Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies.
Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu.
Weitere Informationen
Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.
Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für
. Danach können Sie gratis weiterlesen.
Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.
Kolumne vom Meterologen Dominik Jung
Super El Niño bahnt sich an, mit weltweitem Schadenspotenzial – auch in Europa
Im Pazifik baut sich ein Wärmepotenzial auf, das laut NOAA eine 61-prozentige Wahrscheinlichkeit für El-Niño-Bedingungen hat. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Seit Jahresbeginn registrieren Messbojen des internationalen TAO/TRITON-Netzwerks auffällig warme Wassermassen in Tiefen bis 300 Meter, die sich in Richtung der südamerikanischen Küste verlagern. Gleichzeitig schwächeln die äquatorialen Passatwinde messbar – ein klassisches Vorzeichen der ENSO-Warmphase.
Der NINO3.4-Index, das entscheidende Referenzmaß im zentralen äquatorialen Pazifik, hat die neutrale Zone erreicht und zeigt einen robusten Aufwärtstrend. Die Frühjahrsbarriere – die notorisch schwierige Vorhersageperiode von März bis Juni – erschwert präzise Langfristaussagen, doch der wissenschaftliche Konsens ist eindeutig: Ein El-Niño-Ereignis in diesem Jahr gilt als wahrscheinlich.
Global massive Folgen – regional aber differenziert
Ein starkes El-Niño-Ereignis verändert das globale Zirkulationsmuster erheblich. Die Walker-Zirkulation – das tropische Antriebssystem der planetaren Atmosphäre – schwächt sich ab, was den Jetstream über dem Nordpazifik nach Süden drückt und Sturmbahnen weltweit verschiebt.
Hier ist meteorologische Präzision gefragt: Der direkte teleconnective Einfluss von El Niño auf Mitteleuropa ist physikalisch schwach. Europa liegt, atmosphärisch gesehen, am Ende einer langen Signalkette. Das pazifische Signal wird auf dem Weg über Nordatlantik und Jetstream durch die eigene, starke atlantische Variabilität weitgehend überlagert. Wenn überhaupt, erhöht El Niño die Wahrscheinlichkeit für eher nasse und kühle Phasen in Zentraleuropa – nicht für Hitzesommer. Man kann sogar sagen: Das El-Niño-Signal ist in Deutschland so schwach, dass es kaum aus dem normalen Wetterrauschen heraussticht.
Dennoch wäre Entwarnung falsch. Indirekte Effekte sind real: Erhöhte Nordatlantik-Meerestemperaturen in Kombination mit einem El-Niño-Signal können die Wahrscheinlichkeit für anomal warme Sommer in Mitteleuropa statistisch erhöhen. Extremwetterereignisse wie Starkregen oder Hitzewellen – die Art von Ereignis, die 2021 das Ahrtal verwüstete – entstehen nicht durch El Niño, sondern durch blockierende Großwetterlagen in Kombination mit dem durch den Klimawandel erhöhten Energieniveau der Atmosphäre.
Ein Super-El-Niño würde dieses Energieniveau weiter anheben und damit das Schadenspotenzial solcher Ereignisse global und auch regional verschärfen – ohne dass man seriöserweise von einem direkten Kausalzusammenhang sprechen könnte.