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Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Pazifik-Riese formiert sich: NOAA sieht 61 Prozent Wahrscheinlichkeit für Wetter-Ereignis durch Super-El-Niño
Der Pazifik brodelt. Ein Super-El-Niño kündigt sich an und treibt die globalen Temperaturen voraussichtlich auf Rekordniveau. Auch in Deutschland? Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Im äquatorialen Pazifik spielt sich derzeit Bemerkenswertes ab. Nach einer abklingenden La-Niña-Phase zeigen die Satellitendaten seit Ende Februar kräftige westliche Windstöße, die warmes Oberflächenwasser Richtung Südamerika drücken. Unter der Meeresoberfläche hat sich in den oberen 300 Metern ein Wärmevorrat aufgebaut, wie er zuletzt vor den Super-Ereignissen 1997/98 und 2015/16 des Wetter-Phänomens registriert wurde.
Die amerikanische Wetterbehörde NOAA beziffert die Wahrscheinlichkeit für ein El-Niño-Ereignis bis zum Frühsommer auf 61 Prozent. Für einen sehr starken Verlauf bis Jahresende liegt die Chance bei 25 Prozent.
Wann aus El Niño ein „Super“ wird: Das brodelnde Herz des Pazifiks
Von einem Super-El-Niño spricht man in der Fachwelt erst, wenn die Meeresoberflächentemperatur in der Region Niño 3.4 um mehr als 2,0 Grad über dem langjährigen Mittel liegt. Seit 1950 gab es nur eine Handvoll solcher Ereignisse. Das letzte war 2015/16 und führte damals dazu, dass 2016 zum wärmsten Jahr seit Beginn der Messungen wurde. Die aktuellen Modelläufe von ECMWF, Met Office und Météo-France zeichnen eine ähnlich kräftige Entwicklung, die Streuung ist auf diesem Vorlaufniveau aber noch groß. Entscheidend bleibt, wie stabil die westlichen Windböen in den kommenden Wochen weiterwehen.
Und was spürt Deutschland davon?
Hier muss man ehrlich sein: Europa ist der am schwächsten von El Niño betroffene Kontinent. Der Nordatlantik und die Nordatlantische Oszillation (NAO) dominieren unser Wetter so stark, dass das pazifische Signal bei uns meist im Rauschen untergeht. Das sagen auch DWD und MeteoSchweiz klar. Die Auswertung der vergangenen El-Niño-Winter über Deutschland zeigt: Von 15 Ereignissen waren acht zu warm, zwei normal und fünf zu kalt. Eine belastbare Tendenz ergibt das nicht. Spürbar wird der Super-El-Niño bei uns eher indirekt, nämlich über die globale Mitteltemperatur (plus 0,1 bis 0,2 Grad), über Ernteausfälle in Asien, Afrika und Südamerika und über höhere Preise im Supermarkt.
Tornados, Wüstenstürme, Zyklone: Wetterphänomene, die Sie kennen sollten
Ein Super-El-Niño ist ein planetares Großereignis, aber keine Wetter-Katastrophe für Mitteleuropa. Ob er 2026 tatsächlich entsteht, entscheidet sich bis Juli. Beobachtet werden aktuell Passatwinde, Subsurface-Temperaturen und die Walker-Zirkulation. Die Richtung stimmt. Am direkten Deutschland-Wetter wird sich wenig ändern.