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Start vor 50 Jahren in einem Stadl bei Kastl

Vom Tüftler zum globalen Player: Die erstaunliche Erfolgsgeschichte des Josef Fliegl (80)

Firmengründer Josef Fliegl (Mitte) ist nicht nur stolz auf sein Lebenswerk. Er freut sich auch, dass seine Tochter Angelika und sein Sohn Josef, wie die anderen Geschwister,  als Geschäftsführer sein Werk in die Zukunft steuern.
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Firmengründer Josef Fliegl (Mitte) ist nicht nur stolz auf sein Lebenswerk. Er freut sich auch, dass seine Tochter Angelika und sein Sohn Josef, wie die anderen Geschwister, als Geschäftsführer sein Werk in die Zukunft steuern.

Vor 50 Jahren begann Josef Fliegl in einem Stadl bei Kastl mit einem Schweißgerät – heute ist sein Unternehmen globaler Player in der Agrartechnik. Wie er das geschafft hat, warum er noch täglich in die Arbeit geht und was für ihn „das Schönste“ ist.

Mühldorf/Kastl – Abfahrt von der A 94 bei der Ausfahrt Mühldorf Nord und abbiegen Richtung Mühldorf. Es dauert nicht lange, da erheben sie sich groß und wuchtig: die Gebäude von Fliegl Agrartechnik. Sie sind nicht zu übersehen

Nichts deutet darauf hin, dass der Samen für dieses imposante Werk vor 50 Jahren auf dem 25 Hektar umfassenden Kastler Maierhof im Landkreis Altötting in einem kleinen Stadl von einem Mann gelegt wurde, der heute 80 Jahre alt ist: Josef Fliegl.

Lieber Schrauben und Tüfteln statt Melken

Fliegl war auf dem Maierhof zuhause. Melken interessierte ihn nicht – schrauben, tüfteln, basteln waren ihm lieber. Und so war er eher in der Werkstatt, baute in den 1970er Jahren mit einem Elektrodenapparat und einer Flex alte Laster zu landwirtschaftlichen Geräten um. Rund einhundert, erinnert sich Fliegl. „Da laufen heute noch ganz viele. Gewiss 50“, erzählt er mit einem Leuchten in den Augen. Das war der erste Erfolg und der Ansporn, 1975 schließlich eine eigene Firma zu gründen.

Seitdem hat sich einiges getan. Heute produzieren die Unternehmen der Fliegl-Gruppe an zwölf Standorten Fahrzeuge, Anhänger, Geräte und Zubehör für die Landwirtschaft, die Grünlandtechnik, für die Bau- und Kommunaltechnik. Die Gruppe ist mit fünf Vertriebsstandorten und insgesamt 29 Vertretungen weltweit aktiv, setzte vergangenes Jahr 385 Millionen Euro um und ist nach wie vor ein reines Familienunternehmen. Josef Fliegl steht mit 80 Jahren Tag für Tag frühmorgens in der Produktion: „Ich bin in der Früh der Erste und schaue, dass alles läuft.“

Die Stärke sind die eigenen Produkte

Heute beschäftigt Fliegl weltweit rund 1400 Mitarbeiter, davon 450 in Mühldorf, 140 in Kastl und 35 in Kirchdorf bei Haag. Fliegl hatte nämlich schnell erkannt: „Unsere Stärke sind eigene Produkte.“ Die Kipper, die Abschieber, die Güllehänger, die Trailer und vieles, vieles mehr. 

Auf dem Maierhof bei Kastl hat 1975 die Erfolgsgeschichte von Fliegl begonnen.

Auch wenn Josef Fliegl noch täglich in den Hallen unterwegs ist, die einzelnen Unternehmen leiten inzwischen seine Kinder: Josef Fliegl junior die Agrartechnik in Mühldorf, Helmut Fliegl die Trailerproduktion in Thüringen und Angelika Fliegl das Agro-Center in Kastl. Martin Fliegl leitet den Vertrieb der Bau- und Kommunaltechnik und Enkel Andreas Fliegl in Kirchdorf bei Haag die Grünlandtechnik. Die eigenen Kinder im eigenen Unternehmen, „das ist das Schönste“, freut sich Josef Fliegl. 

„Mein Onkel war meine beste Lehre“

Schon als junger Bursche wusste Fliegl, dass er „was Eigenes“ machen wollte. Sein Onkel hatte in Altötting ein Möbelgeschäft, dort lernte er, was einen erfolgreichen Unternehmer ausmacht. „Mein Onkel war meine beste Lehre“, erinnert sich Fliegl.

Gleichzeitig war Fliegl immer ein Tüftler und hatte „immer das Ohr an den Bauern“, wie er sagt. Er hat auf ihre Ideen gehört. „Sicher war auch mal eine schlechte dabei“, aber dennoch: Er machte daraus Lösungen für die Bauern, die sich auch verkaufen ließen. „Ein Patent ist erst was wert, wenn man es gut verkauft“, betont Fliegl. 

Immer etwas Neues schaffen

So entstand frühzeitig der Abschieber, weil Fliegl sah, dass die Fahrzeuge immer größer und die gängigen Kipper immer unpraktischer wurden. So entwickelte Fliegl einen Schneckenverteiler für das bodennahe Ausbringen von Gülle. „Wir haben immer viel gemacht, auch wenn es nicht angekommen ist“, erzählt Fliegl. Nicht alles war erfolgreich. Das hat ihn nicht gebremst: „Mein Ding war es, immer wieder etwas Neues zu schaffen.“

Hinzu kommt Fliegls Motto: „Schnell handeln.“ Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs ging es 1991 nach Thüringen, zwei Jahre später nach Ungarn. Seine Söhne Helmut und Josef übernahmen jeweils die Geschäftsführung vor Ort. Ohne seine Söhne vor Ort wäre es dort nichts geworden, ist Josef Fliegl überzeugt. 

Der Unterschied zu den Wettbewerbern

Helmut und Josef junior übernahmen nicht nur die bestehenden Werke, sie bauten sie aus, stellten dort schnell eigene Produkte her. Und sie erkannten früh, der Osten ist nicht und eine Werkbank, sondern auch ein interessanter Markt. „Das war der Unterschied zu den Wettbewerbern“, erzählt Josef junior. 

Innerhalb kürzester Zeit schnellten die Mitarbeiterzahlen in Thüringen und Ungarn in die Höhe, haben sich jeweils innerhalb von vier Jahren um das Zehnfache zugelegt: von 50 auf 500 in Thüringen, von 30 auf 300 in Ungarn.

Die Gebäude der Fliegl Agrartechnik in Mühldorfs Norden sind markantes Zeichen einer Erfolgsgeschichte.

Gleichzeitig expandierte Fliegl in seiner Heimat: 1996 eröffnete er ein Werk in Töging und in Kastl sein Agro-Center. 2013 zog die Agrartechnik von Töging nach Mühldorf. 

Chancen erkennen und schnell zugreifen, so hatte Fliegl gehandelt. „Wenn Du heute nicht schnell bist, gehörst du zu den Verlieren.“ 

Erst Geld verdienen, dann investieren

Noch eine Tugend machte Fliegl groß: der vernünftige Umgang mit Geld. Lieber „ein bisschen einfacher anfangen, um zu sehen, ob das Geschäft etwas wird“, statt gleich Schulden zu machen. Er habe immer geschaut, ob mit dem Produkt auch etwas verdient sei, betont Fliegl. Jeder Betrieb müsse verdienen, „sonst können wir nicht investieren. Ich habe immer geschaut, dass man flüssig bleibt und die Lieferanten pünktlich bezahlt.“ 

In 50 Jahren wurde so aus einem kleinen Tüftlerbetrieb in der Scheune ein weltweit tätiges Unternehmen, das innovative Produkte für Landwirtschaft, für die Kommunen, die Grünlandtechnik und vieles mehr herstellt. Ein Unternehmen, das viele, auch etablierte und einst große Konkurrenten überlebt und hinter sich gelassen hat. „Das ist ein gutes Gefühl“, sagt Josef Fliegl – und ein Lächeln umspielt seinen Mund. 

Eine Erfolgsgeschichte, die ohne Josef Fliegl nicht denkbar wäre, meint Tochter Angelika: „Wenn er nicht so eine durchsetzungsstarke Person wäre, dann wäre überhaupt nichts passiert.“ 

2025 soll an das Rekordjahr 2023 anschließen

Heute führen seine Kinder das Lebenswerk ihres Vaters fort. Die Auftragsbücher sind voll, erzählt Josef Fliegl junior: „Wir erwarten, dass wir wieder an unser Rekordjahr anschließen werden.“ Das war 2023, der Umsatz erreichte 430 Millionen Euro. 

Angelika Fliegl ist überzeugt, dass die Erfolgsgeschichte weitergehen wird: „Es gibt immer Auf und Abs, aber unsere Kunden können sicher sein, dass sie mit uns einen starken Partner haben.“ Die breite Produktpalette und die dritte Fliegl-Generation würden das sichern. 

Die ganze Familie ist im Unternehmen

„Die ganze Familie ist im Unternehmen, das ist das beste Gefühl“, freut sich der Firmengründer. „Wenn die Jungen kein Interesse haben, dann hat man was verkehrt gemacht.“ 

An Ruhestand denkt der 80-Jährige immer noch nicht, auch wenn er sich 2005 aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen hat. Er ist weiterhin jeden Tag der Erste im Werk, schaut, dass alles läuft. „Ich habe immer noch meine Ideen – und die sind meistens nicht verkehrt. Mir macht die Arbeit Spaß. Das ist mein Leben und ich bin mit meinem Leben zufrieden. Ich mache das gern. Wenn man etwas nicht gerne macht, dann kommt nichts Gescheites heraus.“

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