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Standorte in Gars, Aschau und Babensham

Aus einer Praxis werden drei: So stellen sich Dr. Attenberger und Sohn aus Gars für die Zukunft auf

Haben sich breit aufgestellt: Dr. Julian Zeiler und Praxisgründer sowie Vater Dr. Hubert Attenberger, hier in ihrer Praxis in Gars am Inn.
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Haben sich breit aufgestellt: Dr. Julian Zeiler (links) und Praxisgründer sowie Vater Dr. Hubert Attenberger, hier in ihrer Praxis in Gars am Inn.

Der Landarzt als „einsamer Wolf“: Das ist ein Auslaufmodell. Wie sich Hausärzte für die Zukunft aufstellen können, zeigen Dr. Hubert Attenberger und Sohn Dr. Julian Zeiler. Über ihr Modell einer Praxis mit drei Standorten in Gars, Aschau und Babensham.

Gars/Aschau am Inn/Babensham – „Für mich ist die Allgemeinmedizin die Königsdisziplin“, sagt Dr. Hubert Attenberger. So sieht es auch sein Sohn, Dr. Julian Zeiler. Er hat Anfang 2025 seine Facharztausbildung für Allgemeinmedizin abgeschlossen. Schon zuvor war er als Arzt in Weiterbildung in der väterlichen Praxis tätig.

Während des Studiums hatte Zeiler zwischenzeitlich mit einer universitären Laufbahn geliebäugelt, sich dann aber bewusst für die hausärztliche Versorgung entschieden – eine Entscheidung, mit der er heute „sehr, sehr glücklich“ ist, wie er sagt. „Wir sind Patientenmanager, wir sorgen dafür, dass sich die Menschen in der heutigen, hoch spezialisierten Medizin und dem Labyrinth der Versorgung nicht verirren.“

Haben sich breit aufgestellt: Dr. Julian Zeiler und Praxisgründer sowie Vater Dr. Hubert Attenberger, hier in ihrer Praxis in Gars am Inn.

Attenberger fing 1989 mit Einzel-Praxis an

Sein Vater hat mal klein und klassisch angefangen: 1989 mit einer Landarztpraxis in Gars am Inn. In den Folgejahren wurde die Praxis sukzessive weiterentwickelt. Heute gibt es drei Standorte: am Traditionssitz in Gars, seit 2017 in Babensham und seit dem 1. Januar 2025 auch in Aschau am Inn. Auch das Team ist kontinuierlich gewachsen – aktuell umfasst es rund 20 Mitarbeitende, darunter sechs Ärztinnen und Ärzte sowie 15 medizinische Fachangestellte, in unterschiedlichen Teil- und Vollzeitmodellen.

Die klassische Einzelpraxis, wie sie früher das Rückgrat der hausärztlichen Versorgung bildete, sei leider zunehmend ein Auslaufmodell – so beobachten es Attenberger und Zeiler. „Allein auf dem Land als Hausarzt zu arbeiten – das ist heute sehr mutig“, sagt Attenberger. Prinzipiell sehen Vater und Sohn diese Entwicklung durchaus kritisch. Ihre Praxis ist in Form eines Praxisnetzwerks darauf ausgelegt, die Ärztinnen und Ärzte organisatorisch zu entlasten und so mehr Zeit für die medizinische Betreuung zu gewinnen.

MVZ und Gemeinschaftspraxen

Im Hinblick auf medizinische Versorgungszentren (MVZ), Gemeinschaftspraxen oder andere Arten ärztlicher Zusammenschlüsse sei aus ihrer Sicht entscheidend, wer dahinterstehe. Zeiler: „Wichtig ist, dass solche Strukturen ärztlich geführt sind – von Kolleginnen und Kollegen, die idealerweise aus der Region kommen, tatsächlich klinisch am Patienten arbeiten und Verantwortung übernehmen.“ Kritisch sehen sie hingegen Konstrukte, in denen renditeorientierte Investoren ohne medizinische Fachkenntnis über Versorgungsangebote entscheiden. Der Fokus müsse auf der Versorgung liegen – nicht auf der Gewinnmaximierung.

Ziel: mehr Zeit für die Patienten

1989, als sich Attenberger niederließ, war die Einzelpraxis das gängige Modell – bei deutlich geringerem bürokratischem Aufwand, wie er sich erinnert. „Die Zukunft gehört mit hoher Wahrscheinlichkeit ärztlichen Kooperationen – etwa durch Zusammenschlüsse an mehreren Standorten und eine enge kollegiale Zusammenarbeit. In einer solchen Struktur finde sich immer jemand zum Austausch, zur gegenseitigen Beratung oder zur fachlichen Rückversicherung“, betonen Attenberger und Zeiler. „Expertise wird gebündelt – und der Patient profitiert: durch mehr Qualität und mehr Zeit“, sagt Zeiler. Auch das medizinische Fachpersonal und die Ärztinnen und Ärzte selbst würden in solchen Netzwerken gewinnen, weil Prozesse effizienter gestaltet und organisatorische Lasten verteilt werden könnten.

Die Praxis von Attenberger und Zeiler ist im ländlichen Landkreis Rosenheim und Mühldorf angesiedelt – ein Gebiet, das von vielen Kolleginnen und Kollegen als weniger attraktiv empfunden wird, vor allem im Schatten des Chiemgaus. „Gerade deshalb ist es für uns eine Herausforderung, als Arbeitgeber innovativ zu bleiben und attraktive Arbeitsbedingungen zu schaffen“, sagen Attenberger und Zeiler. Mit zwei Filialen und angestellten Ärztinnen und Ärzten biete die Praxis flexible Arbeitszeiten und Teilzeitmodelle. Auch die Dienstplanung könne so besser auf individuelle Bedürfnisse abgestimmt werden.

Starker Zulauf zu verspüren

Seit der Eröffnung der dritten Praxis in Aschau am Inn spüren Attenberger und Zeiler einen starken Zulauf. Die Versorgung im Raum Waldkraiburg ist ausgedünnt, und die Nachfrage von Patienten sehr hoch. „Wir müssen die Neuaufnahme leider bremsen – und zwar nicht aus Bequemlichkeit, sondern um die medizinische Qualität unserer Versorgung zu sichern“, betonen Vater und Sohn. In Gars und Aschau gebe es Wartelisten. Für 2026 planen sie, die Kapazität an Sprechzeiten auszubauen, um dann weitere Patienten von der Warteliste aufnehmen zu können.

Sie wollen nach eigenen Angaben den Spagat schaffen: wirtschaftlich arbeiten und gut versorgen. „Wir machen keine Fließband-Taktung bei der Sprechstunde“, sagen sie. Das Gespräch sei wichtig. Haus- und Heimbesuche gehören für Vater und Sohn ebenfalls zum Alltag. Die Patienten auf dem Land seien in aller Regel „sehr nett und dankbar“, doch mittlerweile angesichts der Flut an Gesundheitsinformationen, auch über soziale Netzwerke, oft verunsichert. Der Hausarzt sei als Lotse und Ratgeber noch mehr gefragt als früher, finden Attenberger und Zeiler.

Digitalisierung muss Fahrt aufnehmen

Für die Zukunft der Versorgung wünschen sich Attenberger und Zeiler vor allem eines: weniger Bürokratie und eine Verschlankung der Verwaltungsprozesse. Sie sehen im System als Ganzes noch einige Ineffizienzen, die den Arbeitsalltag erschweren. Wichtig sei, dass die begonnene Digitalisierung – etwa durch die Einführung der E-Patientenakte und der E-Rezepte – weiter an Fahrt gewinne und so zu mehr Entlastung für Ärztinnen, Ärzte und Patienten führe.

Auch bei der Vergütung sehen Attenberger und Zeiler großen Reformbedarf. Die Gebührenordnung sei zum Teil Jahrzehnte alt und honoriere ärztliche Gespräche, Anamnese und körperliche Untersuchung zu wenig – also genau die sorgfältige und qualitativ hochwertige hausärztliche Arbeit, die für eine fundierte Diagnostik entscheidend sei. Stattdessen setze das System oft finanzielle Anreize, die zu einer übermäßigen Nutzung apparativer Diagnostik führen könnten – auch dort, wo sie medizinisch nicht zwingend indiziert ist.

Dr. Zeiler betont: „Viele Beschwerden – etwa ein Schnupfen oder leichtes Ziehen in der Brust – wären zunächst viel besser beim Allgemeinarzt aufgehoben. Dort können sie eingeordnet, oft direkt gelöst und, falls nötig, gezielt an Spezialisten weitergeleitet werden.“

„Doch ich will nicht in das kollektive Jammern des Berufsstandes einstimmen“, betont er. Ihm bereite die Arbeit sehr viel Freude. Mit dem dritten Standort falle es der Praxis leichter, sichtbar zu werden und Personal zu finden. „Ich bin sehr froh, dass wir uns so breit aufstellen konnten und überglücklich, dass mein Sohn mit an Bord ist“, sagt Attenberger. 2026 will er, mittlerweile 72 Jahre alt und noch immer mit Leidenschaft dabei, an Zeiler (32) übergeben.

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