Gedenkfeier in Mühldorf
Landkreis Mühldorf erinnert an Kriegsende vor 80 Jahren und warnt vor Extremismus
Der Landkreis Mühldorf hat an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 80 Jahren erinnert: Landrat Max Heimerl warnte dabei eindringlich vor dem Erstarken extremistischer Tendenzen und betonte die Verantwortung für Frieden und Demokratie.
Mühldorf – Von engagierten Redebeiträgen geprägt war die Gedenkfeier des Landkreises Mühldorf in Erinnerung an das Kriegsende vor 80 Jahren. Landrat Max Heimerl hatte dazu in den Haberkasten eingeladen, Hauptredner war der Beauftragte der bayerischen Staatsregierung gegen den Antisemitismus, Ludwig Spaenle.
Erinnerung an Leid, Zerstörung und Tod
Begonnen wurde die Feier mit einer Andacht, gestaltet von der evangelischen Pfarrerin Anita Leonhardt und dem katholischen Dekan Klaus Vogl. Landrat Heimerl erinnerte daran, dass der Weltkrieg auch den Menschen in der Region unermessliches Leid, Zerstörung und Tod gebracht habe und an die Luftangriffe, von denen die Stadt Mühldorf schwer getroffen wurde: „145 Menschen verloren ihr Leben, fast 40 Prozent des Wohnraumes wurden zerstört, 1200 Menschen wurden obdachlos“, zählte Heimerl auf, noch heute spreche man von „blutigen Josefitag“.
Nicht vergessen dürfe man, so der Landrat, auch die Tatsache, dass mitten im Landkreis das dunkelste Verbrechen der deutschen Geschichte stattfand, in einem der größten Außenlager des KZ Dachau. Tausende von Jüdinnen und Juden und Zwangsarbeitern anderer Nationen hätten die Qualen von Hunger, Gewalt und Erschöpfung nicht überlebt, weder in der Bunkerbaustelle im Mühldorfer Hart noch im Waldlager bei Ampfing oder an anderen Orten wie Mittergars, Thalham oder Zangberg. „Dieses traurige Jubiläum erfüllt uns mit Schmerz, es fordert uns aber auch zur Verantwortung auf“, verdeutlichte Heimerl.
Extremismus entgegen treten
Gedenken dürfe nicht nur Rückblick, sondern müsse auch Mahnung sein „daran, was geschieht, wenn Menschenrechte missachtet, demokratische Grundwerte ausgehöhlt und Menschenleben entwertet werden“. Der Friede, in dem man heute leben dürfe, sei das Ergebnis bitterer Lehren der Geschichte, „er ist kostbar und zerbrechlich zugleich.“ Heimerl warnte deshalb davor, dass Hass und Nationalismus in Deutschland und weltweit wieder an Einfluss gewinnen. In einer Zeit, in der Rechtsextremisten öffentlich Hitler und die Nazis als „Vogelschiss in über 1000 Jahren erfolgreicher Geschichte“ bezeichnen, sei es die gemeinsame Verantwortung aller, jeder Form von Extremismus, Menschenfeindlichkeit und Intoleranz entschieden entgegenzutreten.
Erinnerung an die Schrecken des Krieges
Alt-Landrat Georg Huber als Kreisvorsitzender der Krieger-, Soldaten- und Reservistenkameradschaften und die ehemalige Regierungsvizepräsidentin Maria Els als Vorsitzender der Kriegsgräberfürsorge in Oberbayern sprachen sich dafür aus, auch in Zukunft aktive Arbeit zu leisten für das Bewahren der Erinnerung an die Schrecken des Krieges als aktiver Beitrag zur Friedensarbeit und historischen Aufklärung.
Not und Verderben über ganz Europa gebracht
Der Beauftragte der Staatsregierung gegen den Antisemitismus, der ehemalige Staatsminister Ludwig Spaenle, wurde seinem Ruf, ein Freund klarer Worte zu sein, einmal mehr gerecht: Er erinnerte daran, dass die deutsche Wehrmacht einen Angriffskrieg geführt habe, der Not und Verderben über ganz Europa gebracht habe. „Millionen Tote und Flüchtlinge zahlten die Rechnung für die Taten eines verbrecherischen Regimes“, stellte er fest.
Den überzeugten deutschen Demokraten der ersten Stunden nach dem Krieg habe das Land vieles zu verdanken. „Heute kennt man leider vor allem die Namen der Mörder, aber nicht die Namen der ersten Demokraten“, stellte Spaenle fest. Doch es sei eine „dunkle Seite“ geblieben: „Es gab in Deutschland 500.000 Mörder, die aktiv dabei waren bei der Vernichtung des Lebens, das von den Nazis als lebensunwert gesehen wurde. Sie waren mit ganzer Kraft damit beschäftigt, das Regime zu unterstützen und noch in den letzten Kriegstagen haben sie Todesurteile vollstreckt.“ Und doch lebten sie nach dem Krieg meist ungeschoren weiter, erreichten sogar wichtige Positionen in Gesellschaft und Politik und in staatlichen Einrichtungen wie beispielsweise in der Justiz. Dies sei kein Ruhmesblatt in der Geschichte Deutschlands.
Rechtes Gedankengut darf nicht die Oberhand gewinnen
Dem Landkreis Mühldorf bestätigte Spaenle eine bemerkenswert aktive Arbeit in der Aufarbeitung der Zeit des Nationalsozialismus: „Hier wird viel von dem getan, was ich mir eigentlich überall wünschen würde, gerade an Orten wie dem Mühldorfer Hart“. Heute müsse es Kern der Demokratie sein, dass es den Hass nie mehr geben dürfe, der von Deutschland aus seine mörderische Auswirkung auf die Welt gehabt habe. „Wenn wir erlauben, dass rechtes Gedankengut die Oberhand gewinnt, dann hätten die braunen Mörder von damals doch noch gesiegt, das darf niemals passieren, das ist die Verantwortung unserer und aller kommenden Generationen“. (krb)
