Zwischen Hoffnung und Skepsis
Ein Ticket, ein Tarif – doch zu welchem Preis? Debatte zum MVV-Beitritt Altöttings
Einheitstarif oder Kostenfalle? Ein Informationsabend zum möglichen MVV-Beitritt des Landkreises Altötting zeigte auf, welche Vor- und Nachteile damit verbunden sein würden. Gerade in Burghausen würde ein Anschluss starke Veränderungen für Bürger und Kommune bedeuten.
Burghausen / Landkreis Altötting – Am 22. September informierte der Kreisverband der Grünen im Bürgerhaus über ein Thema, das weitreichende Folgen für die Burghauser haben könnte: den möglichen Beitritt des Landkreises Altötting zum Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV).
Nach einer Präsentation des Mobilitätsmanagers des Landkreises, Kevin Konschuh, informierten Isabelle Brodschelm, CSU-Stadt- und Kreisrätin sowie Vizepräsidentin des Landesverbandes Bayerischer Omnibusunternehmen, und Landtagsabgeordneter Dr. Markus Büchler, Verkehrsexperte der Grünen, zum Thema. Im Mittelpunkt standen jedoch die Hoffnungen, Bedenken und Fragen der Bürger, die sich vor allem für eines interessierten: Wird ein MVV-Beitritt das Linienangebot erweitern? Und wie viel mehr wird das am Ende kosten?
„Ein Ticket für alles“ – große Erwartungen
Als entscheidende Vorteile eines Beitritts nannte Mobilitätsmanager Kevin Konschuh die Vereinfachung für Fahrgäste: ein einheitliches Ticket, die Integration in die MVV-App und bessere digitale Fahrplanauskünfte. Auch die Durchgängigkeit zwischen Bahn und Bus würde verbessert. Gleichzeitig machte er deutlich, dass es gerade für Burghausen zwei Sonderfälle gibt: zum einen wegen des Werkverkehrs von und zur Wacker Chemie und zum anderen wegen des Burghauser Citybusses.
Sollte der MVV-Beitritt kommen, würden sich die Ticketpreise zum Teil drastisch erhöhen und das günstige 15-Euro-Monatsticket wäre Vergangenheit. Ein Monatsticket beim MVV kostet im Vergleich etwa 60 Euro. Ohne Beitritt drohe Burghausen allerdings zur „Tarifinsel“ zu werden – mit eigenen Tickets ohne tarifliche und digitale Anbindung.
Auch auf den Landkreis und die Kommunen kämen mit dem Beitritt Kosten zu – beispielsweise mit der Ausrüstung auf den MTV-Standard, Beschaffung und Ausrüstung von Bussen und Infrastruktur sowie mit der Digitalisierung und Implementierung von Echtzeitdatenauskunft. Zudem Personal- und Marketingkosten im beitrittsvorbereitenden Jahr.
Initialkosten werden zu 90 Prozent mit Steuergeldern des Freistaats Bayern gefördert. Danach anfallende laufende Kosten, wie Harmonisierungsverluste und Ausgleichsleistungen für 365-Euro-Schülertickets, werden zu 66,6 Prozent gefördert. Eine konkrete Bezifferung der Kosten für Bürger, Kommunen und Landkreis steht jedoch erst noch an. Erst auf dieser Basis könne dann eine politische Entscheidung fallen.
| MVV | Burghausen | Landkreis AÖ | |
| Einzelfahrt - Erw. | 4,10 € / 2 Streifen | 2,00 € | 2,70 € |
| Einzelfahrt - Kind | 1,90 € / 1 Streifen | 1,00 € | 2,40 € |
| Streifen/10-er Karte | 17,80 € | 15,00 € | 18,40 € |
| Tageskarte - Erw. | 9,70 € | 5,00 € | - |
| Tageskarte - Kind | 3,70 € | - | - |
| Wochenkarte | 22,40 € | – | 18,80 € |
| Monatskarte | 68,40 € * | 15,00 € | 60,40 € |
| Jahreskarte | - | 150 € | - |
* Es gibt beim MVV Ermäßigungen für Kinder, Schüler, Auszubildende und Senioren.
Subvention mit Steuergeldern: „Ist uns das eine tolle App wert?“
Isabelle Brodschelm, Vertreterin der Busunternehmen, warnte beim Infoabend eindringlich vor den Folgen eines MVV-Beitritts für ihre Branche. Ihrer Einschätzung nach hätten die Unternehmer – vor allem kleinere – keine Vorteile, müssten aber mit deutlich mehr Abrechnungsaufwand rechnen. „Es stellt sich die Frage, warum Bayern solche Riesenverbünde will. Zwar werden die Beitrittsgebühren subventioniert – aber von Steuergeldern und das kostet 650.000 Euro. Nur für einen einheitlichen Tarif. Da wird kein Kilometer mehr auf der Straße gefahren. Da sollte man sich die Frage stellen: Ist uns das eine tolle App wirklich wert?“
Bayern als ÖPNV-Nachzügler
Landtagsabgeordneter und Verkehrsexperte Markus Büchler (Grüne) stellte jedoch klar, dass er einen MVV-Beitritt für überfällig hält. Gerade im ländlichen Bayern sei der ÖPNV wirklich schlecht ausgebaut. „Es kann auch nicht sein, dass Bayern das einzige Bundesland ist, in dem es noch verbundfreie Räume gibt“, so Büchler. Nur in einem großen Verbund ließen sich technische Standards, Echtzeitfahrpläne oder eine gemeinsame App realisieren. So könne am Ende auch mehr Fairness für Fahrgäste entstehen: ein Ticket für alles statt vieler verschiedener Angebote.
Am Beispiel Wien erklärte Büchler, wie eine Parkraumbewirtschaftung auch in Burghausen die Kosten für den ÖPNV gegenfinanzieren könne. Diese Idee stieß bei den Bürgern auf großes Interesse und hallte nach Abschluss des Abends noch nach.