DIVI veröffentlicht besorgniserregende Daten
Alarmierende Zahlen: Keine freien Betten für unsere kranken Kinder
Mal wieder schlagen Deutschlands Intensivmediziner Alarm. Es geht um (freie) Betten für kritisch kranke Kinder auf den Intensivstationen. Eine aktuelle Ad-Hoc-Umfrage würde verdeutlichen, dass die Stationen im Schnitt weniger als ein freies Bett pro Standort zur Verfügung hätten.
Deutschland/Berlin - Eine aktuelle Ad-hoc-Umfrage der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) verdeutlicht abermals Engpässe in der Versorgung kritisch kranker Kinder im Winter. Am Stichtag seien nur 65 Prozent der pädiatrischen Intensivbetten überhaupt in Betrieb gewesen. „Knapp 40 Prozent dieser betreibbaren Betten wurden für Kinder mit schweren RS-Virusverläufen oder anderen saisonal bedingten Infekten benötigt. Insgesamt meldeten die Stationen im Schnitt weniger als ein freies Bett pro Standort“, so steht es in einer Meldung der DIVI. Heißt unter dem Strich: Es gibt keine freien Kapazitäten mehr.
Ad-hoc-Umfrage
Für die Umfrage sind laut DIVI 145 Kinderintensivstationen angeschrieben worden, 91 davon hätten am 2.02.2024 geantwortet.
Abermals Engpässe in der Versorgung
Dies sei vor allem an zwei Punkten auszumachen. Zum einen hätten die Standorte mit eklatantem Pflegemangel sowie akuten krankheitsbedingten Ausfälle des Personals zu kämpfen. Dies sei schon seit einem längeren Zeitraum ein akutes Problem. Schon während Corona wurde immer wieder auf den zum Teil außerordentlichen Mangel an Pflegepersonal aufmerksam gemacht - dies hat sich nicht wirklich geändert. Der jetzt schon eklatante Pflegemangel werde sich demografisch bedingt in absehbarer Zeit nicht ändern, die Situation in der Kinderintensivmedizin spitzte sich von Jahr zu Jahr zu. „Wir brauchen in Deutschland für die Versorgung kritisch kranker Kinder eine grundlegend neue Strategie, die insbesondere zeitnah zu einer spürbaren Verbesserung führt“, unterstreicht deshalb auch DIVI-Präsidiumsmitglied Prof. Sebastian Brenner.
DIVI fordert STIKO zum Handeln auf
Zum anderen werden den Experten zufolge Kinder zu wenig und zu selten geimpft. Die DIVI ist hier allerdings um eine Lösung des Problems in Bezug auf die fehlenden Kapazitäten in den deutschen Kliniken bemüht und ist überzeugt: „Impfungen der Kinder gegen RSV und Influenza würden die begrenzten Ressourcen der Kindermedizin schonen und die kritische Situation im Winter entspannen“, heißt es.
Dazu passend appelliert Professor Florian Hoffmann, Präsident elect der DIVI und Oberarzt im Dr. von Haunerschen Kinderspital der LMU München: „Die Möglichkeiten sind da. Wir müssen sie nur ergreifen!“
In diesem Zusammenhang fordert die DIVI die Ständige Impfkommission (STIKO) auf, nach kritischer Analyse der Datenlage Empfehlungen für RSV- und Influenza-Impfungen für Kinder auszusprechen. In Frankreich, Luxemburg, Spanien und den USA werde bereits seit längerem eine (nasale) Influenza-Impfung für Kinder empfohlen. Zudem würden Säuglinge in den genannten Ländern seit dieser Saison eine nur einmal notwendige passive Immunisierung mit einem neu zugelassenen Passiv-Impfstoff gegen RSV erhalten. Die ersten Ergebnisse aus diesen Ländern seien sehr vielversprechend.
DIVI-Präsident elect Florian Hoffmann fasste zusammen: „Die STIKO ist jetzt gefordert. Durch Impfungen können genau diese raschen Entlastungen realisiert werden!“
DIVI: „Möglichst nicht krank werden, ist die Lösung“
Denn wenn die Kinderintensivmediziner weniger Infekt-Patienten im Winter behandeln müssten, würde das die ohnehin schon knappen Betten-Ressourcen deutlich schonen, so die DIVI. Es gäbe wieder freie Plätze für andere akut oder chronisch erkrankte Kinder.
„Im Sommer sind wir meist schon voll ausgelastet“, berichtet Dr. Ellen Heimberg, stellvertretende Sprecherin der DIVI-Sektion Pädiatrische Intensiv- und Notfallmedizin. „Im Winter werden wir dann durch die Infektionswellen überrollt und müssen kritisch kranke Kinder zum Teil über weite Entfernungen hinweg verlegen!“ Kinder, die dann nicht akut lebensbedrohlich krank sind, müssten zudem hinten anstehen. Auch Operationen würden immer wieder verschoben werden. In der veröffentlichten Pressemitteilung heißt es deshalb wörtlich: „Möglichst nicht krank werden, ist die Lösung“.
Alarmierende Zahlen nach Ad-hoc-Umfrage
Die Stichprobe von Anfang Februar habe bestätigt: 38 der insgesamt 91 rückmeldenden Stationen verfügen über mehr als acht Kinderintensivbetten. Sie würden eigentlich insgesamt 443 Betten stellen können. Aktuell sind es nur 279. Heißt: 37 Prozent der Intensivbetten dort sind gesperrt – im Durchschnitt 2,7 Betten pro Station.
37,2 Prozent dieser Betten seien zum Zeitpunkt der Stichprobe aufgrund von schweren Verläufen akuter Infektionserkrankungen wie RSV und Influenza belegt, in den 53 Kliniken mit weniger als acht Kinderintensivbetten seien mehr als die Hälfte (57,7 Prozent) der 130 betreibbaren Intensivbetten mit Patienten mit saisonal bedingten Viruserkrankungen belegt gewesen.
mz