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Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Polarfront im Anmarsch: Deutet der mögliche Wetter-Sturz Mitte November auf einen harten Winter hin?
Was bedeutet der Wettersturz für den Winterverlauf? Experten warnen vor voreiligen Schlüssen – und verweisen auf 2010. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Hamm – In der kommenden Woche könnte die Polarfront Mitteleuropa erreichen und erstmals in dieser Saison für einen spürbaren Kälteeinbruch sorgen. Während bislang milde Westlagen dominierten, deuten aktuelle Modellläufe auf einen vorübergehenden Wettersturz hin – mit Schnee bis in tiefere Lagen und Nachtfrost.
Solche Ereignisse sind im November nichts Ungewöhnliches, sorgen aber in der Bevölkerung regelmäßig für Diskussionen über den bevorstehenden Winterverlauf. Doch meteorologisch gilt: Ein einzelnes Kaltluftereignis sagt noch nichts über das Wetter in den kommenden Monaten aus.
Früher Winterstart ist gleich milder Restwinter? Das sagt das November-Wetter über den Winter aus
Oft heißt es: Wenn der Winter zu früh beginnt, bleibt er später mild. Diese Volksweisheit hält einer wissenschaftlichen Prüfung kaum stand. Zwar können frühe Kaltphasen auf eine aktive Nordhemisphären-Zirkulation hinweisen, doch die großräumigen Muster – etwa die Nordatlantische Oszillation (NAO) oder der Zustand des Polarwirbels – entscheiden letztlich, ob sich eine länger anhaltende Winterlage einstellt. Ein Beispiel liefert der Winter 2010/11: Damals folgte auf einen frühen Kälteeinbruch ein durchgehend frostiger Dezember – ein Szenario, das aktuell nicht absehbar ist.
Interessant ist, dass die NOAA ihre Dezemberprognose für Europa zuletzt leicht nach unten angepasst hat. Statt ein bis zwei Grad über dem Mittel 1991 bis 2020 erwartet man nun nur noch 0,5 bis ein Grad positive Abweichung für Deutschland. Das deutet auf eine gewisse Abschwächung der milden Tendenz hin – allerdings bleibt das im Bereich normaler Schwankungen.
Tornados, Wüstenstürme, Zyklone: Wetterphänomene, die Sie kennen sollten
Seriös lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt keine klare Aussage über das Wetter im nahenden Winter treffen. Vieles hängt von der Entwicklung des Polarwirbels und möglichen Blockadelagen im Dezember ab. Fazit: Der mögliche Wettersturz ist ein spannendes Signal – aber noch kein Vorbote eines „Winter 2010 reloaded“.