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Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Bittere Prognose: Wetter-Modell zeigt 200-Liter-Schreck – doch die Zahlen haben einen Haken
Das US-Wettermodell rechnet für die nächsten zwei Wochen mit gewaltigen Regenmassen über Deutschland. Doch bei den Spitzenwerten ist Vorsicht angebracht. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Bis zum 20. Mai sollen über weiten Teilen Deutschlands gewaltige Regenmengen niedergehen – und das Modell langt vor allem im Süden so richtig zu. Doch Vorsicht: Beim genaueren Hinsehen wackelt die Sache gewaltig.
Mai-Wetter dreht komplett durch – aus Sahara wird angeblich Sintflut
Besonders heftig erwischt es nach aktueller Berechnung den Alpenrand sowie Teile Bayerns und Baden-Württembergs. Punktuell rechnet das Modell dort mit über 200 Litern pro Quadratmeter in 16 Tagen – das wäre mehr als das Doppelte des üblichen Mai-Solls. Auch die Mittelgebirge bekämen ordentlich etwas ab. Ganz anders das Bild im Norden: An der Ostsee und in Teilen Mecklenburgs landen nach diesen Berechnungen teilweise nur magere 30 bis 50 Liter. Klingt nach einer klaren Sache – ist es aber nicht. Dennoch: Winzern und Obstbauern drohen Millionenschäden.
Wetter-Prognose: Zwölf uralte Bauernregeln, auf die Generationen schwören
Und genau hier kommt der Haken: 16 Tage sind in der Wetterprognose eine halbe Ewigkeit. In diesem Zeitfenster hat ein einzelner Modelllauf praktisch keine verlässliche Aussagekraft mehr – ab Tag sieben spricht man eigentlich nur noch von einer Trendindikation, nicht mehr von einer echten Vorhersage. GFS ist zudem dafür bekannt, im Langfristbereich beim Regen gerne deutlich zu übertreiben. Solche extremen Spitzenwerte von 200 Litern sind in den allermeisten Fällen reine Modell-Ausreißer, die im nächsten Lauf schon wieder verschwinden können. Der Blick auf das Ensemble – also den Mittelwert aus vielen parallelen Berechnungen – fällt deutlich zahmer aus.
Was wirklich dran ist
Belastbar ist eigentlich nur die Tendenz: Das blockierende Omega-Hoch wird wohl irgendwann abgebaut, der Atlantik öffnet sich wieder, und feuchtere Luft kommt nach Mitteleuropa zurück. Dass der Süden dabei mehr abbekommt als der Norden, passt zur Wetterlage. Ob daraus tatsächlich eine Sintflut wird oder doch nur ein paar normale Schauertage – das steht in den Sternen. Die Eisheiligen Mitte Mai schauen jedenfalls schon um die Ecke.