Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Globale Hitzewelle schockt 2025 mit Rekordwerten – Klimasystem droht in neue Phase zu kippen
Nach kurzem Durchatmen zeigen Daten Rekordhitze im Herbst 2025. Experten sprechen von einer gefährlichen Klimabeschleunigung. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Frankfurt – Die Welt erlebt erneut Tage, die in den Temperatur-Archiven wie ein Alarmzeichen wirken. Nach einer kurzen Verschnaufpause im Jahresverlauf schnellen die globalen Temperaturen wieder auf Rekordniveau – und das mitten im Herbst. Messdaten zeigen: Oktober 2025 reiht sich als drittwärmster Monat der Geschichte ein, nur geschlagen von 2023 und 2024.
Besonders beunruhigend ist, dass diese Hitze nicht durch ein extremes El-Niño-Ereignis erklärt werden kann. Stattdessen scheint das Klimasystem einen Punkt erreicht zu haben, an dem die Erwärmung selbst in „kühlere“ Jahreszeiten durchschlägt. Die globale Anomalie kratzt erneut an der Marke von 1,75 Grad über vorindustriellen Werten. Was früher Ausreißer waren, wirkt nun wie die neue Normalität. Klimaforscher sprechen von einem System im Beschleunigungsmodus.
Hitzestau im Norden, Ozeane geben Energie zurück: Klima-Teufelskreislauf verschärft sich
Besonders der Norden kühlt nicht mehr richtig ab. Modelle zeigen, dass die Wärme im November weiter anhält – ungewöhnlich hohe Werte über Land, rekordwarme Meere, kaum Schneebildung im hohen Norden. Ein riesiger Wärmespeicher beginnt seine Energie freizusetzen: die Ozeane. Jahrzehntelang haben sie über 90 Prozent der überschüssigen Wärme aufgenommen, nun strömt ein Teil davon zurück in die Atmosphäre.
Damit verstärkt sich der Klima-Teufelskreis: Warmes Wasser bedeutet weniger Eis, dunklere Meeresflächen schlucken mehr Sonne, Hitze baut sich weiter auf. Gleichzeitig reflektieren weniger Schiffsaerosole Sonnenlicht. Paradoxerweise sorgt sauberere Luft dafür, dass mehr Wärme im System bleibt.
Droht der Durchbruch über 1,5 Grad?
Die Daten deuten darauf hin, dass 2025 in die Top-3 der heißesten Jahre rutschen könnte – vielleicht sogar gleichauf mit 2023. Noch alarmierender ist der Trend: Selbst ohne starken El Niño bleibt die Erde brennend heiß. Viele Forschende warnen, dass wir gerade in ein Klimazeitalter eintreten, in dem Extremwerte nicht mehr Ausnahme, sondern Gewöhnung werden. Ein Zustand, der die Anpassungsfähigkeit von Gesellschaften und Ökosystemen überfordert. Jede Zehntelgrad-Erhöhung zählt, und die neuesten Zahlen zeigen, dass das Zeitfenster für zögerliche Klimapolitik unwiederbringlich schmilzt.
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