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Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Schwere Unwetter setzen sich über Deutschland fest: Starkregen, Hagel und sogar eisige Polarluft drohen
Erste kräftige Gewitter rollen an, das Unwetterpotenzial steigt rasant – drohen ausgerechnet im Mai sogar Tornados? Was jetzt auf uns zukommt. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Endlich tut sich was am Himmel über Deutschland! Ein Höhentief hat sich quasistationär festgesetzt und sorgt von Dienstag bis Donnerstag für kräftige Schauer und teils unwetterartige Gewitter, im Schwerpunkt zwischen Köln und Berlin, später dann auch über Süddeutschland. Lokal drohen Starkregen, Hagel und kräftige Sturmböen. In einigen Regionen droht sogar eisige Polarluft. Und die Frage, die mir dutzendweise in die Mailbox flattert: Kann da auch ein Tornado dabei herauskommen?
Ganz klares Ja. Die statistisch heißeste Phase für deutsche Wirbelstürme beginnt im Mai und reicht bis in den August, mit dem Höhepunkt im Juni und Juli. Pro Jahr werden hierzulande nach aktuellen Auswertungen rund 50 Tornados registriert, früher schätzte man nur 10 bis 20. Die meisten sind schwächere F0- oder F1-Wirbel über offenem Land.
Tornado-Gefahr im Mai: Was Meteorologen wirklich sagen
Aktuell fehlt aber noch die kräftige Höhenwindscherung – ohne die rotiert keine Gewitterzelle richtig durch. Die Tornado-Wahrscheinlichkeit ist also vorhanden, aber nicht erhöht. Eine Wasserhose über Nord- oder Ostsee halte ich für deutlich wahrscheinlicher als einen Tornado über Land.
Warum hört man neuerdings ständig von Tornados? Berechtigte Frage. Tornados gab es in Deutschland schon immer – die Pforzheim-Katastrophe von 1968 war ein F4, Bützow 2015 ein F3. Was sich geändert hat, ist die Dokumentation. Jeder hat heute ein Smartphone, jeder Funnel wird gefilmt und auf Social Media verbreitet.
In Deutschland selten, aber möglich: Die faszinierendsten Wetterphänomene
Starkregen, Hagel, Sturmböen: Das ist die echte Gefahr beim Mai-Unwetter
Dazu kommen ehrenamtliche Sturmjäger und ein dichtes Meldenetzwerk – plötzlich landen Wirbel in der Statistik, die früher schlicht niemand mitbekommen hat. Die gefühlte Häufung ist vor allem eine bessere Erfassung. Dass Klimawandel und eine energiereichere Atmosphäre langfristig zusätzlich mitspielen, ist möglich, aber wissenschaftlich noch nicht abschließend belegt.
Konzentriert euch auf das, was wirklich brenzlig wird: Starkregen, lokale Überflutungen, Hagel und Sturmböen. Das ist die echte Gefahr dieser Wetterlage. Ein Tornado? Eher unwahrscheinlich, aber niemals komplett ausgeschlossen. Wachsam bleiben – und den Wetterbericht regelmäßig checken!