Im Osten der Stadt wird alles vorbereitet
Wertstoffhof Mühldorf bald am Stadtrand: Eine Zumutung für die Bürger?
Der Wertstoffhof soll aus Mühldorfs Zentrum an den Stadtrand verlegt werden. Das bedeutet weitere Wege für die Bürger. Wie weit sind die Pläne? Kann der alte Standort vielleicht erhalten bleiben?
Mühldorf – Adelheid Kückelhaus wohnt im Mühldorfer Norden, sie bringt Grüngut und gesammelten Recyclingmüll regelmäßig zum Wertstoffhof drüberhalb des Innkanals an der Adolf-Kolping-Straße. Mit dem Rad wohlgemerkt und einem Anhänger hinten dran, wenn sie mal mehr zu entsorgen hat. Kückelhaus ist passionierte Radfahrerin und macht sich als Sprecherin der Verkehrswende Mühldorf für mehr Radverkehr in der Stadt stark.
Umzug in den Mühldorfer Osten
Jetzt treibt sie ein Thema um, dass nicht nur ihren Weg zum Wertstoffhof verlängern würde. Die Verlegung der Sammelstelle von der Adolf-Kolping-Straße an die Marie-Curie-Straße im Gewerbegebiet im Osten Mühldorfs. Dort befindet sich das neue und große Betriebsgelände der Firma SMR (Schrott-Metall-Recycling GmbH), die den Wertstoffhof des Landkreises in Mühldorf auf eigenem Grund und Boden betreibt.
„Schon im November 2022 habe ich in einer Ausschuss-Sitzung des Mühldorfer Stadtrates gehört, dass der Wertstoffhof auf das Gelände der Firma SMR verlegt werden soll, was mich ziemlich entsetzt hat“, berichtet Adelheid Kückelhaus. Wie sie in den OVB Heimatzeitungen gelesen hat, hatte in der Mühldorfer Bürgerversammlung im März 2025 Susanne Vogt das Thema ebenfalls angesprochen. Kückelhaus: „Offenbar ist diese Verlegung nun tatsächlich vorgesehen. Ich denke, viele Menschen sind entsetzt, wenn sie von den aktuellen Plänen etwas erfahren.“
Verkehrschaos wegen Mülllieferanten am Innkanal
Vogt hatte kritisiert: „Die Kreuzung Innkanal ist jetzt schon überlastet! Mit dem Umzug wäre das Verkehrschaos perfekt.“ Wie Landrat Maximilian Heimerl in der Versammlung erklärte, sei die Erweiterung des Wertstoffhofes notwendig geworden. Da die Stadt keine eigene Fläche für einen Wertstoffhof bieten könne, bestehe für dessen Betrieb eine privatwirtschaftliche Vereinbarung mit der Firma SMR, der Umzug durch den Betreiber sei hinzunehmen.
„Es stimmt schon, zeitweise ist der Wertstoffhof überfüllt, es gibt teils chaotische Verhältnisse“, sagt Kückelhaus. „Der Platz ist beengt, manchmal ist es ein Hauen und Stechen und Autofahrer streiten sich, auch weil es nur eine Zufahrt für rein und raus gibt.“ Sie meint, eine Alternative zu wissen: „Direkt nebenan unterhält die Firma SMR einen fast ebenso großen Container-Abstellplatz. Was spricht dagegen, diese Container an den Außenstandort zu verlegen und den Wertstoffhof an alter Stelle zu erweitern?“
Eine Verlegung vom jetzigen Standort sei aus ihrer Sicht ein großer Rückschritt: „Der aktuelle Standort ist zentral und aus allen Himmelsrichtungen gut erreichbar. Regelmäßig sehe ich dort Menschen, die Abfälle und auch Grüngut mit dem Rad oder sogar mit der Schubkarre anliefern. Auch ich bin öfter schon mit meinem Radl-Anhänger dort gewesen.“
Susanne Vogt, die Kritikerin aus der Bürgerversammlung, schließt sich diesen Vorschlägen an: „Landrat Heimerl sagte damals, dass der Landkreis das Angebot von SMR angenommen habe, weil die Stadt kein anderes Grundstück zur Verfügung stellen könne.“
Warum dieser Umzug nötig ist, erläutert SMR-Geschäftsführer Joachim Hasler: „Der neue Wertstoffhof wurde eingerichtet, um alles auf einem Standort zu zentralisieren und den Bürgern einen besseren Service zu bieten.“ Das heißt: „Sollte der Bürger außer den Abfällen, die am Wertstoffhof angenommen werden, noch andere Abfallfraktionen, wie zum Beispiel Asbest, Bauschutt und Dämmmaterialien entsorgen wollen, dann kann er diese direkt auf unserem Betriebsstandort, der sich auf dem gleichen Grundstück befindet, gegen Bezahlung entsorgen.“
Das gewohnte Personal bleibt
Noch ist der Neubau nicht komplett abgeschlossen, ein fixer Umzugstermin auf den neuen Standort steht noch nicht fest. Aber die Mühldorfer würden rechtzeitig informiert. Den bisherigen Standort will SMR künftig als Containerlager und zum Abstellen von Fahrzeugen nutzen. Eine gute Nachricht hat Hasler noch: „Das gewohnte Personal geht komplett mit in die Marie-Curie-Straße!“
Neue Anfahrt auch für Radler gut zu meistern
Die Kreisstadt Mühldorf hat das Landratsamt bei der Suche nach einem geeigneten Grundstück unterstützt, lautet die Stellungnahme aus dem Mühldorfer Rathaus. „Die Nachbargrundstücke befinden sich nicht im Besitz der Stadt, daher haben wir auf die Nutzung keine Einflussmöglichkeiten“, erläutert Sprecherin Teresa Harreiner. Auch für Radfahrer sei die Anfahrt zum neuen Standort gut zu meistern: „Ausgehend vom bisherigen Standort erreicht man bereits nach etwa 500 Metern einen von der Fahrbahn abgetrennt verlaufenden Fahrradweg. Dieser führt von der Kreuzung Innere Neumarkter Straße/Bürgermeister-Hess-Straße ununterbrochen bis zu dem neuen Wertstoffhof in der Marie-Curie-Straße.“
Sehr gute verkehrliche Erschließung
Die Stadtverwaltung sieht auch Vorteile durch die Verlagerung: „Die allermeisten Menschen bringen ihren Abfall mit dem Auto zum Wertstoffhof, weshalb eine sehr gute verkehrliche Erschließung unumgänglich ist. Diese ist am neuen Standort hervorragend. Durch den Umzug wird zusätzlich, ein zu Stoßzeiten in Teilen überlasteter, Verkehrsknotenpunkt entlastet, was wir ausdrücklich begrüßen.“
Keine Erweiterung am alten Standort
Der Kreistag wird sich in seiner Juli-Sitzung mit der Verlegung des Wertstoffhofes befassen. Wie das Landratsamt mitteilt, ging die Initiative zur Verlegung von der Firma SMR aus aufgrund bestehender Kapazitätsprobleme am aktuellen Standort. „Eine Erweiterung am bisherigen Standort wird durch die SMR GmbH aus wirtschaftlichen und logistischen Gründen ausgeschlossen“, so Landratsamtssprecherin Karin Huber.
„Wir verstehen die Bedenken der Bürger, insbesondere derjenigen, die den Wertstoffhof zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichen, der Landkreis hat aber keinen direkten Einfluss auf die Standortwahl“, so Huber.


