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Im Sommer soll es losgehen

Medizin der Zukunft startet in Ampfing: Hautkrebs-Früherkennung per KI im Container

Praxis von Hautarzt Dr. Peter Dietz
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Auf dieser Wiese neben der Praxis von Hautarzt Dr. Peter Dietz könnte im Sommer in Ampfing die Zukunft der Medizin beginnen.

Ampfing testet die Zukunft der Medizin: Ein Hightech-Tiny-House untersucht ab Sommer Patienten mit Künstlicher Intelligenz auf Hautkrebs.

AmpfingWenn alles nach Plan läuft, dann beginnt im Sommer in Ampfing die Zukunft der Medizin – zumindest bei der Früherkennung von Hautkrebs. Dann ist Schluss mit monatelangem Warten auf eine Untersuchung, dann gibt es Termine innerhalb weniger Tage, eine Untersuchung ohne Arzt, dafür eine KI-gestützte Auswertung. Ein Arzt ist nur noch nötig, wenn Hautstellen verdächtig sind. 

Die Firma Checkupbox plant, am Bahndamm 3 in Ampfing einen entsprechenden Untersuchungs-Container aufzustellen – direkt neben der Praxis von Hautarzt Dr. Peter Dietz.

„Das hat trotzdem mit mir nichts zu tun“, betont Dietz gegenüber den OVB Heimatzeitungen. 

Wobei, so ganz unschuldig ist er nicht. Er hatte den Untersuchungs-Container mit der KI-gestützten Untersuchung auf einem Kongress kennengelernt. Sein Urteil: „Die Idee ist super.“ Also vermittelte er den Kontakt zur Gemeinde. 

Hautarzt Dr. Peter Dietz.

Auch Ampfings Bürgermeister Josef Grundner und seiner Gemeinderäte waren von der Idee angetan und gaben im April grünes Licht. „Das ist eine sehr, sehr gute Sache“, sagte Grundner im Gemeinderat. 

„Wir werden in den nächsten Wochen mit der Planung und Bestellung beginnen und rechnen – abhängig von den Lieferzeiten – mit der Aufstellung Ende August/Anfang September“, schreibt Geschäftsführer Felix Michl. Ampfing wird der zweite Standort deutschlandweit; bislang gibt es nur einen in München. Bei einem Erfolg möchte Michl weiter expandieren und nennt als Beispiele Augsburg, Ingolstadt, Landshut, Regensburg und Ulm.

Auch wenn es Container heißt. „Das sieht nicht danach aus. Das ist eher wie ein Tiny-House“, meint Dietz. Die Termin dort können online gebucht werden. Für den Betrieb brauche es nur eine medizinische Hilfskraft, erklärt Dietz. 

Die Untersuchung erfolgt laut Unternehmen mit einem medizinisch zugelassenen Kamerasystem mit Auflichtmikroskop. Das erstellt Aufnahmen der Haut, die KI-gestützt ausgewertet und bei Bedarf markiert werden. „Unterstützt durch unsere Software werden selbst kleinste Veränderungen im Zeitverlauf erkannt“, heißt es auf der Internet-Seite des Unternehmens. 

Die Untersuchung erfolgt mit Hilfe eines Aufnahmesystems – zunächst ohne Arzt.

„Die können mit einer sehr, sehr hohen Qualität und Treffsicherheit Auffälligkeiten feststellen“, urteilt Hautarzt Dietz. „Die KI erkennt auch neu auftretende Befunde; auch wenn sie noch ganz klein sind.“ Auch zwischen Leberflecken und schwarzem Hautkrebs könne die KI unterscheiden.

Auffällige Stellen werden auf den Bildern automatisch markiert. Die kann der Arzt dann gezielt ansehen und beurteilen – zunächst auf der Aufnahme und später, falls nötig, noch mal am Menschen. „Ich kann mich auf die Stellen konzentrieren, die die KI markiert“, sagt Dietz. Die Aufnahmen könne er sich dann ansehen, wenn er gerade mal Zeit hat. „Auch unterwegs, wenn ich auf den Zug oder einen Flieger warte.“ 

„Diese Kombination aus fachärztlicher Arbeit und dem Einsatz von KI führt nach aktuellen Studien zu den besten medizinischen Ergebnissen und hilft, die diagnostische Qualität auf hohem Niveau zu stabilisieren“, schreibt Checkupbox-Chef Michl.  Der Arzt werde von der „monotonen Screening-Tätigkeit“ entlastet. „Natürlich leiten wir auffällige Befunde an die Dermatologen zur weiteren Behandlung weiter. Das kann natürlich nicht durch Software ersetzt werden.“ 

Hautarzt Dietz verspricht sich eine deutliche Zeitersparnis. Ein Hautscreening dauert gut eine Viertelstunde. „90 Prozent sind unauffällig.“ Also neun von zehn untersuchten Patienten. Anders ausgedrückt: Über zwei Stunden enden ohne Ergebnis, bräuchten ihn nicht. Zeit, „die man für akute Probleme nutzen könnte“, meint Dietz.

Auf digitalen Aufnahmen kann ein Arzt kritische Stellen auf Hautkrebs untersuchen.

Noch einen Vorteil gebe es, erläutert Dietz. Heute müssten Patienten sechs und neun Monate auf einen Termin warten. „Ich habe es schon versucht, schneller zu machen, aber das ist momentan wahnsinnig schwierig.“ In der Box seien Untersuchungstermine innerhalb von Tagen und Wochen möglich. 

Ein Booster für die Hautkrebs-Vorsorge?

Vielleicht hilft das auch der Krebsvorsorge. Zwar kann sich jeder Kassenpatient ab 35 alle zwei Jahre auf Hautkrebs untersuchen lassen. Doch davon machen derzeuit aber „keine 30 Prozent“ Gebrauch, sagt Dietz.

Die KI-gestützte Untersuchung auf Hautkrebs könnte erst der Anfang sein. „Das ist eine ganz interessante Entwicklung“, sagt Dietz. Es gebe schon KI-gestützte Verfahren, die können „anhand einer Stimmauswertung von wenigen Sätzen diagnostizieren, ob ein Patient Diabetis hat. Da gibt es irre Ansätze.“ 

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