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Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Wetter-Modelle liefern sich Duell zum Vatertag: 28-Grad-Sommer oder kühlt es komplett ab?
Christi Himmelfahrt steht vor der Tür und die Wettermodelle sind uneins wie selten zuvor. Das lange Wochenende wird zum Wetter-Krimi. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Es kommt wirklich selten vor, dass die Wettermodelle bei einem Termin in zehn Tagen noch so weit auseinanderfliegen. Normalerweise hat sich bis dahin zumindest eine grobe Marschrichtung etabliert. Aber für Christi Himmelfahrt am Donnerstag, den 14. Mai, herrscht in der Modellwelt blankes Chaos. Die zwei führenden Wettermodelle erzählen aktuell zwei komplett verschiedene Geschichten. Und beide sind plausibel.
Wettermodelle uneins wie selten – Variante 1: Omegahoch macht Sommer
Das europäische ECMWF zaubert ein massives Blockadehoch über Mitteleuropa. Sämtliche Atlantiktiefs werden weiträumig nach Norden umgelenkt, bei uns dominiert Sonne pur. In dieser Variante klettern die Temperaturen am langen Wochenende auf 20 bis 25 Grad, in begünstigten Lagen am Oberrhein, im Breisgau oder im Main-Tal sind sogar 27 oder 28 Grad drin. Heißt für die Vatertagstour: Bollerwagen, T-Shirt, kurze Hose, dazu reichlich Sonnencreme. Niederschlag? Fehlanzeige. Die ohnehin schon angespannte Trockenheit würde sich sogar noch verschärfen.
Variante 2 für das Wetter in Deutschland: Eisheilige knallen mitten rein
Das amerikanische GFS-Modell geht den exakten Gegenweg. Das Hoch verlagert sich nach Westen, parkt sich über Großbritannien fest und reißt zwischen Skandinavien und Mitteleuropa eine Lücke auf, durch die polare Kaltluft direkt zu uns einströmt. Pikant dabei: Die Eisheiligen laufen vom 11. bis 15. Mai – und damit punktgenau über das lange Wochenende. Wenn diese Variante eintritt, sehen wir Höchstwerte von gerade einmal 12 bis 16 Grad, dazu Schauer, lebhaften Nordwestwind und nachts einstellige Werte. In Mulden- und Tallagen Süddeutschlands ist sogar Bodenfrost wieder ein Thema. Für die Landwirtschaft, gerade für Obstbauern, wäre das ein echter Schock.
In Deutschland selten, aber möglich: Die faszinierendsten Wetterphänomene
Ich tendiere aktuell leicht in Richtung der kühleren Variante. Die Großwetterlage über dem Nordatlantik liefert seit Wochen ein Muster, das immer wieder Polarluft nach Süden drückt. Dazu kommt: Wir liegen im Mai bereits fast drei Grad über dem Mittel. Statistisch wäre ein Dämpfer fast überfällig. Endgültig entschieden ist aber nichts. Bei zehn Tagen Vorlauf können sich die Berechnungen mit jedem neuen Modelllauf um 180 Grad drehen. Die nächsten 48 bis 72 Stunden werden zeigen, ob die Vatertagstour im T-Shirt oder mit Wollpullover stattfindet. Eines steht jedenfalls fest: Langweilig wird das Wetter zu Christi Himmelfahrt sicher nicht.