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ÖPNV-Strategie für die Region

Macht ein MVV-Beitritt Sinn? Wie und wann der Landkreis Altötting Teil des Verbundes werden könnte

Seit der Nachbarlandkreis Mühldorf beschlossen hat, dem MVV beizutreten, macht es auch für Altötting Sinn, über einen Beitritt nachzudenken.
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Seit der Nachbarlandkreis Mühldorf beschlossen hat, dem MVV beizutreten, macht es auch für Altötting Sinn, über einen Beitritt nachzudenken.

Ein Beitritt zum MVV böte zahlreiche Vorteile, würde aber auch Kosten verursachen. Außerdem gibt es im Landkreis Altötting einige Besonderheiten zu berücksichtigen.

Landkreis Altötting – Der Landkreis Altötting geht den nächsten Schritt in Richtung Verkehrsverbund: In seiner Sitzung am 14. Juli 2025 hat der Kreistag einstimmig beschlossen, eine vertiefende Studie zur möglichen Eingliederung in den Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) in Auftrag zu geben. Damit soll geklärt werden, ob und unter welchen Voraussetzungen sich ein Beitritt zum 1. Januar 2027 unter wirtschaftlichen, organisatorischen und verkehrsstrategischen Gesichtspunkten lohnt.

„Es ist ein Qualitätsvorsprung“, betonte Landrat Erwin Schneider (CSU) zu Beginn der Debatte. „Der Nachteil ist, dass es was kosten wird.“ Es sei nicht zu erwarten, dass man den Verkehr von der Straße wegbringe, dennoch mache es Sinn, über einen Beitritt nachzudenken, so Schneider. Vor allem, seit klar ist, dass der Nachbarlandkreis Mühldorf ab 2026 dem MVV beitreten wird.

Digitaler Fortschritt und einfacher Zugang

Ein zentrales Argument für den Beitritt ist die Vereinfachung für Fahrgäste: ein einheitliches Ticket für die gesamte Fahrt, egal ob Bus, Zug oder U-Bahn. Die MVV-App bietet nicht nur Fahrplanauskünfte und digitales Ticketing, sondern auch das sogenannte „MVV-Swipe“-System: Mit einem Wisch startet die Fahrt, beim Aussteigen wird erneut gewischt und das System berechnet automatisch den günstigsten Tarif.

Laut Mobilitätsmanager Kevin Konschuh beinhaltet ein MVV-Beitritt außerdem die vollständige Integration in das digitale System des MVV, inklusive Routing, einheitlichem Vertrieb, intermodaler Fahrplanauskunft und zentralem Marketing. Auch nach einem Beitritt zum MVV soll der Landkreis Altötting weiterhin Aufgabenträger für das Verkehrsangebot bleiben. Das bedeutet, dass er auch künftig über Taktung, Linienführung und Haltestellen mitbestimmen kann, wogegen der MVV das Management und die übergeordnete Tarifstruktur übernimmt.

Finanzierung: Förderungen vom Freistaat

Bezüglich der Finanzierung sind bereits einige Eckpunkte bekannt. Der Freistaat Bayern übernimmt laut aktueller Förderrichtlinie 90 Prozent der Initialkosten, etwa für digitale Ausstattung und Infrastrukturmaßnahmen – sofern der Beitritt bis spätestens 1. Januar 2027 erfolgt. Auch im laufenden Betrieb wird der Freistaat den Landkreis unterstützen: So übernimmt der Freistaat zwei Drittel der Mindereinnahmen, die etwa durch das 365-Euro-Schülerticket entstehen. Im Gegenzug fallen Ausgaben für die bisherige individuelle Ticketbestellung und Verwaltung weg. Unterm Strich könnte dies laut Konschuh sogar zu Einsparungen führen.

Kosten: Zwischen 260.000 und 1 Million Euro

Die genauen Kosten für den Landkreis lassen jedoch sich erst nach Abschluss der Studie beziffern. Konschuh geht nach ersten Schätzungen von 260.000 Euro an Mehrkosten im ersten Jahr aus. Mühldorf rechne laut Landrat Schneider mit rund 300.000 Euro, seiner Ansicht nach könne Altötting etwas höher liegen – vor allem aufgrund der höheren Schülerzahlen. Schneider geht deswegen von einem Aufwand zwischen 500.000 und einer Million Euro aus. „Wenn etwas wirklich sinnvoll ist, dann ist mir das Geld nicht zu schade“, betonte er.

Auswirkungen auf Burghausen und den Werksverkehr

Noch offen ist, wie mit der Sonderrolle der Stadt Burghausen umgegangen wird. Als delegierter Aufgabenträger im Stadtverkehr müsste die Stadt eigenständig entscheiden, ob sie sich dem MVV anschließt. Ein Anschluss wäre durch Kooperationsverträge möglich. Burghausens Bürgermeister Florian Schneider (SPD) bat darum, dies ganz genau zu beleuchten, denn der in Burghausen sehr günstige Citybus-Tarif von 9 Euro monatlich würde durch die 70 Euro-Monatskarte des MVV-Kurzstreckentarifs ersetzt.

Die Stadt könne zwar Zuschüsse an Bürger vergeben, doch Bürgermeister Schneider äußerte Bedenken in Bezug auf die Annahme des Angebots. „In Weilheim-Schongau hat eine solche Umstellung zu einem Rückgang von 25 Prozent der Fahrgäste im Ortsverkehr geführt“, merkte er an und bat auch darum, die Werkverkehre nicht zu vergessen.

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