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Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung

Mai-Schreck 2026: Warum der Regen jetzt das ganze Sommer-Wetter mitreißen könnte

Der Mai versinkt regional im Regen, kalte Luft drückt rein, von Frühsommer keine Spur. Wird deshalb nun auch der Sommer 2026 zum Reinfall? Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.

Ehrlich gesagt – so richtig in Schwung will der Mai 2026 einfach nicht kommen. Statt warmer Südströmung, blühender Felder und lauer Abende erwischt uns immer wieder feucht-kühle Luft vom Atlantik. In manchen Regionen liegen die Niederschlagsmengen schon jetzt deutlich über dem klimatologischen Mittel, in anderen ist es zumindest spürbar kühler als gewohnt.

Die Regensummen bis Dienstag (12. Mai). Der Monat wird immer nasser – ein Zeichen für den Sommer?

Da liegt die Frage natürlich auf der Hand: Wenn der Mai schon so danebenliegt – was bedeutet das für Juni, Juli, August? Kippt damit gleich der ganze Sommer?

Bauernregeln im Mai: Was steckt wirklich dahinter?

Die alten Sprüche kennt jeder: „Ist der Mai kühl und nass, füllt‘s dem Bauern Scheun und Fass.“ Klingt schön, ist aber wissenschaftlich kaum haltbar. Wenn ich mir die statistischen Auswertungen der letzten Jahrzehnte anschaue, zeigt sich: Eine direkte Kopplung zwischen Mai- und Sommerwetter gibt es schlichtweg nicht.

Es gab Jahre mit verregnetem Mai und brütender Hitze ab Juni – und genauso andersherum. Die Atmosphäre „vergisst“ nach ein paar Wochen, wie sie vorher tickte. Großwetterlagen verschieben sich, neue Strömungsmuster setzen sich durch.

In Deutschland selten, aber möglich: Die faszinierendsten Wetterphänomene

Eine Superzelle am Himmel.
Superzellen gehören zu den gefährlichsten Gewitterformen in Europa und können schwere Windböen, große Hagelkörner und Tornados hervorbringen. Diese rotierenden Gewitterzellen entstehen durch extreme Temperaturunterschiede und starke Windscherung. In Deutschland treten sie besonders häufig in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen auf, wobei der rotierende Aufwind über mehrere Stunden bestehen bleiben kann. © IMAGO / Panthermedia
Katastrophale Unwetter sind in den Nachmittagsstunden über das Erzgebirge hinweg gezogen
Superzellen können durch ihre extremen rotierenden Aufwinde besonders große Hagelkörner produzieren, die teilweise Tennisballgröße erreichen. Die Eisbrocken entstehen, wenn Wassertröpfchen mehrfach im Aufwind nach oben getragen und gefroren werden. In Deutschland treten solche Extremereignisse vor allem im Sommer auf und können massive Schäden anrichten. © Bernd März/Imago
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Tornados sind in Deutschland keineswegs selten – regelmäßig ziehen die Wirbelstürme vor allem durch Nord- und Mitteldeutschland. Sie entstehen meist aus Superzellen mit rotierenden Aufwinden und haben selten eine Lebensdauer von mehr als wenigen Minuten. Besonders in den Sommermonaten steigt die Gefahr dieser Extremereignisse, die Windgeschwindigkeiten von über 200 km/h erreichen können. © IMAGO
Unwetter-Alarm in Deutschland: Sturmtief Jitka ist im Anmarsch. Der DWD warnt vor einer „ausgewachsenen Sturmlage“ am Mittwoch (24. Januar).
Orkane bezeichnen extreme Windgeschwindigkeiten ab 118 km/h (Windstärke 12 auf der Beaufort-Skala) und entstehen meist aus Sturmtiefs über dem Atlantik. Schwere Winterstürme treten statistisch etwa alle zehn Jahre auf, wobei extreme Orkane wie Lothar oder Kyrill seltener vorkommen. Die gewaltigen Windkräfte knicken Bäume wie Streichhölzer um, decken Dächer ab und verursachen regelmäßig Schäden in Milliardenhöhe. © IMAGO/Christian Ohde
Blitze über einem Wohnblock in der Nacht.
Gewitter mit intensiver Blitzaktivität treten besonders im Sommer auf, wenn warme, feuchte Luft auf kältere Luftmassen trifft. Deutschland verzeichnet jährlich mehrere Millionen Blitzeinschläge, wobei die Entladungen Spannungen von bis zu 100 Millionen Volt erreichen können. Ein einziger Blitz kann heißer als die Sonnenoberfläche werden. © Panthermedia/Imago
Nach den kühleren Tagen ist der Sommer zurück jedoch mit Abstrichen. Böenfront und Starkregen
Eine Böenfront ist ein großräumiges, linienförmiges Gewittersystem, bei dem sich an der Vorderseite ständig neue Gewitterzellen bilden und extreme geradlinige Windböen verursachen. Diese Systeme können mehrere hundert Kilometer lang werden und über Stunden andauern. In Deutschland sind solche Böenfronten zwar seltener als in den USA, können aber bei ihrem Durchzug schwere Sturmschäden in breiten Schneisen hinterlassen. © IMAGO/Bernd März
Eine so genannte „Shelf Cloud“, zu Deutsch: Böenwalze, rollt angetrieben vom starken Föhn über das Alpenvorland.
Shelf Clouds sind horizontale, walzenförmige Wolkenformationen am Rand einer herannahenden Gewitterfront. Sie markieren die Grenze zwischen kalter Gewitterluft und warmer Umgebungsluft und können sich über Dutzende Kilometer erstrecken. Das imposante Schauspiel kündigt oft heftige Unwetter mit Starkregen und Sturmböen an. © Hartl/Imago
Gewitter vom 05.09.2025 bei Hövel Fallstreifen (Virga) im Sonnenuntergang
Fallstreifen, auch Virga genannt, bezeichnet Niederschlag, der aus einer Wolke fällt, aber den Boden nicht erreicht. Die Regentropfen oder Schneeflocken verdunsten in trockener Luft unterhalb der Wolke und hinterlassen charakteristische, vorhangähnliche Schleppen am Himmel. Dieses eindrucksvolle Wetterphänomen ist besonders an heißen Sommertagen zu beobachten und zeigt sehr trockene Luftschichten an. © IMAGO/Chantal Anders
Koeln, Deutschland, 14.07.2021: Der Rheinboulevard in Köln Deutz ist durch das Hochwasser des Rheins überschwemmt. Hoch
Extremer Dauerregen lässt Flüsse wie Elbe, Rhein oder Donau regelmäßig über die Ufer treten. Die Wassermassen können ganze Ortschaften unter Wasser setzen und verursachen Schäden in Milliardenhöhe. Solche Hochwasserereignisse werden durch den Klimawandel voraussichtlich häufiger und intensiver. © Juergen Schwarz via www.imago-images.de
Wellen prallen auf Steine entlang der Ostseeküste.
Bei Sturmtiefs in Kombination mit Springflut kann es an Nord- und Ostsee zu gefährlichen Sturmfluten kommen. Meterhohe Wellen bedrohen Küstenregionen und Inseln, wobei der Wasserstand mehrere Meter über dem normalen Hochwasser liegen kann. Historische Sturmfluten haben in Norddeutschland immer wieder zu Katastrophen geführt. © IMAGO / Susanne Hübner
Starkregen auf der Autobahn
Starkregen: Wenn innerhalb kürzester Zeit extreme Niederschlagsmengen fallen, können Kanalisationen die Wassermassen nicht mehr aufnehmen. Besonders in urbanen Gebieten führt dies zu gefährlichen Situationen, bei denen Straßen zu reißenden Flüssen werden. Keller werden überflutet, parkende Autos weggespült und Unterführungen zu tödlichen Fallen. © Wolfgang Maria Weber/Imago
Staubteufel auf einer Baustelle in Essen.
Staubteufel, auch Kleintromben genannt, sind kleine Wirbelwinde, die besonders an heißen Sommertagen über trockenen, offenen Flächen wie Baustellen, Feldern oder Parkplätzen entstehen. Im Gegensatz zu Tornados stehen sie nicht in Verbindung mit Gewitterwolken, sondern bilden sich durch aufsteigende heiße Luftblasen am Boden. In Deutschland treten wahrscheinlich Hunderte bis Tausende dieser meist harmlosen Staubwirbel pro Jahr auf, die nur wenige Sekunden bis mehrere Minuten bestehen bleiben. © Gottfried Czepluch/IMAGO
Mammatus Wolken ein seltenes Naturschauspiel ziehen am Dienstag 21 10 2014 über Saarbrücken
Mammatus-Wolken: Diese spektakulären, beutelförmigen Wolkenformationen entstehen, wenn kalte Luft aus dem Gewitteramboss nach unten sinkt und sich dabei charakteristische Säcke bilden. Mammatus-Wolken sind oft ein Zeichen für besonders intensive Gewitter und können über mehrere Stunden am Himmel sichtbar bleiben. Der Anblick wirkt surreal und fast außerirdisch. © IMAGO
Eine unheimliche Lichtstimmung: Eine Sahara-Staubwolke verdunkelt den Himmel über München.
Sahara-Staub über Deutschland: Wenn warme Luftmassen aus Nordafrika nach Mitteleuropa strömen, transportieren sie mineralischen Sahara-Staub über tausende Kilometer mit. Der Staub legt sich wie ein Filter vor die Sonne und erzeugt spektakuläre orangefarbene bis rötliche Lichtstimmungen. Gleichzeitig wirkt der Himmel häufig milchig oder leicht getrübt, selbst wenn kaum Wolken vorhanden sind.  © IMAGO/Rolf Poss
Sahara-Staub auf einem schwarzen Auto im Frühling 2022 im Siegerland. (Archivfoto)
Das Phänomen „Blutregen“ entsteht, wenn Regentropfen sich während einer Saharastaub-Welle mit den feinen Partikeln vermischen. Die Niederschläge hinterlassen charakteristische rotbraune Schlieren auf Autos, Fenstern und Gartenmöbeln. Dieser Effekt tritt mehrmals jährlich in Deutschland auf und ist ein beeindruckendes Zeichen für den atmosphärischen Ferntransport von Partikeln. © Rene Traut/Imago
Massiver Eisregen hat in Bayern und hier vor allem in Oberfranken zu zahlreichen Problemen geführt. Auf einigen Strecken
Eisregen entsteht, wenn unterkühlte Regentropfen auf gefrorenen Boden oder kalte Oberflächen treffen und dort sofort gefrieren. Straßen verwandeln sich in lebensgefährliche Eisflächen, Bäume werden von zentimeterdicken Eispanzern überzogen. Besonders im Winter sorgt dieses Wetterphänomen für zahlreiche Unfälle und kann ganze Regionen zum Erliegen bringen. © IMAGO / Bernd März
Der Winter hat Bayern bereits fest im Griff. Bald soll es aber neuen Schnee und noch niedrigere Temperaturen geben. (Symbolbild)
Wenn Schnee und Sturm zusammentreffen, wird es dramatisch: Schneestürme mit Windgeschwindigkeiten ab 75 km/h und meterhohen Verwehungen sind in Deutschland selten – schwere Ereignisse wie 1978/79 oder 2010 ereignen sich nur alle 10 bis 20 Jahre. Die meisten Winterstürme vom Atlantik bringen Regen statt Schnee, doch bei polarer Kaltluft kann die Sicht binnen Minuten auf wenige Meter sinken. Die extremste Steigerung, der Blizzard mit besonders starken Winden und extrem eingeschränkter Sicht, tritt hierzulande nur äußerst selten auf. © IMAGO / Anadolu Agency
Rissiger, ausgetrockneter Boden, wasserloser Forggensee im Frühling,, dahinter Tegelbergmassiv und Säuling,
Hitzewelle mit Trockenrissen: Längere Hitzeperioden mit Temperaturen über 35 Grad lassen den Boden austrocknen und aufbrechen. Tiefe Risse entstehen, wenn dem Erdreich das Wasser entzogen wird und es schrumpft. Landwirtschaftliche Flächen leiden massiv unter der Dürre, Ernten fallen aus und die Waldbrandgefahr steigt extrem. © IMAGO/Walter G. Allgöwer
Halo-Erscheinung mit Zirkumzenitalbogen und Nebensonnen auf dem Weg zum Fichtelberg am Hotel Sachs.
Halos um die Sonne entstehen, wenn Sonnenlicht an Eiskristallen in hohen Cirrus-Wolken gebrochen und reflektiert wird. Der häufigste Effekt ist ein leuchtender 22-Grad-Ring um die Sonne, seltener treten auch sogenannte Nebensonnen auf. In Kombination mit anderen atmosphärischen Bedingungen können komplexe Lichtmuster am Himmel entstehen. © Hanke / IMAGO
Polarlichter über Baden-Württemberg.
Bei starken Sonnenstürmen können Polarlichter ausnahmsweise auch in Mitteleuropa sichtbar werden. Geladene Teilchen der Sonne interagieren mit der Erdatmosphäre und erzeugen grüne, violette oder rote Lichterscheinungen am Nachthimmel. Polarlichter sind streng genommen kein Wetterphänomen, sondern ein geophysikalisches Phänomen durch Sonnenaktivität. In Deutschland ist dies ein extrem seltenes Ereignis, das nur bei besonders starker Sonnenaktivität auftritt.  © IMAGO/Alexander Wolf

Was die Langfristmodelle aktuell zeigen

Spannender ist der Blick auf die Saisonprognosen. Die aktuellen Läufe von ECMWF und NOAA CFSv2 deuten weiterhin auf einen überdurchschnittlich warmen Sommer 2026 hin – vor allem im Süden und Südosten Deutschlands. Auch NASA GEOS-5 und der Copernicus-Konsens stützen diesen Trend.

Allerdings: Bei der Niederschlagsverteilung zeigen die Modelle ordentlich Streuung. Mein persönlicher Eindruck: Wir bekommen wieder einen „Zickzack-Sommer“ mit heißen Phasen, schwülen Gewittertagen und kurzen Atempausen dazwischen. Mit dem nassen Mai hat das aber rein gar nichts zu tun.

Der Mai ist kein Kompass für den Sommer – Punkt. Wer jetzt schon Hitzewellen, Dürreszenarien oder Dauerregen prophezeit, nur weil es gerade nass und kühl ist – der orakelt, der prognostiziert nicht. Ich bleibe bei meiner Einschätzung für die kommenden Monate: warm, durchwachsen, gewitterträchtig, mit klaren Hitzespitzen vor allem ab Juli. Der Sommer kommt. Ganz sicher sogar – und vermutlich heißer, als manchem lieb ist. Zunächst setzt sich ein schweres Unwetter über Deutschland fest.

Rubriklistenbild: © METEORED/www.daswetter.com

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