfesten, Großveranstaltungen und Fußballspielen komme es immer wieder zu verbalen und tätlichen Übergriffen.
3324 körperliche Angriffe auf DB-Mitarbeiter bundestweit
Nach ihren Angaben gab es 2024 konzernweit 3.324 körperliche Übergriffe auf Mitarbeitende. „Das bedeutet eine Zunahme von knapp sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr (2023: 3.144). „Rund die Hälfte der körperlichen Übergriffe betraf das Zugpersonal im Regionalverkehr.“ Deshalb würden Körperkameras bundesweit angeboten und eingesetzt.
Pünktlichkeit bleibt das Kundenthema
Es ist das Thema Pünktlichkeit, das einmal mehr die Jahresbilanz der Südostbayernbahn (SOB) prägt, denn aus Sicht der Kunden ist es das entscheidende Kriterium, das über die Zufriedenheit entscheidet. Deshalb sind die Verantwortlichen des heimischen Bahnunternehmers schon froh, wenn sich die Pünktlichkeit nicht weiter verschlechtert.
Auf 87,28 Prozent beziffert Matthias Krause, Sprecher der Geschäftsführung, das Ergebnis im vergangenen Jahr. „Das ist eine Stabilisierung, das ist ganz gut.“ 2023 waren es 87,31 Prozent. „Rechnen wir die Strecke nach München raus und nehmen nur unser Netz, sind wir sogar bei weit über 90 Prozent.“ Denn nach wie vor bremst die Strecke nach München und der Hochbetrieb westlich von Markt Schwaben die SOB aus.
Umbauarbeiten sollen Verkehr sicherer machen
Die Umbauarbeiten in diesem Sommer an vier Stellwerken, mit den langen Streckensperrungen während der Ferien, sollen den Verkehr auf der Strecke und im Knoten München Ost weiter verbessern.

