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Menschen aus der Region wandern aus

Die Liebe führt Daniela 7.000 Kilometer weit weg – doch „es wird scho glei dumpa“ reist mit

Die Indy-500-Festival-Parade ist jedes Jahr ein Highlight für Daniela.
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Die Indy-500-Festival-Parade ist jedes Jahr ein Highlight für Daniela.

Daniela aus Traunstein wollte eigentlich nur Griechisch lernen – stattdessen fand sie in einem Chatroom die Liebe ihres Lebens. Heute lebt sie mit ihrer Familie in den USA, baut Häuser, trägt Dirndl bei Paraden und bringt mit Weihnachtsplätzchen und „es wird scho glei dumpa“ ein Stück Bayern nach Indiana. Ihre Geschichte ist ein Abenteuer zwischen Fernweh, Herzklopfen und Heimatsinn.

Traunstein/USA - Traunstein gegen Fishers, Bayern gegen Indiana, Berge gegen weite Felder: Daniela hat vor knapp zehn Jahren einen mutigen Schritt gewagt. Sie hat ihre Heimat im Landkreis Traunstein verlassen und ist in die USA ausgewandert – nicht, weil sie musste, sondern weil sie wollte. Der Grund: die Liebe. Ihr Weg beginnt 2014 mit einem Griechischkurs, der nicht zustande kommt. Was wie ein kleiner Zufall beginnt, endet mit einem radikalen Neubeginn auf einem anderen Kontinent.

Vom Chat zur großen Liebe – und ins neue Leben

Eigentlich wollte Daniela nur einen Griechischkurs machen. Doch als der ins Wasser fiel, landete sie eher zufällig im Internet – auf der Suche nach Austausch, nicht nach der großen Liebe. „Mein griechisches ‚Latein‘ war bald am Ende, also habe ich noch ein bisschen woanders gechattet“, erzählt sie rückblickend. Viele der Gespräche waren belanglos oder skurril, das Interesse ließ schnell nach. „Ich hab ja niemanden gesucht“ – und als sie kurz davor war, es wieder bleibenzulassen, kam eine letzte Nachricht.

Und so lernt sie damals David kennen. Ein Chat, ein Gespräch, das Gefühl, dass da jemand ist, der bleibt. „Seit diesem Tag haben wir keinen einzigen Tag ohne Kontakt verbracht“, erinnert sich Daniela. Aus geschriebenen Worten werden Videogespräche, aus Gesprächen eine Beziehung. Nach vier Monaten trifft sie David das erste Mal persönlich. Bald wird klar: Das ist mehr als ein Flirt. „Ich hab gesagt: entweder alles oder nichts. Ich bin zu alt für eine endlose Fernbeziehung.“

Daniela besucht mit ihrem Mann viele Konzerte.

Im November 2015 heiraten die beiden, ein Jahr später steht der große Umzug an. Daniela verlässt mit ihren Kindern den Landkreis Traunstein in Richtung USA. Die letzten Wochen in Bayern sind von Abschied und Wehmut geprägt. „Wir haben jeden Tag Brezen gekauft, alles gegessen, was wir vermissen würden.“ Am 1. Dezember 2016 startet das neue Leben über dem Atlantik.

Heute lebt Daniela mit ihrer Familie in Fishers, einem Vorort von Indianapolis. Die Region gilt als eine der sichersten und lebenswertesten Gegenden der USA. Der Alltag ist anders als in Bayern – aber er fühlt sich richtig an. „Es war ein großer Schritt, von 19.000 auf über zwei Millionen Einwohner, wobei ich daheim das Gefühl habe auf dem Land zu leben.“

Mit einem Indianer auf dem Pow Wow in Anderson.

Daniela arbeitet gemeinsam mit ihrem Mann im Familienbetrieb: eine Baufirma, die sich auf Renovierungen und Neubauten spezialisiert hat. Zuerst ist sie für die Büroarbeit zuständig, lernt Schritt für Schritt die Besonderheiten der US-Systeme. Mittlerweile steht sie selbst auf den Baustellen, kennt jedes Detail eines amerikanischen Hauses. „Ich genieße die Vorteile der Selbstständigkeit. Wir arbeiten viel, aber wir sind flexibel.“

Konzerte, Sportevents und Kurztrips

Die Freizeit verbringt sie mit Konzerten, Sportevents oder Kurztrips. „Nashville, Chicago, Detroit – alles in Reichweite.“ In Indianapolis lebt ein starkes Bewusstsein für deutsche Wurzeln. Bei der großen Indy-500-Parade marschiert Daniela jedes Jahr mit, im Dirndl, für Deutschland. „Es schauen 200.000 Leute zu. Und ich trage meine Heimat mit Stolz durch die Straßen.“

Dank Internet ist Daniela trotz großer Entfernung eng mit ihrer alten Heimat verbunden. „Ich bin zwar 7.393 Kilometer entfernt, aber trotzdem voll informiert.“ Über WhatsApp, Facebook und Livestreams bleibt sie dabei: bei Festen, Spielen, Auftritten – sogar bei „Hot Hoagascht“ am Stadtplatz.

Daniela und ihr deutscher Stammtisch bei der letzten Weihnachtsfeier.

Klar: Es gibt Dinge, die fehlen. Milchreis, Semmelwürfel, ein richtiger Döner. Aber Daniela hat Wege gefunden, sich ihre (bayerischen) Lieblinge selbst zu zaubern – vom Gyros bis zum Glühwein. Ihre Nachbarn lernen durch sie deutsche Backkunst, bayerische Plätzchen oder ein Osterlamm und manchmal auch einen Dialektausdruck. Deutsch beibringen? „Kann ich machen, aber dann verstehst du mich trotzdem nicht, weil ich nur bayerisch rede.“

Fishers ist ihre neue Heimat geworden, ohne dass sie ihre alte verloren hätte. Daniela besucht Konzerte, fühlt sich aufgehoben und engagiert sich im deutschen Stammtisch: „Das ist eine tolle Gruppe, die sich einmal im Monat trifft. Wir feiern Fasching, Oktoberfest, Weihnachten oder verbringen den Abend einfach nur mit Ratschen.“ Sie hat neue Traditionen geschaffen, ohne alte zu vergessen. „Ich bin ausgewandert, aber ich trage Traunstein im Herzen.“

Und so gelingt es Daniela, auch fernab von Bayern kleine Stücke Heimat zu bewahren – und manchmal sogar große. Besonders stolz ist sie auf den Christkindlmarkt in Carmel, einem Nachbarort von Fishers. „2017 wurde er ins Leben gerufen und hat sich seitdem jedes Jahr vergrößert“, erzählt sie. Inzwischen zählt der Markt zu den besten und authentischsten seiner Art in den USA – mehrfach wurde er zur Nummer 1 gewählt.

Daniela entdeckte in Chicago ein Schweinsteiger Trikot.

Kein Wunder, denn hier wird nicht nur Glühwein ausgeschenkt, sondern bayerische Weihnachtstradition mit Hingabe gepflegt: mit liebevoll gestalteten Holzhütten, einem echten Christkind, dem Nikolaus – und einer Hütte, in der Bräuche erklärt werden. „Die Organisatoren reisen sogar nach Deutschland, um sich dort Inspiration zu holen“, erzählt Daniela. Künstler aus Oberammergau seien ebenso schon zu Gast gewesen wie ein Musiker aus Texas mit österreichischen Wurzeln: „Letztes Jahr hat er für mich ‚Es wird scho glei dumpa‘ gespielt. Das drückt auf die Tränendrüse.“

Danielas Auswander-Tipps

Danielas Tipp für alle Auswanderer oder die mit dem Gedanken spielen: „Wenn jemand auswandern möchte, dann sollte er sich genau überlegen, worauf er nicht verzichten könnte. Ich kenne sehr viele, die hier unglücklich sind, weil die USA nicht Deutschland ist. Wenn man sich jeden Tag damit beschäftigt, was alles fehlt, dann kann man nicht glücklich werden. Erst wenn man akzeptiert, dass das Leben hier einfach anders ist, dann kann man das Beste daraus machen. Der komplett andere Alltag ist definitiv eine Herausforderung, mit der man jeden Tag kämpfen muss, aber es ist ein gutes Gefühl, wenn man jeden Tag wieder etwas Neues gelernt oder gemeistert hat.“

Besuch aus Traunstein.

Zurückgehen? Daran denkt sie nicht. „Ich habe mich entschieden. Das hier ist mein Zuhause. Ich bin angekommen.“ Ein bisschen Traunstein, ein bisschen Indiana. Und viel Herz dazwischen, was Daniela mittlerweile auch in einem Buch niedergeschrieben hat: Von Traunstein nach Indianapolis.

Menschen aus der Region wandern aus ist ein neues Format der Redaktion, in dem wir Geschichten von Menschen erzählen, die ihre Heimat in Südostbayern verlassen – und in der Welt neu anfangen. Wer ebenfalls ausgewandert ist oder jemanden kennt, der seine Geschichte erzählen möchte, darf sich gerne bei uns melden. Schreibt uns Eure Geschichte an leserbriefe@ovb24.de (Kennwort „Auswandern“) oder eine Facebook.-Nachricht.(mz)

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