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Immer mehr Füchse im Landkreis Mühldorf

Winzig klein, aber lebensgefährlich – auch Hund und Katze übertragen den Fuchsbandwurm

Fuchsbandwurm
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Viele Füchse tragen den Parasiten in sich. Die für den Menschen gefährlichen Eier des Fuchsbandwurms sind nur unter dem Mikroskop zu erkennen.

Die Eier des Fuchsbandwurms sind mikroskopisch klein, können für den Menschen aber tödlich sein. Oberbayern ist ein „Hotspot“ des Parasiten, besonders Landwirte, Hunde- und Katzenbesitzer sind gefährdet. So ist die Lage in der Region, das löst der Wurm im Körper eines Menschen aus.

Mühldorf – Das waren noch Zeiten, als man sich beim Spaziergang durch den Wald die Heidel-, Him- und Brombeeren einfach so in den Mund schieben und genießen konnte. Ohne einen unangenehmen Gedanken an einen möglicherweise tödlichen Parasiten wie den Kleinen Fuchsbandwurm verschwenden zu müssen.

Krankheit kann Menschen töten

Zwar sind Infektionen mit dem Fuchsbandwurm selten, sie können dem Menschen aber richtig gefährlich werden. Infiziert sich ein Mensch, löst das die Krankheit alveoläre Echinokokkose aus, die tödlich enden kann. Wird die Erkrankung festgestellt, muss sie seit 2001 an das Robert Koch Institut gemeldet werden.

Eine aktuelle Studie der Uni Wien weist nach, dass sich der Parasit schneller in Europa ausbreitet als gedacht. In Deutschland ist Bayern ein „Hotspot“, mit Oberbayern an der Spitze. Laut RKI wurden im Jahr 2023 in Oberbayern 14 Fälle einer Fuchsbandwurm-Infektion beim Menschen gemeldet, in 2024 waren es 17 und im ersten Halbjahr 2025 schon acht Fälle.

Erkrankung wird oft nicht erkannt

Bayernweit liegen die Zahlen laut Robert-Koch-Institut (RKI) bei rund 34 Fällen pro Jahr. Von 2015 bis heute wurden für Bayern 336 Infektionen beim Menschen gemeldet, über ein Viertel – 85 Personen – davon allein in Oberbayern. Die Experten gehen aber von einer weit höheren Dunkelziffer aus, denn die Erkrankung wird oft nicht erkannt.

Für den Landkreis Mühldorf liegen dem Landratsamt keine Zahlen vor. „Diese Fälle werden direkt an das Robert-Koch Institut (RKI) gemeldet“, teilt Selina Kunesch, Pressesprecherin des Landkreises, mit.

Mehr Füchse auch im Landkreis Mühldorf

Als Grund für die Zunahme der Fallzahlen gilt die steigende Fuchspopulation. Füchse werden weniger gejagt als früher und haben mit Bekämpfung der Tollwut einen natürlichen Feind verloren. Mit der Anzahl an Füchsen steigt auch im Landkreis Mühldorf das Risiko einer Infektion. „Bei den Wildabgängen durch Abschuss und Fallwild ist in den letzten fünf Jahren ein Anstieg zu verzeichnen“, so die Pressesprecherin. „Fallwild“ bezeichnet Füchse, die durch Krankheit, Alter, Hunger oder einen Wildunfall verendet sind und tot aufgefunden werden.

Die alveoläre Echinokokkose zählt zu den sogenannten zoonotischen Krankheiten, wie Covid-19 oder Borreliose, bei denen ein Krankheitserreger vom Tier auf den Menschen übergeht. Zunehmender Kontakt zwischen Wildtieren, Haustieren und Menschen gelten als mögliche Ursachen für das Infektionsrisiko.

„In Bayern kommt der Parasit vermutlich bei jedem dritten bis vierten Fuchs im Darm vor“, heißt es in der Infobroschüre „Infektionsgefahren in der Natur“, herausgegeben im März 2024 vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit. „Dort produziert er mikroskopisch kleine Eier und gibt sie mit dem Fuchskot in die Umgebung ab. Der Mensch infiziert sich, wenn er diese Eier aufnimmt.“

Larven zerstören die Leber

Im Darm des Menschen bilden sich aus den Eiern Larven, die durch die Darmwände in die Blutbahn gelangen. Die Larven setzen sich fast immer in der Leber fest. Dort breitet sich das Larvengewebe wie eine Geschwulst aus, ohne dass sich die Larve richtig entwickeln kann. Die Leber wird dabei ähnlich wie bei einer Krebserkrankung zerstört. Krankheitserscheinungen machen sich erst Jahre nach Aufnahme der Eier bemerkbar.

Eine Übersicht über den Fuchsbandwurm in der Region.

Hauptüberträger des Parasiten ist der Fuchs. „Infektionen bei Hunden sind möglich, Katzen scheinen als Wirt eine untergeordnete Bedeutung zu haben“ so die Kunesch. Nagetiere wie Feld- und Wühlmäuse oder Bisamratten sind Zwischenwirte. Auch Hunde und Katzen können Eier des Kleinen Fuchsbandwurms ausscheiden, wenn sie infizierte Zwischenwirte gefressen haben. Eine Infektion des Menschen durch Kontakt mit infizierten Nagetieren ist nicht möglich.

Kunesch erklärt, wie sich der Mensch mit dem Fuchsbandwurm infiziert: „Der Mensch nimmt die Wurmeier durch kontaminierte Hände entweder nach direktem Kontakt mit infizierten Endwirten wie Fuchs, Hund oder Katze, an deren Fell die Eier haften können, oder durch Umgang mit kontaminierter Erde auf.“ Die Eier können über Monate hinweg lebensfähig sein.

Risiko für Landwirte, Hund- und Katzenbesitzer

Laut Gesundheitsministerium ist auch ein Einatmen und Schlucken von aufgewirbeltem Staub mit getrocknetem Fuchskot, der Eier enthält, denkbar. In Studien wurde die landwirtschaftliche Tätigkeit als Risikofaktor nachgewiesen und die alveoläre Echinokokkose als Berufskrankheit bei Landwirten anerkannt. Bei einem Großteil der gemeldeten Erkrankungsfälle sind laut Ministerium aber Hunde- oder Katzenbesitzer betroffen.

Beeren, Gemüse und Fallobst gründlich waschen

Die Möglichkeit der Übertragung durch kontaminierte Nahrungsmittel wie Waldbeeren und Pilze oder kontaminiertes Wasser sei nicht eindeutig geklärt. Allerdings sollen alle bodennah wachsenden Nahrungsmittel, die möglicherweise mit dem Kot der Endwirte kontaminiert sind, wie zum Beispiel Beeren, Pilze, Gemüse, Salat und Fallobst, vor dem Verzehr gründlich gewaschen werden.

Sicher abgetötet werden die Bandwurmeier durch Erhitzen auf über 60 Grad Celsius, also durch Kochen, Backen und Braten. Unwirksam ist dagegen das Tiefgefrieren bei –20 Grad Celsius oder das Einlegen in Alkohol.

Vorsicht bei der Gartenarbeit

Nach Wald-, Feld- oder auch Gartenarbeiten sollten die Hände gründlich gewaschen werden. Hunde und Katzen, die Mäuse fressen, sollten regelmäßig nach tierärztlicher Anweisung entwurmt werden. Als weitere Vorsichtsmaßnahmen wird geraten, keine toten Füchse oder deren Ausscheidungen zu berühren und Tiere nicht unbeaufsichtigt in Fuchsrevieren laufen zu lassen.

Besonders tückisch: Die Infektion bleibt meist über viele Jahre unbemerkt, denn die Leber ist schmerzunempfindlich. „Die Inkubationszeit ist nicht bekannt“, sagt Selina Kunesch. „Man geht aber von einem Zeitraum von 10 bis 15 Jahren aus.“ Die Symptome seien nicht einfach zu deuten. „Meist treten lediglich unspezifische Oberbauchbeschwerden auf.“

Unbehandelt führt die Erkrankung zum Tod

Eine Fuchsbandwurmerkrankung ist gut behandelbar, etwa mit Wurmmitteln oder durch Operationen. Unbehandelt führt die Erkrankung zum Tod. Laut Studien kann bei den meisten Menschen, die mit den Eiern in Kontakt kommen, das Immunsystem den Parasiten abwehren.

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