Schwerst beeinträchtigte Tochter (3)
Verzweifelte Mutter aus Burghausen ohne Kita-Platz: „Darüber gehört einfach geredet“
Für die meisten Kinder läuft der Kita-Alltag längst wieder. Doch Berna Sarier und ihr Mann aus Burghausen kämpfen weiter um einen Platz für ihre dreijährige Tochter. Das Kind hat eine schwere Behinderung. Woran ihre Suche scheitert und wie die Familie darunter leidet.
Burghausen – „Für uns ist die komplette Situation eine enorme Herausforderung. Mein Mann und ich haben drei Kinder, wobei unsere zweite Tochter eine schwere Behinderung hat und dauerhaft auf Hilfe angewiesen ist“, erzählt Berna Sarier aus Burghausen im Gespräch mit innsalzach24.de. „Sie leidet an einem seltenen Gendefekt und kann weder laufen noch sitzen oder schlucken.“
Sarier und der fehlende Kita-Platz
Trotzdem haben sich die Eltern bereits im vergangenen Jahr für einen Kita-Platz beworben: „Ich habe meine Tochter sehr gerne bei mir und pflege sie auch aus Liebe, aber wir sind der Meinung, dass sie es genauso verdient hat, sich zu sozialisieren und Kontakt zu anderen Kindern zu haben“, fährt die Mutter fort, die sogar noch einen Schritt weiter geht: „Sie hat genau die gleichen Rechte wie alle anderen in ihrem Alter.“
Allerdings gestalte sich die Suche nicht so einfach - aber nicht aufgrund der Kitas: „Das Problem ist einfach, dass meine Tochter auf Individualbetreuung angewiesen ist, diese aber keiner machen möchte. Uns wurden vier Stunden am Tag, sprich 20 Stunden die Woche, genehmigt und für die vorhandenen Fachkräfte ist das zu viel Aufwand für viel zu wenig Ertrag“, verrät Sarier. „Ich kann diese Leute sogar verstehen, weil sie absolut unterbezahlt sind.“
Jeder Tag eine neue Herausforderung
Sie habe größten Respekt vor dem Pflegepersonal: „Ich ziehe meinen Hut vor den Leuten, die tagtäglich mit Dingen konfrontiert sind, die nur sehr wenige sehen können. Aber im Endeffekt bringt es meinem Mann und mir nichts, da wir nach wie vor auf uns alleine gestellt sind. Anstatt, dass uns etwas abgenommen wird, wird die Belastung nur noch höher. Und wir haben schließlich auch noch zwei andere Kinder, die wir nicht vernachlässigen wollen. Eines davon ist noch ein Baby.“
Der Alltag gestaltet sich somit alles andere als einfach: „Mein Mann hat zwei Jobs, damit wir Monat für Monat halbwegs über die Runden kommen. Ich kümmere mich derweil um die Kinder, wobei ich schon auch gerne meinen Teil beitragen wollen würde. Aber die aktuelle Situation lässt es einfach nicht zu“, seufzt Sarier, die offen zugibt: „Es ist brutal schwer, allen gerecht zu werden. Natürlich sind wir für unsere Kinder stark, aber es beschäftigt einen schon enorm.“
„Darüber gehört einfach geredet“
Das Problem sei einfach folgendes: „Man muss sich selbst um alles kümmern. Einsprüche einlegen, der Krankenkasse hinterherlaufen und täglich Telefonate führen, um den Stand der Dinge abklären zu können. Wir glauben auch, dass es mehreren Eltern so geht, die ebenfalls ein behindertes Kind zu Hause haben.“ Dabei sei ihre dreijährige Tochter doch so pflegeleicht: „Sie schreit nicht, schlägt nicht um sich, ist nicht aggressiv, sondern liegt einfach nur da. Man müsste sie halt füttern, ihr etwas zu trinken geben oder mit ihr auf die Toilette. Aber es scheitert an der fehlenden Betreuung.“
Ein Thema, das mehr Aufmerksamkeit brauche: „Darüber gehört einfach geredet, weil es eine enorme Belastung für die Angehörigen ist. Ich möchte auch nicht, dass das jetzt falsch rüberkommt und es so wirkt, als würde ich mich über die Pflegekräfte oder Kitas beschweren. Dem ist nämlich nicht so. Es sind einfach die Umstände, die einen ständig beschäftigen und die viele auch einfach nicht sehen.“
Hoffen auf eine bessere Zukunft
Dies seien aber nicht die einzigen Schwierigkeiten: „Wir haben wirklich lange gebraucht, eine Wohnung zu finden, die im Erdgeschoss liegt und nicht gleich eine Stange Geld kostet. Es gibt ja nicht mal wirklich Zuschüsse bei der Miete. Es wird alles immer teurer und dementsprechend wird es auch nicht einfacher, über die Runden zu kommen“, bilanziert die Mutter, die die Hoffnung noch nicht aufgegeben hat: „Wir hoffen alle, dass sich noch etwas tut und wir unsere Tochter in die Kita schicken können. Das wäre auch das Beste für sie.“ (gz)