Überraschung in Ampfings Gemeinderat
Agri-PV-Anlage von heimischem Tüftler: Buchbach baut bald, Heldenstein überlegt, Ampfing winkt ab
Ein Mühldorfer Tüftler hat eine Agri-PV-Anlage entwickelt; ein Unternehmen aus Gunzenhausen wollte sie am Rande des Isentals bauen, doch Ampfings Gemeinderäte sagten Nein – im Gegensatz zu Nachbargemeinden.
Ampfing – Es kommt in Ampfing nur sehr selten vor, dass sich die Gemeinderäte gegen eine Empfehlung der Verwaltung aussprechen. In der jüngsten Sitzung gab es aber so einen seltenen Fall. Anlass war das geplante, neun Hektar große „Sondergebiet Agri-PV-Anlage Oberaichet“.
Die Verwaltung hatte empfohlen, für dieses Sondergebiet einen Bebauungsplan aufzustellen, damit die Firma Q-Tac Solar aus Gunzenhausen am Rande des Isentals unterhalb bei Oberaichet zwischen Weidenbach und Schwindegg eine Agri-PV-Anlage errichten kann. Damit können Bauern ihren Grund weiter landwirtschaftlich nutzen und gleichzeitig Sonnenstrom produzieren. Am Ende folgten nur drei Gemeinderäte dem Vorschlag der Verwaltung, 16 waren dagegen.
„Sie hatten zu viele Bedenken“, fasst Bürgermeister Josef Grundner (CSU) die Diskussion zusammen. Ihnen hätten noch Informationen gefehlt. „Das Projekt war für sie noch nicht reif für eine positive Entscheidung.“
Einem Teil der Räte sei die vorgesehene Bebauung mit den Modulen zu dicht, sagt Grundner. Die Anlage habe auf sie „wie ein Gewächshaus“ gewirkt. Andere würden das Projekt lieber mit dem Landkreiswerk, das sich aktuell noch in Gründung befindet, verwirklichen.
Seit über zwei Jahren in Kontakt mit der Gemeinde
„Ich bin sehr überrascht“, sagt Q-Tac-Chef Stephan Zäh, zu der Entscheidung. „Ich war der Meinung, dass wir alles erklärt haben“. Seit zwei, drei Jahren sei er mit der Gemeinde im Kontakt, habe mit dem Bürgermeister, der Verwaltung und Gemeinderäten gesprochen, das Projekt und Varianten vorgestellt.
Auch der Mühldorfer Josef Fürstenberger ist überrascht. „Das ist ein ideales Gelände; ein leichter Südhang und die Anlage stört dort niemanden.“ Fürstenberger ist nicht nur Mühldorfer, Landwirt und Metallbauer, er ist zusammen mit Hermann Oberhauser auch Erfinder des abgelehnten Agri-PV-Systems, das von Q-Tac projektiert wird.
Mit einer Agri-PV-Freiflächenanlage können sich die Landwirte ein zusätzliches Einkommen verschaffen und der Energiewende einen Schub geben, ist Fürstenberger überzeugt. Er und sein Tüftler-Kollege hätten ein spezielles Ständersystem entwickelt. Damit können die Module bis zu vier Meter hoch montiert werden und die darunter liegende Fläche könne weiterhin ganz normal bewirtschaftet werden. Durch die spezielle Anordnung der Module bekomme der Boden ausreichend Licht und sei zugleich vor Unwettern oder Austrocknung geschützt.
„Das ist ein sehr gutes System und Konzept“, sagt Q-Tac-Chef Zäh. Landwirte hätten damit schon erste Erfahrungen gesammelt. „Sie haben unter den Modulen teilweise bis zu 40 Prozent mehr Ertrag als außen rum.“
Gemeinden, Eigentümer und Bürger können sich beteiligen
Nach Angaben von Unternehmer Zäh projektiere sein Unternehmen die Anlage. An der folgenden Betreibergesellschaft können sich dann neben Q-Tac auch die Kommune, die Grundstückseigentümer sowie die Bürger beteiligen. „Unser Lohn ist, dass wir einen Teil der Anlage betreiben dürfen“, sagt Zäh.
Tüftler Fürstenberger rührt für sein Agri-PV-System auch weiterhin in der Region die Trommel, auch wenn hier „noch viele dicke Bretter zu bohren sind“, wie er sagt.
Während Ampfings Gemeinderäte jetzt erst einmal den Daumen gesenkt haben, sind Nachbargemeinden schon weiter, erzählt Zäh. In Buchbach könne im Herbst der Spatenstich für den Bau einer acht Hektar großen Anlage erfolgen, erzählt Zäh. Die Leistung werde bei rund zwölf Megawattpeak (MWp) liegen und es gebe schon eine „fest Einspeisezusage“. In Dorfen laufe die erste Auslegung im Bauleitverfahren für eine 24 MWp-Anlage. Und in Heldenstein stehe der Start für das Bauleitverfahren einer 22 MWp-Anlage bevor.
Heldensteins Bürgermeisterin Antonia Hansmeier (CSU) bestätigt, dass der Gemeinderat schon einen positiven Grundsatzbeschluss gefasst habe. Sie sehe die Doppelnutzung der Flächen „sehr positiv“, da die „sehr hochwertige landwirtschaftliche Fläche endlich ist.“ Projekte seien immer „mit Augenmaß und Vernunft“ zu beurteilen.
„Wir wollen die Energiewende nicht bremsen“, betont Ampfings Bürgermeister Grundner nach dem ablehnenden Votum. Das sei keine endgültige Absage; es müssten nur noch weitere, offene Fragen der Gemeinderäte geklärt werden.
Q-Tac-Chef Zäh wie auch der Mühldorfer Tüftler Fürstenberger sind dazu bereit. So sagt Zäh: „Ich stehe Gewehr bei Fuß.“


