Nachgefragt bei Realschulen und Gymnasien
Tablets statt Hefte: Schulen im Landkreis Altötting werden immer digitaler
Durch Corona wurde die Digitalisierung an Schulen beschleunigt: Doch wie sieht die Lage im Landkreis Altötting aus? Gibt es Schulen, die „digitaler“ sind als andere? Und wie funktionieren „digitale Hefte“?
Landkreis Altötting – Insgesamt 20.000 Tablets werden künftig an bayerischen Grund- und Mittelschulen eingesetzt: Pünktlich zum Beginn des Schuljahres wurden 7.000 zusätzliche Tablets an Grund- und Mittelschulen in Oberbayern weitergegeben. Aber auch an Realschulen und Gymnasien im Landkreis Altötting sind die Geräte bereits fixer Bestandteil des Unterrichts:
Digitales Gymnasium: König-Karlmann
Ganz besonders ist hier das König-Karlmann-Gymnasium in Altötting hervorzuheben. Die Schule nutzte den Digitalisierungsschub durch Corona und entwickelte ein eigenes Konzept für den Einsatz digitaler Medien. Seit Jahren gibt es dort schon interaktive Tafeln in den Klassenzimmern, und schuleigene Tablets werden regelmäßig und fächerübergreifend ab der 5. Jahrgangsstufe im Unterricht eingesetzt. Neu sind jedoch die Digitalklassen, die als Pilotprojekt im Schuljahr 2021/22 gestartet wurden: Mit Erfolg, denn das Projekt, das inzwischen dritten Jahr läuft, wurde von Eltern und Schülern mit offenen Armen angenommen. „Von vier zehnten Klassen sind drei digital und bei den neunten und achten Klassen haben nur noch Digitalklassen“, so Schulleiter Georg Kronhuber.
Wie funktioniert eine Digitalklasse?
Im Sinne von „Bring-your-own-device“ nehmen die Schüler ihre eigenen digitalen Endgeräte, also Tablets mit Stift und Tastatur, mit in die Schule und nutzen diese statt herkömmlicher Schulhefte. Für finanziell schwächere Eltern bietet das Gymnasium Leihgeräte und für alle anderen werden günstige Angebote kommuniziert oder vermittelt. Die Schule hatte sich im Vorfeld darum bemüht, die digitale Ausstattung der Klassen vom Landratsamt zu bekommen – doch dort fehlten die Gelder: „Eigentlich wäre der Bund hier in der Verantwortung“, sagt der Schulleiter. „Nun hat sich der Freistaat auf den Weg gemacht und erprobt die digitalen Klassen in einem Feldversuch.“ Insgesamt 350 bayerische Schulen nehmen nun neben dem König-Karlmann-Gymnasium an dem Projekt „Digitale Schulen der Zukunft“ teil.
Aufsätze noch immer auf Papier
Die Anforderungen an die digitalen Helfer der Schüler sind übersichtlich: Das Betriebssystem sollte Windows-kompatibel sein und das Display eine bestimmte Größe haben. Hefte werden digital als OneNote-Notizhefte angelegt und können online über das Schulsystem von den Lehrern eingesehen und korrigiert werden. Damit die Schüler das handschriftliche Schreiben neben der Nutzung des 10-Finger-Systems an der Tastatur nicht verlernen, ist auch die Verwendung eines Stifts am Tablet Pflicht. „Die Mehrheit der Lehrer nutzt die digitale Heftführung“, so der Schulleiter. „Im Fach Deutsch wird aber beispielsweise weiterhin auf Papier geschrieben, denn Stift auf Papier funktioniert anders, als Stift auf Glas.“
Digitale Gymnasien in Burghausen?
Auch am Kurfürst-Maximilian- (KuMax)und Aventinus-Gymnasium (AVG) in Burghausen können Tablets als Heftersatz verwendet werden. Während am KuMax eigene Geräte erst ab der neunten Klasse benutzt werden dürfen, erlaubt das AVG dies bereits ab der achten Jahrgangsstufe. Tastaturen sind am AVG aber nicht erlaubt, und das 10-Finger-System wird nur als Wahlfach unterrichtet. „Wir haben überlegt, eine Tablet-Klasse einzuführen“, sagt AVG-Schulleiter Ulrich Kanz. „Aber nicht jeder kann sich ein Gerät leisten und wir wollen das niemandem vorschreiben. Außerdem wollen wir, dass das Schreiben als haptisches Element und Kulturtechnik weiterhin geübt wird.“ Am KuMax darf dagegen sowohl Stift als auch Tastatur benutzt werden – an einem Konzept für Digitalklassen, arbeite man bereits, sagt Systembetreuerin und Informatiklehrerin Tatjana Tannenberg.
Wie digital sind die Realschulen im Landkreis?
An den Realschulen sieht die Situation im Landkreis etwas anderes aus: Neben festen Beständen von schuleigenen Tablets, die ab den fünften Jahrgangsstufen im Unterricht zum Einsatz kommen, können eigene Geräte bereits ab der siebten Klasse verwendet werden – vorausgesetzt der jeweilige Fachlehrer ist einverstanden. Fixer Bestandteil sind Tablets in Klassen des mathematischen Zweigs. Auch unter den Realschulen hebt sich eine Schule aus Altötting durch die Einführung von Digitalklassen von den anderen ab: Durch ihre Teilnahme an dem bayerischen Pilotprojekt konnte die Herzog-Ludwig-Realschule in Altötting dazu beitragen, dass private Geräte durch den Freistaat Bayern gefördert wurden.
In allen Gymnasien und Realschulen – mit Ausnahme der Maria-Ward in Burghausen – gibt es Wifi in allen Klassenräumen. Laut Schulleiter Thomas Sompek liegt dies aber nicht an der technischen Ausstattung, sondern an den alten Gemäuern der Schule. Einzig eine Generalsanierung der denkmalgeschützten Gemäuer könnte hier Abhilfe leisten, meint Sompek. Da es sich hierbei um eine Baumaßnahme handelt, für die geschätzte 25 Millionen Euro fällig werden, könnten noch Jahre ins Land ziehen, bis das WLAN bei reibungslos funktioniert.