Was genau dahintersteckt
Zeckengefahr – Borreliose-Fälle schießen in die Höhe: Rekordzahlen in Mühldorf und Altötting
In Mühldorf und Altötting gibt es schon jetzt mehr Borreliose-Erkrankungen als in den kompletten Vorjahren. Was die Gründe dafür sein könnten, wie die Symptome bei einer Infektion aussehen und wie man sich schützen kann.
Mühldorf/Altötting – Sie kommen mit Macht: Borreliose-Erkrankungen. In den Landkreisen Mühldorf und Altötting sind sie schon Anfang August über dem Niveau des gesamten Vorjahres und der meisten Jahre davor. Das ergab eine Anfrage bei den Gesundheitsämtern der beiden Landkreise.
Schon jetzt mehr Borreliose durch Zeckenbisse als in allen Vorjahren
In Zahlen: Im Landkreis Mühldorf teilte das Gesundheitsamt am 6. August auf Anfrage 59 gemeldete Fälle mit, in den Jahren zuvor lag deren Zahl laut Landratsamtssprecherin Karin Huber im gesamten Jahr stets darunter.
Auch im Landkreis Altötting setzt sich der Aufwärtstrend der letzten Jahre fort und erreicht heuer einen neuen Höchststand. Laut Landratsamtssprecher Dr. Robert MüllerIn gab es dieses Jahr bereits 63 Fälle und damit jetzt schon deutlich mehr als 2022, 2023 oder 2024 im jeweils gesamten Jahr.
So eindeutig die Zahlen, so mehrdeutig die Ursachenerklärung. „Die genauen Ursachen für den Anstieg sind uns nicht bekannt“, sagt Mühldorfs Sprecherin Huber. „Es ist wichtig zu beachten, dass die genauen Ursachen oft eine Kombination aus mehreren Faktoren sind.“
Mehr Zeit in der Natur
Das Mühldorfer Gesundheitsamt nennt ein verändertes Freizeitverhalten. Wenn mehr Menschen Zeit im Freien verbringen, steigt die Wahrscheinlichkeit, von Zecken gebissen zu werden, die Borrelien übertragen können. Das warme und feuchte Wetter begünstige die Zeckenpopulation, da Zecken dann besonders gut gedeihen würden. Das führe dann zu einer höheren Zeckendichte.
„Zecken scheinen in diesem Jahr besonders aktiv zu sein“, sagt Altöttings Sprecher Müller. „Ursache könnte der zurückliegende milde Winter sein, der es möglicherweise begünstigt hat, dass viele Zecken auf ihren Wirtstieren besonders gut überwintern konnten.“
Menschen sind aufmerksamer geworden
Allerdings gibt es laut Huber auch einen positiven Aspekt, sie spricht von „Bewusstseinssteigerung und besserer Diagnostik: Durch Aufklärung und verbesserte medizinische Untersuchungen werden mehr Fälle erkannt und gemeldet, was den Anstieg in den Zahlen erklären könnte.“
Denn eine Borreliose-Infektion sollte nach Ansicht des Gesundheitsamts Mühldorf nicht unterschätzt werden. „Wenn die Borreliose nicht behandelt wird, können die Beschwerden chronisch werden und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen“, sagt Huber.
Zu den Folgen gehören Fieber, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und eine charakteristische Hautrötung, die sogenannte Wanderröte. Es kann zu schmerzhaften Gelenkentzündungen kommen, insbesondere in den Knien, die chronisch werden können, wenn die Infektion unbehandelt bleibt. Borreliose kann das Nervensystem beeinträchtigen, was zu neurologischen Symptomen wie Gesichtslähmungen, Meningitis, Konzentrationsstörungen oder Nervenschmerzen führen kann. In seltenen Fällen ist das Herz betroffen, die Infektion verursacht Herzrhythmusstörungen.
Fachleute empfehlen, einen Zeckenbiss erst gar nicht zuzulassen. Dazu gehört nach Auskunft des Gesundheitsamts Mühldorf Insektenschutzmittel auf Haut und Kleidung, lange Hosen und langärmelige Hemden, besonders in Wäldern oder hohem Gras. Wer Symptome einer Borreliose zeigt, sollte einen Arzt aufsuchen. Das gilt vor allem für kreisförmige, rote Stellen rund um den Zeckenbiss. „Je schneller die Diagnose und Behandlung erfolgen, desto besser sind die Chancen, schwere Folgen zu vermeiden“, schreibt Landratsamtssprecherin Huber.


