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Finanzlage und Deutschlandticket zwingen zum „Abwarten“

„Die Zeit der All-Inclusive-Politik ist vorbei“: Verkehrsverbund ist zu teuer für Altötting

Laut der Studie bestehen Chancen auf Verknüpfungen mit anderen Verbünden.
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Laut der Studie bestehen Chancen auf Verknüpfungen mit anderen Verbünden.

Bei der jüngsten Kreistagssitzung in Altötting wurde eine Studie zum Sinn eines Verkehrsverbunds des Landkreises Altötting mit Mühldorf, Traunstein oder Rottal-Inn vorgestellt. Doch neben Finanzlage und Deutschlandticket zwingen noch andere Gründe dazu „abzuwarten“.

Landkreis Altötting – In der jüngsten Sitzung des Kreistags Altötting wurde eine Untersuchung zu den Chancen und Möglichkeiten eines Verkehrsverbunds des Landkreis Altötting mit benachbarten Landkreisen vorgestellt und die Verflechtung mit den Nachbarn aufgezeigt. Das vorrangige Ziel eines Verbunds wäre die Schaffung eines einheitlichen Tarif-, Fahrplan- und Ticketsystems vom Berchtesgadener Land bis zu den Landkreisen Altötting und Mühldorf. Doch enormen Kosten, die Auflagen für Förderungen und der günstige Preis des Deutschlandtickets zwingen die Politik, weiter „abzuwarten“. Landrat Erwin Schneider (CSU) äußerte sogar, dass man sich finanziell betrachtet, mit der Idee auf einem Irrweg befände.

Verflechtungen mit Mühldorf, Traunstein und Rottal Inn

Im Fokus der Studie von BPV-Consult standen sowohl die Pendlerfahrten, als auch die Straßenverflechtung, die Schienenverbindungen und das Fahrtenangebot zwischen den Landkreisen Mühldorf, Traunstein und Rottal-Inn. „Die meisten Verflechtungen bestehen mit dem Landkreis Mühldorf“, zog Burkhard Pohl nach seiner Studienpräsentation als Fazit. Mühldorf sei per Straße und Schiene am engsten mit dem Landkreis Altötting verknüpft. Am zweitstärksten sei die Vernetzung mit dem Landkreis Traunstein. Laut Pohl liege der Vorteil eines Verbunds mit den Nachbarkreisen darin, dass die Effizienz und Nachfrage des ÖPNV-Angebots in Altötting erhöht und die Abrechnung mit Verkehrsunternehmen vereinfacht würden. Synergien könnten gestärkt und regionale Kompetenzen gefördert werden.

Doch nicht alle teilen Pohls Optimismus. SPD-Fraktionssprecher Florian Schneider fand die Ergebnisse weder überraschend noch spannend. „Wir hätten das selbst auch so bewertet“, betonte er. Einen Sinn in der Installation eines Verkehrsverbunds sah der amtierende Bürgermeister von Burghausen nicht. „Wir sollten das Augenmerk auf den Ausbau der ABS38, der Ortsumfahrung Burghausen und der A94 legen“, so Schneider – und hob dennoch hervor, dass er prinzipiell nicht gegen den ÖPNV sei: „Wir müssen jetzt den Fokus aber auf aktuelle Projekte richten. Ein größerer Verbund ist aktuell nicht unser Thema!“

Aus allen Richtungen kommen Pendler in den Landkreis Altötting.

„Wir können uns das nicht leisten“

„Wir wollten einen Verkehrsverbund mit Mühldorf, Traunstein und dem Berchtesgadener Land“, sagte Landrat Erwin Schneider (CSU). „Nun hat sich herausgestellt, dass Traunstein und Berchtesgaden nicht zusammenkommen und Berchtesgaden sich nach Salzburg orientiert. Mit Traunstein und Mühldorf allein macht ein Verbund aber wenig Sinn – denn das reicht nicht, um die Förderung zu bekommen.“ Der Landrat führt am Beispiel Mühldorf auf, wie teuer eine Anbindung an den Verbund für den Landkreis werden könnte. Mühldorf hatte eine Anbindung an den Münchner Verkehrsverbund angestrebt und diese jetzt aus Kostengründen zurückstellen müssen.

„Auch wir können uns das nicht mehr leisten“, lautete das Fazit von Landrat Schneider. Die Zeit der „Robinson-Club-Politik“ sei nun vorbei und alle Landkreise, die groß in die Entwicklung von Verkehrsverbünden eingestiegen seien, zögen sich nun wieder zurück. Schneider zog das Beispiel Dachau heran, wo laut ihm jedes Jahr 15 Millionen Euro in das ÖPNV-Netz investiert werden müssten. „Jetzt muss aber jede zweite Linie ausfallen, weil es keine Busfahrer mehr gibt“, so der Landrat.

Von Altötting nach Rosenheim muss man 120 bis 140 Minuten mit dem ÖPNV einrechnen.

Deutschlandticket hat Situation grundlegend verändert

Gerade die Einführung des Deutschlandtickets habe die Situation noch einmal grundlegend verändert: „Für Berufspendler würde ein Verbundticket aktuell keinen Vorteil mehr bieten“, sagte der Landrat. Lediglich private Ausflüge könnten mit einem Verbundticket günstiger als mit dem Deutschlandticket sein. Nun müsse man also abwarten, wie sich die Preise des Deutschlandtickets entwickeln. CSU-Fraktionsprecher Dr. Tobias Windhorst führte an, dass ein Verbundticket dann wieder interessant werden könnte, wenn das Deutschlandticket teurer wird: „Wenn es 69 oder 79 Euro kosten soll, dann könnte ein Verbundticket wieder interessant werden“, so Windhorst.

Isabelle Brodschelm, CSU-Kreisrätin und Geschäftsführerin des Brodschelm Verkehrsbetriebs, schlug vor, dass die Verwaltung der Landkreise die Zusammenarbeit intensiviert und verbessert werden könnte. „Ein Zweckverbund könnte hier Möglichkeiten bieten, die Kommunen und Landratsämter zu entlassen“, so Brodschelm. Landrat Schneider zeigte sich diesbezüglich äußerst interessiert. SPD-Kreisrat Hans Steindl betonte schlussendlich noch, dass Carsharing- und Rufbus-Projekte „gut gemeinte“ Angebote gewesen – aber gescheitert seien. „Das kann vielleicht noch anders werden“, so Steindl, im Moment sei die Sache aber nicht entscheidungsreif.

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