Ab dem Jahr 2026 im Kreis Altötting
„Erwartungshaltung steigt“: Diese Gemeinden stellen auf hauptamtliche Bürgermeister um
Die Aufgabengebiete der Bürgermeister werden immer komplexer. Kein Wunder also, dass sich nun zwei Gemeinden im Landkreis Altötting dafür entschieden haben, ab 2026 auf hauptamtliche Amtsinhaber umzustellen.
Landkreis Altötting - Im kommenden Jahr gehen in Bayern die Kommunalwahlen über die Bühne. Am Wahltag 8. März werden die kommunalen Vertretungen in den Städten, Gemeinden, Märkten und Landkreisen gewählt. Doch bevor das ganze Prozedere überhaupt ins Rollen kommt, haben sich nun zwei Gemeinden im Landkreis dafür entschieden, ab 2026 auf hauptamtliche Bürgermeister umzustellen.
Zwei Gemeinden stellen auf hauptamtlichen Bürgermeister um
Gemeint sind Reischach und Marktl: „Die Aufgaben eines Bürgermeisters werden immer umfangreicher und die Thematiken immer komplexer. Ein solcher sollte sich auf seine Arbeit konzentrieren können und nicht von zeitlichen Zwängen getrieben sein“, verrät Alfred Stockner (CSU), aktueller Amtsinhaber von Reischach im Holzland, auf Anfrage von innsalzach24.de. „Aus meiner Sicht ist die Umstellung auf Vollzeit deshalb der einzig logische Schritt.“
Ben Dittmann (CSU), Bürgermeister von Marktl, sieht das Ganze ähnlich: „Ich möchte mich zu der Thematik nicht großartig äußern, da ich auch immer, wenn in der Gemeinde darüber diskutiert oder entschieden worden ist, rausgegangen bin. Ich finde aber, dass es deutlich besser ist, wenn man etwas ganz anstatt nur halb ausführen kann.“ Den jeweiligen Kommunen stehe es frei, aber einer Einwohnerzahl von 2.500 Menschen auf ein Hauptamt umstellen zu können.
Immer komplexer werdende Themengebiete
In Reischach war dies eine einfache Entscheidung: „Aus Sicht der Gemeinde ist dies der richtige Weg. Seit der letzten Kommunalwahl, wo bereits darüber gesprochen wurde, sind die Aufgaben und Belastungen weiter gestiegen“, so Stockner, der anfügt: „Damit der Bürgermeister mit der Verwaltung zusammen die Aufgaben in der Sorgfalt erledigen kann, wie es von den Bürgern zu Recht erwartet wird, benötigt er die zeitliche Ressource, um sich mit den Themen und Problemen zu beschäftigen und die bestmögliche Entscheidung für den Gemeinderat herauszuarbeiten.“
Die Mehrkosten für einen hauptamtlichen Bürgermeister würden durch eine „intensivere Projektbetreuung und mehr Zeit bei der Zuschussbeschaffung“ mehr als kompensiert werden. Die Aufgabengebiete würden nämlich immer mehr werden: „Es gibt viele Themen, die man zwar als Bürger nicht sieht, welche allerdings nochmal obendrauf kommen. Und wenn es sich nur um Dinge wie Wasser, Mobilfunk oder Ver- und Entsorgung handelt“, erklärt Dittmann. „Wenn man dann noch einen ,normalen‘ Beruf ausübt, geht das schon enorm in die Zeit.“
Stockner: „Man leitet Tagesgeschäft wie Unternehmer“
Stockner holt sogar noch weiter aus: „Ein Bürgermeister ist nicht nur Repräsentant der Gemeinde und ,Chef‘ vom Gemeinderat. Er leitet das Tagesgeschäft wie ein Unternehmer. Welche Gebiete zu den normalen Aufgaben noch zu betreuen sind, ist je nach Gemeinde unterschiedlich.“ In Reischach sei dies aber klar geregelt: „Bei uns zählen neben der Leitung der Verwaltung und des Bauhofes auch die Betriebsleitung von Abwasserentsorgungsanlagen und Wasserversorgungsanlagen.“
Doch nicht nur das: „Der Bürgermeister ist auch Dienstherr der Feuerwehren. Je nach Gemeinde wird auch ein Kindergarten oder eine Mittagsbetreuung mit von der Gemeinde betrieben und auch hier ist der Bürgermeister der erste Ansprechpartner und disziplinarischer Vorgesetzter der Angestellten“, fährt der Amtsinhaber weiter fort. „Letztendlich habe ich als Bürgermeister knapp 40 (Teilzeit-)Mitarbeiter. Dies gibt auch einen Hinweis auf die Komplexität.“
Zeitliche Komponente: Je nach Aufwand
Das Wichtigste sei allerdings etwas anderes: „Zeit für die verschiedensten Anliegen der Bürger zu haben und immer ansprechbar für Probleme und Sorgen zu sein. Dies nimmt auch immer mehr Zeit in Anspruch, weil die Erwartungshaltung steigt beziehungsweise sich andere frühere Anlaufstellen immer weiter zurückziehen.“ Dittmann wirft zum Abschluss noch folgenden Punkt ein: „Die zeitliche Komponente hängt natürlich auch davon ab, mit wie viel Aufwand man sein Amt ausführen und welche Ziele man erreichen möchte. Das ist klar.“ (gz)