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Fassadenreinigung in Mühldorf zum Schleuderpreis?

„Hände weg von solchen Angeboten“: Ungebetene Handwerker an der Haustür – darauf muss man achten

Fassadenbetrug
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Es klingelt an der Tür und ein Maler verspricht zum günstigen Preis eine Fassade ganz wie neu – entscheiden muss man sich aber sofort.

Handwerker haben ihren Preis. Da kann ein günstiges Angebot an der Haustür schon verlocken. Allerdings kann dahinter schnell mal eine Betrugsmasche stecken – auch in Mühldorf. Was die Polizei dazu sagt und warum die Obermeisterin der Maler richtig sauer wird.

Mühldorf/Altötting – Die verwitterte Fassade eines ganzen Hauses reinigen lassen? Für einen Pauschalpreis von 1.500 Euro? Auf Rechnung und nur heute? Mit diesem Angebot stand vor ein paar Tagen ein Mann in farbbesprenkelter Malermontur an der Haustür der OVB-Reporterin.

Das ganze Haus fast wie neu

Der augenscheinliche Handwerker war unangemeldet aufgetaucht. Klingelte an der Haustür und legte in gutem Deutsch, mit leicht fremdländischem Akzent auch gleich los mit seiner Offerte. Die vergraute Fassade hatte er beim Vorbeifahren bemerkt. Er hätte gerade seine Aufträge andernorts erledigt und noch einen Rest Fassadenreiniger zur Verfügung. Damit könnte er das Haus wie neu erstrahlen lassen.

Ohne teures Gerüst, er arbeite nur mit einer Teleskopstange. Ohne Hochdruckreiniger, der dem Vollwärmeschutz schaden würde, es reiche Wasser aus dem Gartenschlauch. Und garantiert ohne giftige Chemie, er sei Vater von zwei kleinen Söhnen und wolle sie schließlich aufwachsen sehen. Die Sprühflasche mit dem Reinigungsmittel hatte er schon neben sich stehen.

Nach kurzem Zögern sinkt der Preis

Auf das Zögern der Hausherrin reagiert er mit einem Vorschlag: „Soll ich das mal vorführen, wie ich arbeite?“ Gesagt, getan. Er besprüht die ihm überlassene Hausecke mit dem Mittel, wartet etwa zehn Minuten und spült es mit dem Wasserschlauch wieder ab. Das Stück Fassade ist tatsächlich sichtbar sauberer.

Äußerst redegewandt versucht der junge Mann, das Geschäft abzuschließen, senkt den Preis von anfangs 1.800 Euro schnell auf 1.500 Euro. Auf den Wunsch nach etwas Bedenkzeit erhöht er den Überredungsdruck. Verweist auf die nur beschränkt verfügbare Menge des Mittels: „Ich habe nur noch das. Wenn es weg ist, ist es weg.“ Als das immer noch nicht zieht, überreicht er auf Nachfrage etwas ungnädig einen Flyer seiner Firma mit seiner Kontaktnummer. Packt seine Sachen wieder in den Kofferraum, steigt ins Auto und braust davon.

Oft schlecht gemacht und zu teuer

Vorgefallen ist das Ganze im Landkreis Altötting. Seit diesem Tag sind für diese Firma zwei neue Bewertungen im Internet aufgetaucht. Eine Dame schreibt: „Achtung – fällt in die Rubrik ‚Nepper, Schlepper, Bauernfänger‘! Mein gehörloser Vater wurde mit stark überhöhten Preisen über den Tisch gezogen.“ Und ein männlicher Kunde kommentiert: „Bereits nach zwei Wochen sah alles schlimmer, wie zuvor aus. Erreichen tut man die Herren auch nicht mehr. Sehr enttäuschend und schwach.“

Meldungen bei der Polizei gab es diesbezüglich aber nicht. „Wir haben das immer wieder, dass an der Haustür Angebote für verschiedenste Handwerkerarbeiten gemacht werden“, stellt ein Sprecher der Polizeiinspektion Altötting fest. „Dabei muss aber nicht sofort von Betrug ausgegangen werden.“ Oft werde eine Leistung erbrachte, allerdings ebenso oft nicht zur Zufriedenheit der Kunden oder zu einem überzogenen Preis. In solchen Fällen werde auch immer mal wieder Anzeige erstattet. „Betroffene können bei uns nachfragen, wenn sie unsicher sind“, betont der Polizeibeamte. „Wir überprüfen das dann. Lieber einmal zu oft die Polizei angerufen!“

In 99,9 Prozent der Fälle ist was faul

„Bei solchen Haustürangeboten gehen wir immer von einer Betrugsabsicht aus“, erklärt Uwe Schindler, Leiter der PI Waldkraiburg. Dort und in seinem früheren Einsatzbereich Mühldorf, seien solche Fälle in jüngster Vergangenheit nicht gemeldet worden. Was aber nicht heiße, dass diese „fliegenden Handwerker“ wie Asphaltierer, Dachrinnen- oder Fassaden- und Pflasterreiniger nicht auch im Landkreis Mühldorf ihre Dienste angeboten haben. „Immer, immer, immer Hände weg von solchen Angeboten“, mahnt Schindler. „In 99,9 Prozent der Fälle ist da was faul!“

„Das darf nicht sein“

Bernadette Stalleder aus Ampfing ist Obermeisterin der Maler- und Lackiererinnung Altötting-Mühldorf. Sie wird richtig sauer, wenn Firmen ohne Meisterbrief „Ungelernte“ ihre Dienste als Maler oder in einem anderen Handwerk anbieten. „Das darf nicht sein“, sagt sie. „Wir haben unser Handwerk jahrelang gründlich erlernt, machen Gesellen- und Meisterprüfung und dann werden wir von Leuten unterboten, die gar nicht fachgerecht arbeiten.“ Geht dabei etwas schief oder sind Kunden mit der geleisteten Arbeit unzufrieden, kämen wieder die Fachbetriebe ins Spiel: „Wir sollen dann alles in Ordnung bringen.“

Maler- und Lackierer-Obermeisterin Bernadette Stalleder aus Ampfing warnt vor solchen Angeboten an der Haustür.

„Solche Angebote sind nicht geheuer, da sollten immer die Alarmglocken schrillen“, warnt sie. Speziell bei der angebotenen Fassadenreinigung sei noch etwas anderes faul: „Damit das Reinigungsmittel beim Auftragen und beim Abspülen nicht einfach ins Erdreich sickert, muss es aufgefangen und gefiltert werden. Erst danach darf es in den Kanal.“ Wird das nicht gemacht, sei der Ausführende wegen Umweltverschmutzung dran und auch der Hausbesitzer haftet. Da kann das vermeintliche Schnäppchen schnell sehr teuer zu stehen kommen.

Pfuschern das Handwerk legen

Als Obermeisterin hat sie auf solche Anbieter ein waches Auge: „Ich habe da schon Anzeige erstattet.“ Sie will, dass sich Kunden darauf verlassen können, dass beauftragte Handwerker fachlich korrekte Arbeit abliefern. Und bittet auch um Hinweise, falls unlautere Handwerker und Pfuscher auffallen. Den vorliegenden Fall vergleicht sie mit Schockanrufen: „Da wird richtig Druck aufgebaut, um ein Geschäft abzuschließen!“ Sie hat den Landesverband der Maler- und Lackiererinnung eingeschaltet. „Der wird prüfen, was hinter dieser Firma steckt und ob das Handwerksrecht gebrochen wurde.“

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