Preis für gelebte Gemeinschaft
„Einfach geil!“: SauRiassl GmbH aus Altötting gewinnt MEGGLE-Gründerpreis 2025
Für ihr innovatives, solidarisches Wohnkonzept erhielt die SauRiassl GmbH aus Altötting den MEGGLE-Gründerpreis. Mit inzwischen sieben Hausprojekten zeigt das Syndikat, wie Wohnraum gemeinschaftlich und nachhaltig geschaffen werden kann – mit handfesten Konzepten und professioneller Umsetzung.
Altötting – Am 24. Oktober wurde im historischen Rathaussaal von Wasserburg der MEGGLE-Gründerpreis 2025 verliehen. Unter dem Motto „Gemeinsam Ideen voranbringen“ kürte die Jury dieses Jahr die SauRiassl GmbH aus Altötting zum Sieger. Das Unternehmen überzeugte durch sein solidarisches und ökologisches Wohnkonzept, das Antworten auf aktuelle Herausforderungen wie Wohnungsknappheit, Sanierungsbedarf und steigende Baukosten liefert. Neben einem Preisgeld von 35.000 Euro erhielten die Gründer um David Pietzka vor allem eines: Anerkennung für ein Modell, das in der Region längst als echtes Zukunftsbeispiel gilt.
Ein Preis, der für Seriosität steht
Für David Pietzka, den Geschäftsführer der SauRiassl GmbH, ist die Auszeichnung weit mehr als nur ein finanzieller Erfolg: Es ist „einfach geil!“. Zwei Tage Arbeit hatte er in das 20-seitige Bewerbungspapier investiert. Es umfasst umfangreiche Informationen zu den Hintergründen des Unternehmens bis hin zur Vorstellung der zahlreichen Hausprojekte und zukünftigen Vorhaben. Eine Analyse des Marktpotenzials, der Risiken und Prognosen für die kommenden Jahre vervollständigt das Papier, das auch innsalzach24.de vorliegt und nicht ohne Grund den ersten Platz erhielt.
Für die Gründer des SauRiassl Syndikats, den Filmemacher Marcel Seehuber und Pietzka, unterstreicht der Preis vor allem die Seriosität ihrer Unternehmungen. Seehuber, der auch politisch aktiv ist und sowohl Stadtrat in Altötting als auch Kreisrat ist, gilt als Visionär des Netzwerks, während Pietzka als technischer Betriebswirt und Schlosser jede Menge handwerkliches und wirtschaftliches Knowhow mitbringt. Gemeinsam mit Architektin Ulrike Bubl und deren Bauzeichnerin Zahra Ghasemi konnten die sieben Projekte der GmbH realisiert werden – von Niedertaufkirchen über Altötting bis Burghausen.
Wohnraum als Gemeingut – und eine Antwort auf den Markt
Im katholisch-konservativen Altötting einst wohl eher als „Exot“ angesehen, ist das Syndikat inzwischen Ansprechpartner, wenn es um die Aktivierung von Leerstand geht. „Wir wollen zeigen, wie es anders geht“, unterstreicht Pietzka. „Die meisten Häuser würden, wenn sie nicht den Weg in unser Syndikat gefunden hätten, heute keinen oder nur deutlich weniger Wohnraum bieten.“ Das Prinzip des SauRiassl Syndikats ist dabei einfach und radikal zugleich: Häuser werden gemeinschaftlich durch die GmbH gekauft, saniert und so dauerhaft dem Immobilienmarkt entzogen. Das nötige Eigenkapital dafür stammt aus Direktkrediten. Zusammen mit Bankkrediten für den Kauf akquiriert die GmbH auch Sanierungs- und Förderkredite – etwas, das privaten Eigentümern viel Wissen und Arbeit abverlangt.
Preisgeld fließt in die Weiterentwicklung des Syndikats
„Eigentum kann eine große Last sein – vor allem, wenn man weder über Wissen, Erfahrung noch Kapital verfügt“, so Pietzka. Das Modell des SauRiassl Syndikats baut dabei nicht auf Bereicherung, sondern auf gemeinschaftliches Eigentum in der Hand der Bewohner und langfristiges Handeln – und dennoch (oder gerade deshalb?) läuft es wirtschaftlich rund: „Der jährliche Termin beim Steuerberater ist immer wieder etwas besonderes für mich: Wenn der sagt, dass es funktioniert, freut es mich natürlich ganz besonders “, so Pietzka. Inzwischen beschäftigt die GmbH neben ihm noch zwei Teilzeitkräfte und einen Minijobber. Das Preisgeld von Meggle kann die SauRiassl GmbH dennoch gut brauchen: für die Weiterentwicklung sowie neue Projekte des Syndikats. Eben das, was durch die kostendeckenden Mieten im Moment noch recht schwer abzudecken ist, denn diese sollen eins bleiben: günstig.
