Friedhöfe im Wandel
Immer mehr Lücken auf Mühldorfs Friedhöfen – Das sind die Gründe und die Folgen
Gestorben und bestattet wird immer. Trotzdem nimmt die Zahl aufgelöster Grabstellen auf Mühldorfs Friedhöfen zu. Wie die Stadt die frei gewordenen Gräber weiter nutzt.
Mühldorf – Wer über Mühldorfs Friedhöfe spaziert, dem fallen die immer größer werdenden Lücken zwischen den Gräbern auf. Ein zunehmend trostloser Anblick. Die aufgelassenen Flächen sind bis auf die kleinen Steine mit den Platznummern nicht besonders gekennzeichnet. Wer hier entlangläuft, geht über ehemalige Gräber geliebter Menschen.
Jedes Jahr kommen über 50 Gräber weg
Auf den drei Friedhöfen Mühldorfs – Mühldorf-Stadt, Mühldorf-Nord und Altmühldorf – wurde in den vergangenen Jahren regelmäßig eine zweistellige Zahl an traditionellen Grabstellen mit Stein und Umrandung aufgelöst.
„Im Jahr 2023 wurden 52 Erdgräber aufgegeben, 2024 waren es 55“, teilt Stadtsprecher Werner Kurzlechner auf Nachfrage der OVB Heimatzeitungen mit. „Heuer sind es bislang 46.“ Von diesen leer gewordenen Erdgrabplätzen werden jährlich etwa zwei oder drei in Urnengräber umgewandelt.
Regelmäßige Pflege ist aufwendig
Oft erfährt man im Rathaus auch die Gründe für die Aufgabe der Gräber. „Eine zunehmende Anzahl von Angehörigen ist nicht mehr in der Lage oder willens, die regelmäßige Pflege der Grabstätten wahrzunehmen“, weiß man bei der Friedhofsverwaltung.
„Hinzu kommt, dass viele Angehörige räumlich weit entfernt wohnen.“ In Folge solcher gesellschaftlichen Veränderungen werde von den Hinterbliebenen oft auch nur die kürzest mögliche Nutzungsdauer der Grabstätten in Anspruch genommen.
Der Trend geht zur Urne
„Der Trend zur pflegefreien Urnenbestattung ist seit einigen Jahren auch in Mühldorf erkennbar“, so Kurzlechner. Hierfür stehen in Mühldorf unterschiedliche Bestattungsformen zur Verfügung: „Dazu zählen auch die gemeinhin als Baumbestattungen bekannten ‚Kleingrabstätten für Urnen‘, wie sie bei uns offiziell heißen, und traditionelle Urnenwände.“
Reicht das Angebot an den Gräbern für Urnen auf den drei Friedhöfen überhaupt aus? „Ja, wir halten ausreichend Urnengrabstätten wie Urnenwände und Kleingrabstätten vor“, beruhigt die Friedhofsverwaltung. „Den Bedarf überprüfen wir regelmäßig und passen an, wenn nötig. Aktuell verzeichnen in Mühldorf die Kleingrabstätten für Urnen den größten Zulauf.“
Zehn Jahre Ruhezeit in Mühldorf
Auf den Friedhöfen der Kreisstadt beträgt die Mindestruhezeit zehn Jahre. Nach Ablauf dieser Frist besteht die Möglichkeit, das Nutzungsrecht um jeweils fünf oder zehn Jahre zu verlängern. „Diese Mindestruhezeit wurde im Wesentlichen in Abhängigkeit von der Bodenbeschaffenheit auf den städtischen Friedhöfen festgelegt“, erläutert Kurzlechner. „Maßstab war und ist dabei die benötigte Zeit bis zur Verrottung eines klassischen Sargs in der Erde. Anderswo sind die Böden lehmhaltiger als hier, sodass dieser Prozess länger dauert und die Mindestruhezeit entsprechend bei 20 oder 25 Jahren liegt. Unsere Mindestruhezeit ist also vergleichsweise kurz.“
Die Stadt unternimmt auch etwas, um die zunehmenden Lücken in den Grabfeldern zu verschönern: „Die Friedhöfe werden kontinuierlich weiterentwickelt und landschaftlich aufgewertet. Frei werdende Flächen konzipiert und gestaltet die Friedhofsverwaltung neu. In den vergangenen Jahren haben wir in großem Umfang begrünt und neue Anlagen geschaffen.“
Die günstigste in Mühldorf angebotene Bestattungsform ist übrigens die anonyme Urnenbestattung. Letztmals wurden die Friedhofsgebühren von der Stadt Mühldorf zum Jahresanfang 2017 erhöht. „Lediglich die Gebührensatzung wurde 2022 aktualisiert, die Gebühren selbst wurden nicht erhöht – und das seit bald zehn Jahren nicht!“, vermeldet das Rathaus nicht ohne Stolz.
Grabstellen ab 200 Euro bis weit über 2.000 Euro
Ein Einzelgrab kostet für zehn Jahre 492 Euro, ein Erdurnengrab 464 Euro, die Urnennische 430 Euro und eine anonyme Urnengrabstätte 200 Euro. Arkadengräber schlagen mit 2.470 Euro zu Buche. Die Gebühren für eine Erdbestattung betragen 270 Euro, für eine Erdurne 35 Euro und für ein Urnennische 20 Euro. Eine sarglose Bestattung im Leichentuch kostet 540 Euro.
Was passiert eigentlich mit einem Grab, wenn nach Ablauf der Mietdauer kein Angehöriger mehr herauszufinden ist? „Sofern es nach Ablauf des Nutzungsrechts an der Grabstätte keine Angehörigen mehr gibt, wird seitens der Friedhofsverwaltung zunächst eine Erbenermittlung durchgeführt“, so der Stadtsprecher zum Vorgehen in solchen äußerst seltenen Fällen. „Bleibt auch diese erfolglos, wird die Grabstätte von Amts wegen auf Kosten der Stadtkasse aufgelöst.“
Übrigens findet am Wochenende vom 20. und 21. September bundesweit der „Tag des Friedhofs“ statt, ins Leben gerufen im Jahr 2001 vom Bund deutscher Friedhofsgärtner. Heuer steht er unter dem Motto „endlich und lebendig“. Vielleicht ein guter Anlass, mal wieder einen Rundgang über einen Friedhof zu machen.

