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Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Während viele die Sonne genießen: Deutschlands Böden so trocken wie sonst im Hochsommer
Sonne satt, Frühling pur – aber unter der Oberfläche ist Deutschland längst ausgetrocknet. Das hat es so seit 1991 nicht gegeben. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Sonnenschein, T-Shirt-Wetter, blühende Gärten. Der April zeigt sich von seiner schönsten Seite, und viele genießen jeden warmen Tag in vollen Zügen. Doch hinter dieser Postkartenfassade liegt ein Boden, der jetzt schon so trocken ist wie sonst erst im Hochsommer.
Es staubt gewaltig auf Deutschlands Ackerboden – die Waldbrandgefahr (rechts) steigt in den nächsten Tagen rasant an, der Boden ist oin vielen Landesteilen sehr trocken (links).
Wir reden hier nicht über schlechte Laune in der Landwirtschaft, sondern über die Folgen einer fast halbjährigen Schönwetter-Phase, die uns noch lange beschäftigen wird.
Wetter sieht nach Frühling aus, ist aber längst Dürre – drei trockene Monate hintereinander
Schon der Winter brachte uns nur rund 71 Prozent des üblichen Niederschlags. Dezember und Januar fielen knochentrocken aus, der etwas nassere Februar reichte nicht, um das Defizit auszugleichen. Der März legte nach: 2,8 Grad über dem langjährigen Mittel, in Berlin gerade einmal 10 Liter Regen pro Quadratmeter, in Brandenburg 15.
Mitte des Monats sprang die Waldbrandgefahrenstufe vielerorts auf 4 von 5 – ein Wert, den man sonst im Hochsommer kennt. Im April geht es nahtlos weiter: 41 Prozent der üblichen Regenmenge sind bisher zusammengekommen, in einigen Regionen sogar weniger.
Wetter-Prognose: Zwölf uralte Bauernregeln, auf die Generationen schwören
Jetzt zum eigentlichen Knaller. Im sachsen-anhaltinischen Harzgerode liegt die Bodenfeuchte aktuell unter dem Wert, den wir sonst Mitte August messen. Mitte August. So etwas hat es seit Beginn der Messungen dort 1991 noch nie gegeben. Und Harzgerode ist kein Ausreißer: Über weite Teile Ostdeutschlands sind die Böden bis in 1,80 Meter Tiefe ausgetrocknet. Zur Erinnerung: 2025 lieferte das trockenste Frühjahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Deutschland. 2026 ist gerade dabei, diesen Rekord zu kassieren.
Wer auf den Mai hofft, wird enttäuscht
Das Blockadehoch über dem Atlantik sitzt fest wie einbetoniert. Bis Anfang Mai zeigen die Wettermodelle flächendeckend trockenes Wetter, danach im besten Fall ein paar Schauer. Nicht der ergiebige Landregen, den Felder, Wälder und Grundwasserspeicher jetzt dringend brauchen. Für Landwirtschaft, Gärtner und Forstbetriebe wird das teuer.
Schon im Vorjahr meldeten Bauern Millionen-Ausfälle, Waldbrandschützer rüsten auf, und in mehreren ostdeutschen Gemeinden ist das nächste Beregnungsverbot bereits im Gespräch. Wer Wert auf Blumen, Hecken oder Bäume legt, fängt jetzt mit dem Wässern an. Nicht erst, wenn die Blätter braun werden.