Menschen aus der Region wandern aus
„Ich würde es sofort wieder tun“ – Auswanderer Thomas über sein Leben in den Emiraten
Thomas aus dem niederbayerischen Landkreis Rottal-Inn hat den Sprung gewagt: Raus aus dem Behörden-Dschungel, rein ins Abenteuer Vereinigte Arabische Emirate. Heute verdient er sein Geld an der Börse, lebt in der Sonne – und blickt trotz aller Herausforderungen nicht zurück. Doch ganz ohne bayerisches Heimweh geht’s dann doch nicht …
Bad Birnbach/ Vereinigte Arabische Emirate - Wenn Thomas aus dem niederbayerischen Landkreis Rottal-Inn an seine alte Heimat denkt, dann kommen ihm sofort die glitzernden Seen, die alpennahe Ruhe und natürlich seine Familie in den Sinn. Doch seine Entscheidung, vor einiger Zeit nach Dubai auszuwandern, bereut er keine Sekunde – auch wenn der Start alles andere als reibungslos verlief.
Dabei beginnt alles mit einem Aha-Moment abseits der bayerischen Theke. Thomas, ursprünglich aus der Gastronomie, hat schon immer ein Auge auf die Finanzmärkte geworfen. „Als ich einmal in nur zwei Tagen an der Börse mehr verdient hatte als in einer ganzen Arbeitswoche in der Gastro, war für mich klar: Da geht mehr“, erinnert er sich.
Der Wunsch nach Selbstständigkeit war geweckt – doch die bürokratischen Hürden in Deutschland, gepaart mit einer hohen Steuerlast, bremsten ihn immer wieder aus. Die Konsequenz: ein Neustart – in einem Land, das wirtschaftliche Freiheit verspricht.
Der Zufall – oder das Schicksal – führte Thomas und seine Verlobte in den Urlaub nach Dubai. Sonne, Sicherheit, Steuerfreiheit: Was als Urlaubsreise begann, wurde zur Zukunftsvision. „Wir waren einfach begeistert. Die Lebensqualität, die Offenheit, das moderne Leben – das hat uns sofort gepackt.“
Heute lebt das Paar in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Thomas handelt hauptberuflich mit US-Wertpapieren, arbeitet meist von 17 Uhr bis nach Mitternacht – und ist dennoch zufrieden. „Ich habe jedes Wochenende frei, kann jederzeit an den Pool oder ans Meer. Und ich kann jeden Tag lange ausschlafen.“ Statt der bayerischen Idylle ist es nun die Skyline von Dubai, die seinen Alltag prägt.
Sauber, sicher und andere Vorzüge
Er schätzt vor allem den hohen Lebensstandard. „Hier ist es sauberer, sicherer – und die Menschen wirken entspannter. Die Malls sind bis Mitternacht offen, die Straßen sind sicher, und Kriminalität ist kaum spürbar.“
Doch ganz ohne Schattenseiten geht es nicht. Besonders die Bauqualität, auch die der Handwerker, macht Thomas zu schaffen. Auch auf Verlässlichkeit könne man sich nicht immer verlassen. Termine werden häufig nicht eingehalten, ein „Ja“ ist oft nur höfliches Abwarten – und ein „vielleicht“ fast immer ein „Nein“.
Was ihm den Start dennoch erleichtert hat, war die Unterstützung seiner Verlobten. „Sie kümmerte sich um alles – Wohnung, Einrichtung, das Drumherum. Ohne sie hätte ich das nicht geschafft.“ Dank ihr – und einem ganz besonderen Vierbeiner – hat Thomas in Dubai ein neues Zuhause gefunden.
Denn als sich die erste Wohnung als völliger Fehlgriff entpuppte, Baupfusch inklusive, schien der Traum vom Auswandern zu kippen. „Wir hatten fast täglich Handwerker im Haus.“ Die Rettung? Ein Hund. „Wir glauben, er hat uns gerettet – und wir ihn. Er hat uns durch diese Zeit getragen.“
Trotz aller Schwierigkeiten sagt Thomas heute mit Überzeugung: „Ich würde es sofort wieder tun.“ Sein Visum ist mittlerweile bis 2026 verlängert – und wie es danach weitergeht, ist offen.
Viele Vorurteile, die nicht zutreffen
Auch wenn ihm die bayerischen Berge fehlen – sein Herz schlägt inzwischen für die Emirate. Nur über die Vorurteile kann er den Kopf schütteln: „Viele denken immer noch, Frauen dürfen hier nichts und Alkohol ist verboten. Aber das stimmt einfach nicht. Frauen fahren Auto, gehen ohne Schleier aus dem Haus – und es gibt Bier und sogar Schweinefleisch.“
Was er all jenen rät, die ebenfalls vom Auswandern träumen? „Nicht blauäugig losziehen. Erst anschauen, dann planen. Und genug Rücklagen mitnehmen – es wird nicht alles so laufen, wie man es sich wünscht.“
Der Kontakt zur Heimat bleibt. Über WhatsApp, deutsche TV-Apps und regelmäßige Telefonate ist Thomas nah dran an Familie und Freunden. Und auch wenn sein Leben jetzt zwischen Palmen, Wolkenkratzern und der US-Börse spielt, hat er seine Wurzeln nicht vergessen. „Ich denke oft an Bayern – aber ich genieße, was ich hier aufgebaut habe.“
Menschen aus der Region wandern aus ist ein neues Format der Redaktion, in dem wir Geschichten von Menschen erzählen, die ihre Heimat in Südostbayern verlassen – und in der Welt neu anfangen. Wer ebenfalls ausgewandert ist oder jemanden kennt, der seine Geschichte erzählen möchte, darf sich gerne bei uns melden. Schreibt uns Eure Geschichte an leserbriefe@ovb24.de (Kennwort „Auswandern“) oder eine Facebook.-Nachricht. (mz)

