Deutlich längere Fahrzeiten
Bahnstrecke Mühldorf-München fünf Wochen gesperrt: Was Pendler jetzt wissen müssen
Züge fallen aus, Fahrzeiten verlängern sich deutlich: Pendler und München-Reisende müssen im Sommer starke Nerven haben. Doch es kommt noch mehr.
Mühldorf – Für Pendler, Fernreisende oder München-Besucher kommt es heuer im Sommer besonders dick: Die Bahn sperrt die Strecke zwischen Mühldorf und München für fünf Wochen. Wie die Geschäftsleitung der Südostbayernbahn (SOB) am Donnerstag, 26. Juni, bekannt gab, sollen in dieser Zeit vier elektronische Stellwerke (ESTW) gebaut werden.
Sommerferien für Bauarbeiten nutzen
Seit Jahren nutzt die SOB die Sommerferien, um Baumaßnahmen zwischen Mühldorf und München durchzuführen. Diese Arbeiten dienen nach Angaben von Matthias Krause, Sprecher der SOB-Geschäftsführung, der Verbesserung des aktuellen Betriebs und der Vorbereitung des zweigleisigen Ausbaus. Zugleich will die Bahn die Zeit im Jahr nutzen, in der wegen der Ferien die wenigsten Menschen unterwegs sind.
Das Vorhaben „4 ESTW München – Mühldorf“ soll bis 2027 abgeschlossen sein, es umfasst die Erneuerung von Stellwerken, Bahnübergängen und Signalen. Im Zentrum steht der Ersatz der letzten vier mechanischen Stellwerke zwischen Markt Schwaben und Ampfing durch moderne elektronische Stellwerke.
Für SOB-Chef Krause ist die alte Technik Grund für etwa 30 Prozent aller Verspätungen auf der Strecke nach München. Deshalb ist er überzeugt: „Die Modernisierung bringt Verbesserungen für den Kunden.“ Weniger Ausfälle in der Leit- und Sicherungstechnik führen nach seiner Aussage zu pünktlicheren Zügen.
Denn noch immer ist die Strecke nach München das Problemkind der SOB in Sachen Pünktlichkeit. Auf 87,28 Prozent (2023: 87,31 Prozent) beziffert die SOB den Wert für das vergangene Jahr, Krause spricht von einer „Stabilisierung vor allem auf der Strecke nach München: Das ist ganz gut.“ Wenn die SOB diese Strecke herausrechnet und nur das übrige Streckennetz betrachtet, liegt die Pünktlichkeit laut Krause sogar bei über 90 Prozent.
Doch bis sich die auf der Strecke nach München weiter erhöht, ist für Kunden Zähne zusammenbeißen angesagt. Denn vom 12. August bis 15. September wird die Fahrzeit deutlich länger und weniger komfortabel. Die, die trotzdem fahren wollen, müssen sich umstellen. Denn statt der Züge fahren Busse. Vor allem die Einfahrt in die Stadt München kostet Zeit, sagt Krause.
Deshalb bietet die Bahn neben einem Sammelbus, der alle Haltestellten entlang der Strecke bedient, auch Direktbusse ab Mühldorf an, die nur bis zur Messestadt fahren. Aber auch mit ihnen verlängert sich die Fahrzeit. So braucht der Direktbus von Mühldorf bis München Messestadt 70 Minuten, von dort geht es mit der U-Bahn weiter. Busse, die von Mühldorf nach München Ost fahren und wie Züge auch in den übrigen Orten entlang der Strecke halten, sind planmäßig mehr als zwei Stunden unterwegs. Diese Zeiten ergeben sich aus den Fahrplänen, die die SOB jetzt veröffentlicht hat.
Doch es kommt noch mehr auf die München-Fahrer zu: Ab Februar 2026 wird die heimische Bahnlinie zur Ausweichstrecke für die Generalsanierung der Strecke zwischen Regensburg und Nürnberg. „Hochfrequenzverkehr“ nennt die Bahn diesen Ausbau, während dem die Strecke Regensburg und Nürnberg für fünf Monate voll gesperrt wird. Die Bahn muss die Züge umleiten, auch über Mühldorf. Im Jahr 2027 ist dann die Strecke München - Salzburg dran, auch während dieser Zeit werden zusätzliche Züge auf die Strecke nach Mühldorf geschickt, das gilt in beiden Fällen auch für den Güterverkehr.
Deutliche Einschränkungen für den eigenen Betrieb
SOB-Chef Krause rechnet mit deutlichen Einschränkungen für den eigenen Betrieb. Wie der in dieser Zeit genau aussehen wird, will die Bahn in den kommenden Monaten vorstellen. Vorbild der Baumaßnahmen zur Generalsanierung sind die Maßnahmen auf der sogenannten Riedbahn zwischen Mannheim und Frankfurt, die 2024 für fünf Monate zu massiven Veränderungen und Behinderungen in diesem Bereich geführt hat.

