So funktioniert Recycling in Mühldorf
Bargeld, Eheringe und Handgranaten: Müll-Sammler in der Welt des Schrott-Recyclings
Die Plogging-Gruppe Mühldorf warf einen Blick hinter die Kulissen der Firma SMR in Mühldorf. Wie aus alten Autos, Waschmaschinen und Co. wertvolle Rohstoffe werden.
Mühldorf – Wenn das Auto seine besten Jahre hinter sich hat, führt es die letzte Fahrt meist zum Autofriedhof. Die Waschmaschine, die sich nicht mehr reparieren lässt, das alte rostige Fahrrad, kaputte Heizkörper, marode Metallrohre oder sonstige alltägliche Dinge, die nicht mehr gebraucht werden, landen ebenfalls auf dem Schrottplatz.
Plogger räumen ihre Umwelt auf
Die Plogging-Gruppe Mühldorf konnte nun einen Blick hinter die Kulissen der Mühldorfer Firma SMR werfen. Diese Gruppe und SMR passen gut zusammen, denn Plogger sammeln während gemeinsamer Spaziergänge das, was andere wegwerfen. „Plogging“ ist eine „Sportart“ aus Schweden, die Jogging mit „plocka upp“, dem schwedischen Wort für Aufheben, verbindet. In Mühldorf haben die Plogger schon das Ahamer Biotop aufgeräumt und den Stadtplatz von Müll und Zigarettenkippen befreit.
Die Schrott-Metall-Recycling GmbH (SMR) betreibt in Mühldorf und Waldkraiburg die Wertstoffhöfe des Landkreises, entsorgt und recycelt Rest- und Wertstoffe, von der Blechdose bis zu Brückenteilen. Die Zentrale ist in Mühldorf und Teil der Schaumaier-Gruppe, die an acht verschiedenen Standorten in Südostbayern vertreten ist und mehr als 400 Mitarbeiter beschäftigt. Michael Müller, Vertriebsleiter bei der Schaumaier Gruppe und Michelle Cekic vom Vertriebsinnendienst bei der SMR Mühldorf, führten den Rundgang an.
Auf einem Schrottplatz arbeiten?
Als Michael Müller 2007 als junger Bursche in Familie und Freundeskreis von seinem Berufswunsch im Schrott- und Abfallrecycling erzählte, waren die Reaktionen einhellig: „Michi, was willst du denn auf einem Schrottplatz arbeiten?“ Er klärte die Skeptiker auf und stellte klar: „Ich arbeite in einem Entsorgungsfachbetrieb“. Das Klischee vom Schrottplatz sei bis heute noch bei vielen Menschen in den Köpfen drin. Es habe aber rein gar nichts mit dem Schrotthändler, der mit der Handglocke im Schritttempo über die Dörfer fuhr und Altmetall einsammelte.
Schrott besteht oft aus Metallen, die recycelt und wiederverwendet werden können. Insbesondere Altmetalle wie Aluminium, Messing, Zink, Kupfer und Stahl sind begehrte Rohstoffe und haben einen Marktwert. Durch das Recycling von Schrott werden Ressourcen geschont, Energie gespart und die Umwelt entlastet.
40.000 Tonnen Altschrott pro Jahr
Die Mitglieder der Plogger-Gruppe staunten über die Mengen an recycelten Abfällen. Pro Jahr bereitet SMR rund 40.000 Tonnen Altschrott sowie Produktionsabfälle auf und führt sie wieder der verarbeitenden Stahlindustrie zu. SMR ist wie ein eigenes kleines Dorf, in dem sehr strenge Vorschriften gelten. Es besteht ein eigenes Kanalsystem und ein Umsatzbahnhof, von dem aus Metall oder Stahl in Container abtransportiert werden können.
An verschiedenen Standorten wird Schrott fachgerecht aufbereitet. So wird unter anderem beim Biomassehof im Chiemgau Altholz aufbereitet, mit dem sich Hackschnitzel herstellen lassen.
Explosiver Abfall wird besonders behandelt
Gefährliche Abfälle wie Lacke, Farben, Lösemittel oder Asbest müssen von Spezialisten fachgerecht entsorgt werden. Noch größer wurden die Augen der ehrenamtlichen Müllsammler, als sie hörten, dass sogar schon Handgranaten aus dem Zweiten Weltkrieg bei SMR entsorgt werden sollten. In solchen Fällen werde der Kampfmittelbeseitigungsdienst verständigt, der die explosive Fracht dann abholt.
25.000 Euro im Handschuhfach eines verpressten Autos
Interessante„Schrottplatz-Geschichten“ gibt es zuhauf. „Wir haben immer wieder Eheringe, die in der Tonne landen“, erzählt Michael Müller schmunzelnd. Glück hatte vor Jahren ein älteres Ehepaar. Bei einem Sonntagsausflug hatten sie einen schweren Unfall mit Totalschaden. Während die beiden Senioren im Krankenhaus lagen, wurde ihr Auto verschrottet. „Das Auto war bereits verpresst, als der Anruf der Tochter kam, die uns sagte, dass noch ein Kuvert mit 25.000 Euro im Handschuhfach liegen würde“, erinnert er sich. „Wir holten das Auto wieder vom Haufen runter und haben das Kuvert tatsächlich gefunden. Die Familie war heilfroh als sie es wieder bekamen, das Geld war unversehrt.“
Der Wandel der Zeit geht auch an dem Unternehmen nicht spurlos vorbei. „Wir bereiten die Schrotte und Metalle so weit vor, dass wir sie zu den jeweiligen Abnehmern transportieren können“, erklärt Experte Müller. „Die Anforderungen werden immer höher, die Qualitäten vom Stahl immer schlechter. Autostahl hat heute nicht mehr die Güte wie vor 25 Jahren. An allem wird gespart, dadurch sinken die Qualitäten.“
Auch Autobahnbrücken werden recycelt
Extrem aufwendig seien der Abbruch und die Demontage von Industrieanlagen und Autobahnbrücken, die selbst die Profis vom Abbruch-Team immer wieder vor immens große Herausforderungen stellen. Auch diese Teile werden so bearbeitet, dass sie der Stahlindustrie wieder zugeführt werden können, das spare Ressourcen.
Die Mühldorfer Plogger werden von SMR bei ihren Projekten unterstützt. Die Firma hat den ehrenamtlichen Müllsammlern einen Container bereitgestellt, in dem sie den auf Mühldorfs Straßen, Wegen, Plätzen, Wiesen und in den Wäldern gesammelten Müll entsorgen können. Geleert wird dieser Container auf Kosten der Stadt Mühldorf. Bei der Führung über das Betriebsgelände gab es für die Plogger nicht nur interessante Einblicke und jede Menge wertvolles Wissen, sondern auch neue Müllgreifer.
Mehr über die Plogging-Gruppe Mühldorf gibts im Internet unter www.plogging-muehldorf.de.



