„Selbstexperiment“ Brückenlauf *VIDEO*
Kaputte Laufschuhe und schwarzer Kaffee – mein Weg vorbei an 800 Läufern
Schwarzer Kaffee statt Powergel, alte Schuhe statt Hightech – und trotzdem am Ende auf Platz sieben. Die 25. Auflage des Brückenlaufs in Burghausen war eine besondere. Vor allem für Redakteur Gabriel Zaunseder.
Burghausen – Am vergangenen Sonntag (12. Oktober) war alles angerichtet für den 25. Brückenlauf in Burghausen. Ein neuer Teilnehmerrekord, angenehme Temperaturen und nahezu Windstille. Die Motivation und Vorfreude der Läufer war in allen Ecken und Enden zu spüren. Bei mir selbst war dieses Feuer nicht wirklich gegeben. Doch langer Schlaf, keine Vorbereitung und schwarzer Kaffee. Das sollte schon reichen.
25. Auflage Brückenlauf Burghausen
Dachte ich zumindest. Doch schon auf dem Weg zur Abholung der Startnummern bemerkte ich meinen Muskelfaserriss im linken Oberschenkel und auch mein Knie war alles andere als stabil. Umso besser, dass meine Laufschuhe jeweils links und rechts zwei Löcher hatten. Aber damit würde ich niemals der einzige sein. Allerdings sollte ich mich auch hier gewaltig täuschen.
Denn alleine im Volkslauf, „nur“ über 3,2 Kilometer, waren die Läufer teilweise hervorragend ausgestattet und glänzten mit den neuesten Schuhen und sportlichsten Laufoutfits. Davon ließ ich mich aber nicht unterkriegen und ging selbstbewusst in den Stadtsaal, um mir meine Startnummer abzuholen. Natürlich wie immer auf den letzten Drücker. Mir wurde die 873 überreicht, die ich nach mehreren Versuchen dann auch auf meinem Pullover festmachen konnte.
Ab dem Startschuss: Volle Motivation
Angemeldet hatte ich mich mit der Damenmannschaft der DJK Emmerting, bei der ich als Trainer tätig bin. Mit dabei war dort meine Schwester (16), der ich versprochen hatte, den Lauf mit ihr in entspanntem Tempo zu joggen. Auch deswegen reihten wir uns kurz vor Startschuss in die letzte Reihe ein, um die anderen Läufer nicht zu stören. Mit dem vierten und damit letzten Knall gingen wir dann in den Lauf.
Und was soll ich sagen: nach gefühlten zwei Metern habe ich mich von meiner Schwester verabschiedet und das Tempo erhöht. Die Motivation, die bis zum Start nicht ein einziges Mal vorhanden war, war plötzlich allgegenwärtig. Alleine in den ersten drei Kilometern konnte ich viele Läufer überholen, wobei allen Teilnehmern ein großes Kompliment ausgesprochen werden muss. Denn die 8,8 Kilometer haben es durchaus in sich.
Platz sieben in der Gesamtwertung
Man pendelt nicht nur zwischen Deutschland und Österreich, sondern muss auch fiese Anstiege und verschiedenste Bodenverhältnisse bewältigen. Aber ich fühlte mich gut. Überraschend gut. Sogar so gut, dass ich nach knapp sechs Kilometern noch Zeit hatte, ein kleines Video von mir aufzunehmen. Für den letzten Streckenabschnitt holte ich nochmal alles heraus und kam schließlich komplett fertig ins Ziel.
Meine Zeit? Erstmal keine Ahnung. War mir im ersten Moment auch egal, viel wichtiger waren Traubenzucker, ausreichend Wasser und die ein oder andere Banane. Und der Stolz darauf, dass ich durchgezogen habe, auch wenn es mir mein Oberschenkel deutlich übler genommen hat, als ursprünglich angenommen. Zuhause angekommen stellte ich dann fest, dass ich den siebten Platz (31:51 Minuten) erzielen konnte. Keine schlechte Leistung, wenn man bedenkt, dass ich von ganz hinten gestartet bin. Schwarzer Kaffee und kaputte Laufschuhe – eine bessere Vorbereitung kann es nicht geben. (gz)