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Alternatives Wohnen günstig und nachhaltig

SauRiassl Syndikat feiert erfolgreiche Fertigstellung des GenossenschaftsHauses in Altötting

David Pietzka, Ulrike Bubl, Altöttings Bürgermeister Stephan Antwerpen und Marcel Seehuber zum feierlichen Empfang im Hof des neuen Objkets des SauRiassl Syndikats.
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David Pietzka, Ulrike Bubl, Altöttings Bürgermeister Stephan Antwerpen und Marcel Seehuber zum feierlichen Empfang im Hof des neuen Objkets des SauRiassl Syndikats.

Das SauRiassl Syndikat feierte am 15. Mai die Fertigstellung des GenossenschaftsHauses in Altötting. Zusammen mit Vertretern aus der Politik, den Handwerksbetrieben und weiteren geladenen Gästen wurde das Haus besichtigt und auf die unfallfreie Baustelle sowie auf das Ende aufwändiger Sanierungsarbeiten angestoßen.

Altötting – Die Stimmung beim Empfang vor dem GenossenschaftsHaus des SauRiassl Syndikats am 15. Mai war geprägt von Freude, Stolz und auch ein wenig Erleichterung. Nach Jahren der Planung, Sanierung und Organisation konnte die SauRiassl GmbH als Bauherr gemeinsam mit zahlreichen Unterstützern die Fertigstellung der Sanierung des 100-jährigen Hauses in der Trostbergerstraße feiern. In dem weitläufigen Innenhof unter dem neu gedeckten Dach hatten sich Unterstützer, Mitglieder des Vereins sowie Vertreter aus Kommunalpolitik und Handwerk versammelt – gemeinsam mit denen, die dem Haus künftig Leben einhauchen werden: den neuen Bewohnern des GenossenschaftsHauses.

Historischer Bestand trifft moderne Technik

Dass dieses Projekt kein gewöhnliches Wohnhaus ist, wurde beim Rundgang durch das Gebäude schnell klar. „Wir haben das Haus als Geisterbahn übernommen“, sagt David Pietzka, Geschäftsführer der SauRiassl GmbH, mit einem Blick zurück. Die Wohnungen waren verwahrlost, einige voller Schrott und Alt-Mobiliar. Trotzdem fand sich schon am Tag der Übernahme der erste Pionier-Mieter. Heute präsentiert sich das Haus in neuem Glanz – mit einer PV-Anlage auf dem Dach, einem netzdienlichen Stromspeicher mit intelligentem Managementsystem im Keller, einem Warmwasser-Pufferspeicher und einer 6.000 Liter Zisterne zur Nutzung des Regenwassers. Außerdem wird es auf fast 100 Prozent erneuerbarer Basis betrieben. Der KfW Standard des Gebäudes liegt bei KfW 55 – ein Spitzenwert, wenn man bedenkt, dass das Ursprungsgebäude aus dem Jahr 1921 stammt. Die Heizkosten betragen deshalb aktuell nur rund 25 Cent pro Quadratmeter pro Monat.

Die Sanierung des GenossenschaftsHauses in der Trostbergerstraße, Altötting, war ein umfrangreiches Unterfangen.

Dabei stand das Haus ursprünglich vor dem Abriss, denn die Baugenossenschaft Altötting, die das Gebäude 1921 – zu Zeiten großer Wohnungsnot – hat errichten lassen, löste sich auf und die WSGW aus Waldkraiburg übernahm deren Immobilien. Überzeugt vom Konzept für das GenossenschaftsHaus veräußerte die WSGW dieses nach kurzer Verhandlungsphase an die SauRiassl GmbH, ganz dem genossenschaftlichen Gedanken der Gründergeneration folgend.

Das GenossenschaftsHaus vom Hof aus: Hier fand der Empfang zur Fertigstellung am Abend des 15. Mai statt.

Vom Abrissobjekt zum Energie-Vorzeigeprojekt

Das Gebäude umfasst heute – wie vor dem Umbau – 17 Wohnungen, welche umfassend saniert, modernisiert und teils erweitert wurden. Die Treppenhäuser wurden von fünf auf zwei reduziert, was wertvollen Wohnraum freisetzte. In der obersten Etage wurde das bisher nicht ausgebaute Dach angehoben, um Platz für weitere Wohnungen zu schaffen – inklusive der sogenannten Turmwohnung, möglich geworden durch eine Änderung des bayerischen Baurechts. Von dort bietet sich ein freier Blick Richtung Graming. Insgesamt wurde die Wohnfläche von 805 auf 1.156 qm erhöht – ein Plus von 351 Quadratmetern. Dabei wurde es sogar geschafft 300 qm Fläche auf dem Grundstück zu entsiegeln.

„Es war uns wichtig, das Haus in seinem ursprünglichen Charakter zu erhalten“, sagt Ulrike Bubl, Architektin des Projekts. Die Fenster und Türen blieben größtenteils aus Holz, der Boden variiert zwischen Parkett, Fliesen und sichtbarem Ziegel. Auch der verwendete Stahl am Geländer ist unbehandelt, lediglich geölt – das verleiht dem Geländer eine rostige Patina, die sich gleichmäßig über die Jahre verteilt.

In der „Turmwohung“ des GenossenschaftsHauses. Ein echtes Schmuckstück ist das Zimmer im Turm.

Autonom und autofrei: ein Wohnkonzept mit Zukunft

Eine Besonderheit des GenossenschaftsHauses ist das Mobilitätskonzept. Zusätzliche Parkplätze oder eine Tiefgarage wurden nicht gebaut – stattdessen gibt es ein Lastenrad für die Mieter und in den nächsten Wochen ein öffentlich nutzbares Carsharing-E-Auto samt Ladestation. Aufgrund des Mobilitätskonzepts konnte der Stellplatzschlüssel um 25 Prozent reduziert werden. Die Anzahl der Autos, die die Bewohner insgesamt haben dürfen, ist durch eine Verpflichtungserklärung gedeckelt. Wer darüber hinaus ein Auto besitzt, muss andernorts einen Stellplatz nachweisen, z.B. beim benachbarten Supermarkt.

„Interessant wird es, wenn wir dann unser Carsharing-Fahrzeug in das Stromsystem integrieren“, sagt Pietzka. Die Wohnungen im GenossenschaftsHaus sind zwischen 45 und 90 Quadratmeter groß, geeignet für ein bis vier Personen. In sieben Wohnungen wurden Küchen eingebaut, die mit einem kleinen Aufpreis über die Miete abbezahlt werden. Die Miete liegt bei derzeit 9 € kalt und 10,50 € warm – kein sozialer Wohnungsbau, aber trotzdem bezahlbar. Neben der Lastenradnutzung, Freikilometern für das Carsharing und Gästeappartement gibt es auch noch weitere Zuckerl für die Bewohner, wie beispielsweise Gemeinschaftsräume.

So entsteht im Keller aktuell ein Partyraum mit privater Hausbar, dazu gibt es einen Waschraum für alle und einen Technikraum, der das energetische Herzstück des Hauses bildet. Ein Highlight ist die Dachterrasse, ebenso wie der grüne Innenhof mit überdachter Sitzfläche – ein Rückzugsort mitten in der Stadt.

Dank einer Änderung des Baurechts vor einem halben Jahr konnte dieses wunderschöne Zimmer unter dem Turmdach entstehen.

Gemeinschaftlich wohnen und entscheiden

Auch das Miteinander im Haus ist bewusst organisiert: Die Bewohnerinnen und Bewohner haben einen Hausverein gegründet, der sich um die internen Abläufe kümmert – von der Auswahl neuer Mitbewohner bis zu praktischen Alltagsfragen. Regelmäßige Treffen helfen, Herausforderungen frühzeitig zu besprechen und zu lösen. Unterstützt wird der Hausverein dabei vom Quasi-Dachverein „SauRiassl Syndikat e.V.“, der inzwischen über 200 Mitglieder zählt und die Projekte des Netzwerks organisatorisch begleitet.

„Wir wollen mit dem SauRiassl Syndikat Utopien verwirklichen“, sagt Marcel Seehuber, Vorstand des SauRiassl Vereins, der wiederum Gesellschafter der SauRiassl GmbH ist. Dieser ist mit seinen Mitgliedern das bestimmende Entscheidungs- und Kontrollorgan, beschließt den Erwerb neuer Objekte, beruft die Geschäftsführung und organisiert das solidarische Miteinander zwischen den Projekten. Mittlerweile umfasst das Netzwerk sieben Häuser – das GenossenschaftsHaus in Altötting ist das dritte Haus im Besitz der GmbH.

Das Anzapfen zur großen Feier der Fertigstellung gelang fast ohne Schwierigkeiten. David Pietzka und Marcel Seehuber.

Bürgermeister lobt Mut zum nachhaltigen Umbau

Großer Dank ging während der Eröffnungsfeier an die Architektin Ulrike Bubl, die Bauzeichnerin Zahra Ghasemi sowie an die Altöttinger Bau- und Handwerksbetriebe, die das Projekt mit viel Engagement begleitet haben. Auch die Feuerwehr war zweimal im Einsatz – zuletzt nach der Fertigstellung. „Die Baustelle blieb aber zum Glück unfallfrei“, sagt Pietzka nicht ohne Stolz. Insgesamt flossen rund 3,25 Millionen Euro in die Sanierung.

Altöttings Bürgermeister Stephan Antwerpen lobte das Projekt in seiner Ansprache: „Ein gelungenes Beispiel, wie man Bestand rettet und Leerstand verhindert.“ Es sei eine große Herausforderung, 3,5 Millionen Euro in die Hand zu nehmen, und ein solches Sanierungsprojekt umzusetzen. Das Ergebnis könne sich sehen lassen. „Wir können als Stadt stolz darauf sein, dass es so ein Projekt hier gibt“, unterstrich Antwerpen.

Das große Einzugsfest der Bewohner findet am 24. Mai statt. Am 3. Juli folgt eine weitere Veranstaltung des SauRiassl Syndikats zum Thema „Leerstand Aktivieren“ im Ökonomiestadl in der Maria-Ward-Straße, mit Stadtspaziergang und Ausklang im GenossenschaftsHaus. Dann wird wieder gefeiert – nicht nur den gelungenen Abschluss eines Bauprojekts, sondern eine Idee, die das Wohnen in Altötting dauerhaft verändern könnte.

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