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Wird der Kreistag eine Untersuchung beauftragen?

Altötting will nach Mühldorf Beitritt zum MVV prüfen, doch: „Der Teufel steckt im Detail“

Soll der Landkreis Altötting Teil des Münchner Verkehrsverbunds werden?
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Soll der Landkreis Altötting Teil des Münchner Verkehrsverbunds werden?

Soll der Landkreis Altötting Teil des MVV werden? Weil Mühldorf bei dem Verbund einsteigt, soll der Kreistag entscheiden, ob auch ein Beitritt Altöttings geprüft werden soll.

Landkreis Altötting – Der Umwelt- und Kreisausschuss des Landkreises Altötting haben einer Prüfung des Beitritts zum Münchner Verkehrsverbund (MVV) zugestimmt. Nun soll am 14. Juli der Kreistag entscheiden, ob der Beitritt zum MVV untersucht werden soll. Der Antrag war von der CSU-Kreistagsfraktion eingereicht worden – obwohl erst vor zwölf Monaten entschieden wurde, dass ein Verkehrsverbund mit den Nachbarlandkreisen angesichts der prekären Haushaltslage zu teuer für Altötting wäre.

Durch den überraschenden Beitritt des Nachbarlandkreises Mühldorf zum MVV, der bereits ab dem 1. Januar 2026 wirksam wird, haben sich die Rahmenbedingungen jedoch entscheidend verändert. Landrat Erwin Schneider (CSU) ist sich sicher: Ganz Südbayern wird in der Zukunft Teil des MVVs werden. „Aber der Teufel steckt im Detail“ – denn gerade im Landkreis Altötting gebe es einige Sondersituationen, die einen Beitritt zu teuer oder unsinnig machen könnten.

Prüfungsauftrag und politsche Dimension des Beitritts

In einer Präsentation wurden dem Umweltausschuss zentrale Vorteile skizziert. Dazu zählen ein einheitliches Tarifsystem, die Vereinfachung durch ein einziges Ticket für den gesamten MVV-Raum sowie die digitale Anbindung an die MVV-App, die Routing, Ticketkauf und Tarifermittlung per „Swipe“-Funktion vereint. Auch bei Infrastrukturmaßnahmen – von Busausstattung bis Haltestellendesign – sei eine 90-prozentige Förderung möglich. Dennoch müsse sich der Landkreis auf Ausgleichszahlungen einstellen: Harmonisierungsverluste durch abgesenkte Tarife, Regiekosten und ein Ausgleich für das 365-Euro-Schülerticket, das derzeit vom Freistaat Bayern bezuschusst wird.

Landrat Schneider wies zudem auf die politische Dimension eines MVV-Beitritts hin. Er verglich die Anbindung an München mit europäischen Beispielen wie Paris oder Rom, deren Großräume weit über die Kernstädte hinausreichen. „Die Welt schaut auf große Regionen“, hob Schneider hervor. Der Landrat sagte, dass er die Prüfung in jedem Fall befürworte. „Doch ob wir dem MVV am Ende beitreten, ist abhängig davon, ob es uns das wert ist – denn kosten wird es uns auf jeden Fall etwas.“ Die Studie, die der Kreistag nun beauftragen soll, würde jedoch alle Vor- und Nachteile eines Beitritts zum MVV ergebnisoffen untersuchen. Die Kosten dafür liegen bei etwa 63.000 Euro, abzüglich Förderungen bleibe für den Landkreis ein Eigenanteil von etwa 35.000 Euro.

Sonderfall Burghausen: Was passiert mit dem Citybus?

Gerade weil sich durch den Werkverkehr und den Citybus-Betrieb in Burghausen Sondersituationen ergeben, empfahlen Landrat Schneider und Dr. Robert Müller, Abteilungsleiter beim Landratsamt, die besonderen Bedingungen durch die Studie untersuchen zu lassen. „Wir wollen nicht nur aus den Erfahrungen Mühldorfs lernen“, betonte Dr. Müller, „wir wollen auch valide Daten für die Lage im Landkreis Altötting.“ Die Zeit sei dabei ein kritischer Faktor, denn ein möglicher Beitritt zum MVV sollte bereits bis zum 1. Januar 2027 erfolgen – so könnte der Landkreis noch von der aktuellen Förderstruktur profitieren.

Burghausens Sonderrolle wurde auch vom Altbürgermeister der Stadt, Hans Steindl, betont. Burghausen betreibe seinen Citybus mit einem erheblichen Eigenanteil, rund 1,2 Millionen Euro seien dafür im Stadthaushalt veranschlagt. Er mahnte, dass diese bestehende Struktur nicht aufgegeben werden dürfe. Außerdem sollten auch Verträge mit privaten Busunternehmen beachtet werden. Doch erste Überlegungen, wie Burghausen seine günstigen Tarife trotz MVV beibehalten könnte, gibt es bereits – etwa über Erstattungsmaßnahmen für Bürger.

Studie soll Klarheit bringen – Entscheidung bis Jahresende

Auch Vertreter anderer Fraktionen signalisierten Zustimmung zum Prüfauftrag, wenngleich nicht ohne Skepsis. Grünen-Kreisrat Peter Áldozó Peter erinnerte daran, dass seine Fraktion bereits vor einem Jahr einen solchen Antrag gestellt hatte: „Die CSU ist anscheinend aufgewacht“, rügte er. Martin Huber (CSU) betonte, dass ein Beitritt auch Standortmarketing bedeuten könne – etwa im Tourismus oder für die Wahrnehmung der Region. „Ein gemeinsames Branding mit dem MVV kann auf jeden Fall von Vorteil sein“, betonte er.

Kritische Stimmen kamen von der AfD. Günther Vogl zweifelte grundsätzlich an der Zuständigkeit des Landkreises für private Fahrten von Bürgern: „Ist es unsere Aufgabe, das zu finanzieren?“, fragte er. Zudem verwies er auf die hohen Einzelfahrscheinpreise in München – die in Europa Spitzenreiter seien. „Würde eine Fahrt von Altötting nach Kastl dann auch 4,10 Euro kosten?“, fragte er. „Da muss man genau hinschauen, ob sich das lohnt.“

Landrat Erwin Schneider begründete die Kehrtwende der CSU-Fraktion mit dem Beitritt Mühldorfs zum MVV: „Es war damals nicht so eindeutig absehbar, dass das passieren würde. Aber sie haben intensiv mit der Staatsregierung verhandelt und gute Ergebnisse erzielt.“ Diese Erfahrung könne man auch auf den Landkreis Altötting übertragen, meinte er. Gleichzeitig betonte Schnieder, dass die Entscheidung über einen Beitritt keineswegs gefallen sei: „Ich befürworte den Prüfauftrag – aber das bedeutet noch lange nicht, dass ich auch einen Beitritt gutheißen würde.“

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