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Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Forscher-Warnung: Wetterphänomen kommt 2026 immer sicherer – der eigentliche Knaller folgt erst im Winter
Im tropischen Pazifik vollzieht sich gerade eine drastische Umkehr. Ein altbekanntes Klimaphänomen könnte Sommer und Winter völlig auf den Kopf stellen. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Die Lage im äquatorialen Pazifik hat sich in den vergangenen Wochen rasant verändert. Nach Auswertung der jüngsten NOAA-Daten ist die letzte La-Niña-Episode endgültig beendet, die Meeresoberflächentemperaturen pendeln sich aktuell auf einem neutralen Niveau ein. Doch das wird nicht lange so bleiben. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 61 Prozent geht das US-Klimazentrum davon aus, dass bereits zwischen Mai und Juli ein neuer El Niño entsteht und mindestens bis zum Jahresende anhält.
Auch die Langfristmodelle des ECMWF und der Copernicus-Klimadienst (C3S) zeigen einen klaren Trend in dieselbe Richtung. Unter der Wasseroberfläche hat sich bereits eine massive Wärmewelle aufgebaut, eine sogenannte Kelvin-Welle, die das Oberflächenwasser in den kommenden Wochen weiter anheizen dürfte.
Pazifik kippt - das System steht vor einer Wende: Was das für den Sommer in Deutschland bedeutet
Für Europa bleibt die Umstellung nicht ohne Folgen, auch wenn sie zeitverzögert einsetzt. Die Weltorganisation für Meteorologie rechnet im Drei-Monats-Zeitraum Mai bis Juli mit überdurchschnittlich hohen Temperaturen nahezu weltweit, besonders ausgeprägt in Europa und Nordafrika. Konkret bedeutet das für Deutschland: Nach den kühlen und nassen Schauerlagen rund um die Eisheiligen und Christi Himmelfahrt dürfte sich die Atmosphäre über dem Kontinent ab der zweiten Junihälfte spürbar aufheizen.
Die zusätzliche ozeanische Wärmeenergie pumpt mehr Feuchtigkeit in die Luftmassen, was im Zusammenspiel mit den ohnehin rekordwarmen Atlantik- und Mittelmeertemperaturen zu einem Doppeleffekt führt. Hitzeperioden werden intensiver, Gewitter und Starkregenereignisse heftiger – das klassische Muster der vergangenen El-Niño-Jahre.
Wetter-Prognose: Zwölf uralte Bauernregeln, auf die Generationen schwören
Wirklich spannend wird es ab dem Herbst. In den aktuellen Modellläufen aus den USA zeichnet sich ab, dass sich der neue El Niño nicht nur entwickeln, sondern möglicherweise zu einem Super-El-Niño anwachsen könnte, vergleichbar mit den Extremereignissen 1997/98 und 2015/16. Allein zwischen 2020 und 2026 gab es fünf La-Niña-Phasen und nur einen einzigen schwachen El Niño. Die im Pazifik aufgestaute Energie hat ein gewaltiges Potenzial – und die könnte sich nun mit voller Wucht entladen.
Für Mitteleuropa hieße das: ein deutlich milderer Winter 2026/27 mit häufigen Atlantik-Tiefs, dafür aber eine erhöhte Gefahr für extreme Niederschlagsereignisse und Sturmlagen. Endgültige Klarheit liefert das nächste WMO-El-Niño-Update Ende Mai – dann sollten die Modelle die sogenannte Frühjahrs-Vorhersagebarriere überwunden haben.